Für Imker – und die Bienen
21.09.2018 Region OberfreiamtEinweihung des Kompetenzzentrums Lehrbienenstand im September 2019 geplant
Den Freiämter Bienen gehts sehr gut. Das soll so bleiben, finden die Imker. Möglich mache dies eine gute Aus- und Weiterbildung. In einem Lehrbienenstand in Mühlau ...
Einweihung des Kompetenzzentrums Lehrbienenstand im September 2019 geplant
Den Freiämter Bienen gehts sehr gut. Das soll so bleiben, finden die Imker. Möglich mache dies eine gute Aus- und Weiterbildung. In einem Lehrbienenstand in Mühlau soll es diese ab nächstem Jahr geben.
Elisa Hipp
Patricia Honegger taucht den feinen Löffel in die Wabe. Vorsichtig zieht sie ihn heraus. Darauf sitzt ein klitzekleines Bienchen, eine Larve, die Flügel hellweiss. Eine Königin wird es einmal werden. Vorsichtig führt die Imkerin den Löffel zu künstlichen Weichselzellen. Umlarven nennt sich das. Es sorgt für eine gute Zucht und gute Königinnen. Der Löffel taucht in die nächste Wabe.
Um Patricia Honegger herum stehen ihre Imkerkollegen von den Bienenzüchtervereinen Muri und Umgebung sowie Oberfreiamt, dazu ein paar Journalisten. Denn die Imker haben zur Infoveranstaltung für Medien geladen. Sie wollen an der Kessenbergstrasse in Mühlau einen Lehrbienenstand bauen. Und nun, da wollen sie informieren, was geplant ist, und wofür es einen Lehrbienenstand überhaupt braucht. Dazu geben sie auch einen Einblick in die verschiedenen Imkerarbeiten – zum Beispiel das Umlarven.
Einstöckiges Holzhäuschen
Bisher unterhalten die beiden Bienenzüchtervereine einen kleinen Bienenstand im Möösli in Mühlau. Der ist Lehrbienenstand und Belegstation zugleich. Doch der sei nicht mehr zeitgemäss und zu eng, erklärt Bruno Heggli, Präsident des Bienenzüchtervereins Muri und Umgebung: Es fehlen Sanitäranlagen, es hat keine Unterrichtsräume.
Der neue Lehrbienenstand soll dies alles haben: einen Schulungsraum, einen Materialbereich und einen sogenannten Imker-Praxisbereich, in dem die Bienenvölker gehalten werden. Für den neuen Lehrbienenstand haben die Bienenzüchtervereine einen guten Standort gefunden, wie sie sagen. Auf dem Platz an der Kessenbergstrasse neben einem Hof steht derzeit ein kleiner Schuppen. Er wird teilweise abgetragen und durch ein neues einstöckiges Holzhäuschen ersetzt.
Ausbildung – für gesunde Bienen
Beim Lehrbienenstand sollen künftig Imker aus- und weitergebildet werden, sagt Imker Marc Müller. «Es braucht Weiterbildung, weil es immer neue Themen gibt. Die Varroa-Milbe zum Beispiel war vor 20 Jahren noch kein Thema.» Dazu kommen andere Klimabedingungen: Früher war es im Herbst kälter, die Bienen fliegen heute länger im Jahr und sind schneller «abgearbeitet». Und dann ist da noch das Bienensterben. An dem, sagt Bienenberater Markus Müller, seien oft die Imker selber schuld – «auch wenn sie das nicht wahrhaben wollen. Da sind immer andere schuld.» Eine gute Ausbildung ändere dies. Und sie sorge auch für gesunde Völker.
Apropos Varroa-Milbe: Wie die bekämpft werden kann, zeigt die Imkerin und Aktuarin des Bienenzüchtervereins Muri, Desirée Ganarin, an einem Volk. Ameisensäure nimmt sie dazu. Damit wird das Volk bestäubt. «Wenn man nichts gegen die Varroa-Milbe macht, ist ein Bienenvolk nach spätestens drei Jahren ausgestorben», sagt sie. Weiter führt Imker Marc Müller zur Maschine, in der das Wachs wieder eingeschmolzen wird. Es duftet nach Bienenwachs, aber auch noch ein bisschen nach Honig, der in den Waben war.
Kosten: 185 000 Franken
Der Lehrbienenstand soll ein Kompetenzzentrum werden, so die Bienenzüchtervereine. Dies, weil dort nicht nur die Grund- und Weiterbildung der Imker stattfinden soll, sondern auch Vorträge von Fachleuten und Infoveranstaltungen. Auch soll eine Plattform für Landwirte, Förster und Imker geschaffen werden. Und Schulklassen können dann besser erreicht und betreut werden. «Damit Kinder einen Bezug zu Bienen bekommen und das Insekt schätzen lernen», sagt Marc Müller. Und, ergänzt Bruno Heggli, die Schulklassen haben dann künftig auch einen Ansprechpartner.
185 000 Franken soll der Um- und Neubau kosten. Und zwar ist das Projekt bereits bewilligt. Doch nun suchen die Imkerinnen und Imker noch nach Unterstützern – via Sponsoring, Crowdfunding, auch Lokalhelden und Privatpersonen. Um auf ihr Projekt aufmerksam zu machen, organisieren sie einen Tag der offenen Tür am Sonntag, 7. Oktober, 10 bis 15 Uhr, in der Belegstation Möösli (Mühlau Richtung Schoren). Dort zeigen sie, genau wie beim Medienanlass, Imkerarbeiten. Ausserdem sind sie jeweils an den Samstagen zwischen dem 22. September und 3. November auf Infotour. «Läuft alles gut», sagt Bruno Heggli, «ist der Baustart des Lehrbienenstandes im Mai 2019, die Einweihung im September 2019.»
Zum Schluss gibts beim Medienanlass noch eine Honigverkostung; Sommerhonig und Blütencremehonig von der Belegstation Möösli. Die Imker zeigen durch eine Schauplatte eine Wabe. Die Königin, markiert mit einem grünen Punkt, ist fast perfekt von ihrem «Hofstaat» umkreist. «Wie Frauen das eben gerne haben», sagt Bruno Heggli, schaut vorsichtig zu den paar Frauen, die da sind und zwinkert dann. Allgemein, meint er, gehe es den Freiämter Bienen sehr gut. Nur ein Imker habe dieses Jahr eine Sauerbrut gehabt, diese jedoch schnell entdeckt. Die Bienen sind gesund. Und das soll auch so bleiben.
Die Daten der Infotour sowie die Infos zum Lehrbienenstand unter www. lehrbienenstand-freiamt.ch.



