Aus Liebe zu Afrika
16.10.2018 Region OberfreiamtMurianerin führt Hilfsprojekt in Burkina Faso
«Zukunft für Burkina Faso» heisst der Verein, den Brigitte Keusch 2009 gründete. Mittlerweile gehen im Centre St. Benoit 180 Kinder zur Schule.
Rund 100 000 Einwohner zählt ...
Murianerin führt Hilfsprojekt in Burkina Faso
«Zukunft für Burkina Faso» heisst der Verein, den Brigitte Keusch 2009 gründete. Mittlerweile gehen im Centre St. Benoit 180 Kinder zur Schule.
Rund 100 000 Einwohner zählt die Stadt Ouahigouya im Norden von Burkina Faso. An deren Stadtrand wird seit 2015 fleissig gebaut. Mit Hilfe des Vereins «Zukunft für Burkina Faso» entsteht dort ein Schulzentrum – auch für Kinder, deren Eltern sich sonst Schulbildung nicht leisten könnten. Was Initiantin Brigitte Keusch, aufgewachsen in Boswil und wohnhaft in Muri, besonders freut: Nicht nur die Kinder profitieren. «Sie tragen Gelerntes nach Hause, etwa im Umgang mit Abfall», nennt sie ein Beispiel.
Keusch ist Sekundarlehrerin in Cham, wandert in ihrer Freizeit gerne, fährt Snowboard, Mountainbike oder macht Musik. Ihre grösste Leidenschaft hegt sie aber für das Land im Westen Afrikas. In der Schweiz sammeln sie und der gesamte Verein Geld für das Centre. Keusch verspricht: «Jeder Franken wird für das Centre und die Kinder eingesetzt.»
--ake
Zukunft auf einst dürrer Erde
Brigitte Keusch ist Gründerin und Präsidentin des Vereins «Zukunft für Burkina Faso»
Vor den Prüfungen zur Sekundarlehrerin nochmals Französisch lernen und dabei Gutes tun. Das war 2008 der Plan von Brigitte Keusch. Per Zufall kam sie in den Norden von Burkina Faso. Land und Leute haben sie derart begeistert, dass sie wenig später ein Hilfsprojekt gründete.
Annemarie Keusch
Es ist ihre Fröhlichkeit, die Brigitte Keusch fasziniert. «Sie haben viel mehr Schwierigkeiten als wir, vor allem wirtschaftliche. Aber alles, was sie haben, wollen sie geben», erzählt sie. Diese Fröhlichkeit anders verpackt steht auch auf ihrem Küchentisch in Muri. Getrocknete Mangoschnitze direkt aus Burkina Faso. «Sie bringen die Sonne direkt aus Afrika», meint sie schmunzelnd.
Afrika – der Kontinent hat es Brigitte Keusch, die in Boswil aufgewachsen ist, angetan. «Einmal Afrika, immer Afrika», sagt sie. Loskommen, das wird sie davon nicht mehr. Das will sie aber auch gar nicht. «Ich komme jedes Mal viel reicher in die Schweiz zurück, wenn ich in Burkina Faso war», sagt die 44-Jährige. Zweimal jährlich ist sie für zwei Wochen im westafrikanischen Land. In den Sport- und in den Sommerferien. Das nächste Schuljahr besprechen, aktuelle Projekte begleiten, sich einen neuen Überblick verschaffen – das macht sie vor Ort.
Träume der Einheimischen realisiert
Brigitte Keusch spricht von einem extrem guten Gefühl im Herz, wenn sie von Burkina Faso erzählt. Zu sehen, was dort Jahr für Jahr entsteht, wie sich die Verantwortlichen vor Ort engagieren und wie sich alles entwickelt, ist für sie eine riesige Befriedigung. «Das gibt Ansporn, nie aufzuhören», betont sie. Dabei war es anfänglich nicht ihr Ziel, ein Hilfsprojekt zu gründen. Es waren gar aneinandergereihte Zufälle, die sie nach Burkina Faso führten.
Dass sie kurz vor ihrem Abschluss als Sekundarlehrerin in ein französischsprechendes Land verreisen wollte, das war ihr Plan. «Einfach nach Frankreich, das wollte ich nicht», sagt sie. Vielmehr wollte sie das für sie Nützliche mit Nützlichem vor Ort verbinden. Recherchen im Internet führten sie zu einem Schulprojekt in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou, das sie eigentlich einer Kollegin empfehlen wollte.
