Die Ära Cipriano geht weiter
25.09.2018 KampfsportKickboxen: Roy Cipriano wird Junioren-Weltmeister in Italien
Kickboxing Wohlen feiert seinen ersten Junioren-Weltmeister. Beim Turnier im italienischen Jesolo zeigt sich Roy Cipriano noch stärker als bei seinem Vize-EM-Titel im Vorjahr und holt die Trophäe ...
Kickboxen: Roy Cipriano wird Junioren-Weltmeister in Italien
Kickboxing Wohlen feiert seinen ersten Junioren-Weltmeister. Beim Turnier im italienischen Jesolo zeigt sich Roy Cipriano noch stärker als bei seinem Vize-EM-Titel im Vorjahr und holt die Trophäe ins Freiamt.
Josip Lasic
Freitag, 21. September, 16.37 Uhr. Der WhatsApp-Gruppenchat von Kickboxing Wohlen explodiert. Eine Nachricht bringt es auf den Punkt. «Mer hend en neue Weltmeister.» Roy Cipriano, Sohn von Wohlens Kickboxing-Legende Rocco Cipriano, hat in diesem Moment den Slowenen Ali Botonjic bezwungen und sich den Junioren-Weltmeister-Titel in der Kategorie Pointfighting bis 63 kg gesichert.
Der Mexikaner Diego Guzman Tepoxtecatl, der US-Amerikaner Sudan Holland, der Brite Jack Buckley und Botonjic. Sie alle konnten Cipriano junior auf dem Weg zum Titel nicht aufhalten. Während Glückwünsche aus Verein, Lehrbetrieb, Familie und Freundeskreis eintreffen, kann es der junge Wohler selbst noch nicht fassen. «Ich kann es noch immer nicht richtig begreifen. Im Vorfeld des Turniers habe ich mir gute Chancen ausgerechnet. Dass es zum Titel reicht, habe ich allerdings nicht erwartet», so Roy Cipriano.
Schweres Erbe
Roy Cipriano ist der 1. Junioren-Weltmeister aus den Reihen von Kickboxing Wohlen. Kaum zu glauben bei dem Verein, der starke nationale und internationale Kämpfer wie Antonio Lo Prete, Danylo Mancari, Cassandra Fasolo, Christine Felber oder die ehemalige Junioren-Europameisterin Cheyenne Rast hervorgebracht hat. Ganz zu schweigen von Roy Ciprianos Vater, dem mehrfachen Kickbox-Weltmeister Rocco Cipriano. Dieser hat seinen Sohn am WM-Turnier in Italien gecoacht. «Ich bin unglaublich stolz. Dieser Titel schien so weit entfernt. Unsere Kämpfer sind immer gut vorbereitet, aber das Niveau ist extrem hoch. Auf diesem Level kannst du dir keine Schwächen erlauben», sagt Rocco Cipriano. «Seit dem verlorenen Final an der Junioren-EM hat Roy sportlich und charakterlich einen grossen Sprung gemacht. Er strotzt vor Selbstvertrauen. Das hat den Unterschied ausgemacht.» In der Tat bestreitet Roy Cipriano den Finalkampf mit einer unglaublichen Coolness. Obwohl er zu Beginn 0:2 nach Punkten zurückliegt, kämpft er, als gäbe es keinen Zweifel daran, dass er Weltmeister wird.
«Von Natur aus keine Probleme auf mentaler Ebene»
Er dreht das Ergebnis und siegt mit 9:5. «Ich habe das Glück, dass ich auf mentaler Ebene von Natur aus keine Probleme habe», so Cipriano. «Dass wir vor den Kämpfen zusätzlich mentales Training betreiben, hilft enorm. Ich kenne viele Kämpfer, die körperlich stark sind, aber bei einem Rückstand innerlich einbrechen. Mein Vater sagt, dass man einen Kampf verlieren darf, aber der Gegner zuerst an einem vorbeikommen muss. Mit dieser Einstellung funktioniert es.» Dass der ganze Verein ihn an der WM in einem Gruppenchat unterstützt hat, erfährt Roy Cipriano nur durch seinen Vater. «Ich habe selten bis nie auf mein Handy gesehen», so der frischgebackene Weltmeister. «Ich stand die ganze Woche unter Druck. Zu wissen, dass alle hinter mir stehen und an mich glauben, hat mir viel bedeutet und mir zusätzliche Kraft gegeben.» Bis zuletzt ist das Turnier eine hochemotionale Sache für alle Beteiligten. Andrea Faggiano von Kickboxing Wohlen ist eigentlicher Trainer der Pointfighting-Nationalmannschaft. Aus beruf lichen Gründen kann er nicht von Anfang an am Turnier dabei sein. Er reist aber nach, um Roy Cipriano zu unterstützen. Rocco Cipriano: «Roy hat es viel bedeutet, dass Andrea Faggiano noch kam. Für mich war es ohnehin sehr emotional. Ich bin als Coach bei all unseren Kämpfern nervöser als bei meinen eigenen Kämpfen früher. Wenn der aber eigene Sohn kämpft, ist es nochmals ein Stück emotionaler.»
Es sind positive Emotionen, die alle mitnehmen. «Es ist ein unglaublich gutes Gefühl und eine schöne Erfahrung, die ich nie vergessen werde», so Roy Cipriano überglücklich. «Ich hoffe, ich kann diesen Weg weitergehen und eines Tages auf das Niveau meines Vaters kommen.» Jetzt will sich der junge Kickboxer aber zunächst einmal feiern lassen. Und das gleich doppelt. Vorgestern Sonntag, zwei Tage nach seinem WM-Sieg, konnte er seinen 16. Geburtstag feiern. «Der Titel ist das schönste Geschenk, das ich je erhalten habe», sagt er lachend. Er hat es nicht erhalten. Dieses Geschenk hat sich Roy Cipriano erkämpft.