Schliesslich ging Keusch selber für ein Volontariat dorthin, aber nicht wie geplant in eine Schule. Weil diese früher als geplant Ferien machte, wurde sie weitergewiesen in den Norden, nach Ouahigouya in ein Waisenhaus. Vier Wochen war die Freiämterin dort tätig und sprach viel mit den Einheimischen. «Ich hörte ihre Träume, wie sie ihren Kindern eine andere Zukunft bieten wollen. Diese Gespräche klangen nach und jene Menschen steckten mich mit ihrem Willen an», blickt sie zurück.
Partnerverein vor Ort
Das war 2008. Das Ganze wurde schnell immer intensiver. Ein Jahr später gründete sie den Verein «Zukunft für Burkina Faso», mit zwei Brüdern und einer Schwägerin im Vorstand. Kleine Projekte reihte der Verein dank Spenden aus der Schweiz aneinander, versuchte Patenschaften zu vermitteln – mittlerweile sind es deren 29. So richtig los ging es 2015. Seit dann schreibt der Verein quasi ein Märchen, das Jahr für Jahr um ein Kapitel reicher wird.
Angefangen hat alles mit einer eineinhalb Hektaren grossen Fläche. Brach war sie damals noch, heute stehen ein Primarschulhaus, ein Kindergarten, ein Wasserturm, hygienische sanitäre Anlagen, eine Cafeteria und ein einladender Spielplatz darauf. Realisiert hat das Ganze nicht allein der Verein «Zukunft für Burkina Faso». Das betont Brigitte Keusch immer wieder. Vielmehr ist es die Zusammenarbeit mit dem Partnerverein «ASAFE» vor Ort, der alles möglich gemacht hat – und der Einsatz der Einheimischen selber. «Es bringt nichts, wenn wir ihnen modernste Infrastruktur zur Verfügung stellen. Ein nachhaltiges Projekt gedeiht und gelingt, wenn die Verantwortlichen vor Ort sich mit ihren Ideen dafür engagieren.»
Im nächsten Jahr ein zweites Primarschulhaus
Angefangen hat alles mit drei Klassen, mittlerweile sind es sechs. Jedes Jahr kommt eine dazu. «Ziel ist es, dass sie bis zur Maturität bei uns bleiben können», sagt Brigitte Keusch. Denn sie weiss, was das «Centre St. Benoit» im Vergleich zu den öffentlichen Schulen Vorteile an Qualität mit sich bringt. Sind es dort bis zu 100 Kinder in einer Klasse, sitzen im Centre maximal 30 Kinder in einem Schulzimmer. «Dass sie so viel mehr für ihre Zukunft profitieren, liegt auf der Hand.»
Kommt hinzu, dass auch ärmere Familien ihre Kinder in die Schule schicken können. Hierbei kommt der Verein «Zukunft für Burkina Faso» ins Spiel. Fehlt es einer Familie an Schulgeld, übernimmt der Verein einen Teil. Gleich ist es mit neuen Projekten. Diese werden mehrheitlich mit finanziellen Mitteln aus der Schweiz realisiert. Zwischen 60 000 und 70 000 Franken kostet etwa das zweite Primarschulhaus, dessen Realisierung für nächstes Jahr geplant ist. Geld, das der Verein mit Verkaufsständen an Märkten oder mit Mund-zu-Mund-Werbung zu sammeln versucht.
Natürlich sei es das Ziel, Hilfe zur Selbsthilfe bereitzustellen, damit das Centre langfristig selbsttragend wird. Ein eigener Gemüsegarten, um Essen für die Schüler zu kochen, die Cafeteria – es sind kleine Projekte, die einmal ein grosses geben sollen. Bis dann, davon ist Brigitte Keusch überzeugt, hilft sie der Sache mehr, wenn sie in der Schweiz lebt und zweimal jährlich nach Burkina Faso reist. «Ganz in Afrika zu leben, das habe ich mir auch schon überlegt. Vielleicht, wenn es im Centre Sekundarklassen gibt – wer weiss», sagt sie und lacht.
Enge Zusammenarbeit mit dem Schulleiter
Dass sie nicht schon in Ouahigouya lebt, hat vor allem mit der konstruktiven Zusammenarbeit mit Adama Guiro zu tun. Spricht die Murianerin vom Schulleiter, nennt sie ihn einen Sechser im Lotto. Sie verstehen sich blind, Guiro adaptiert Keuschs Ideen auf die Verhältnisse in Burkina Faso, bringt selber Ideen ein. «Ein riesiges Vertrauensverhältnis», sagt Keusch, die in Cham als Sekundarlehrerin tätig ist. «Es ist ein gegenseitiges Lernen, das beide Seiten reicher werden lässt.»
Mehr Informationen unter: www.zukunft-burkina-faso.ch.



