Mitdenken und engagieren
03.08.2018 VillmergenBundesfeier in Villmergen mit Bundesrätin Doris Leuthard
Strahlendes Wetter, eine spannende Rede und das Lieblingsessen für den Ehrengast. Die Bundesfeier in Villmergen war ein grosser Erfolg.
Noch am Tag darauf war die Bundesfeier ...
Bundesfeier in Villmergen mit Bundesrätin Doris Leuthard
Strahlendes Wetter, eine spannende Rede und das Lieblingsessen für den Ehrengast. Die Bundesfeier in Villmergen war ein grosser Erfolg.
Noch am Tag darauf war die Bundesfeier in Villmergen das Gesprächsthema Nummer eins im Dorf. Mitreissend sei die Rede von Bundesrätin Doris Leuthard gewesen, schön mitanzuhören, spannend. Mit ihrer offenen und direkten Art sprach Leuthard die Besucher an. «Wir können nur eine gute Politik machen, wenn Sie mitdenken, wenn Sie wissen, was Sie wollen und wenn wir auf Engagement zählen dürfen.»
Zufriedene Organisatoren
Packende Worte, die zum Nachdenken anregen. Der tosende und langanhaltende Applaus nach der Festansprache war noch weit im Dorf zu hören. «Es lief alles bestens», freut sich OK-Präsident Edwin Riesen, FDP. «Es ist wunderbar, was die vier Parteien im Dorf, die CVP, FDP, SP und SVP gemeinsam anpacken und auf die Beine stellen konnten.»
Der Brunch auf dem Dorfplatz war ein grosser Erfolg. «Über 180 Personen konnten bereits am Brunch bedient werden», verkündete Riesen nur rund zwei Stunden nach der Eröffnung. Unter den Verköstigten war auch Bundesrätin Doris Leuthard. Für sie hatten sich die Organisatoren etwas Besonderes einfallen lassen. «Um unseren Ehrengast zu verwöhnen, haben wir ihr Lieblingsessen zubereiten lassen.» --chg
Bundesfeier Villmergen mit Bundesrätin Doris Leuthard
Eine grosse Ehre für Villmergen: An der Bundesfeier auf dem Dorfplatz hielt Bundesrätin Doris Leuthard die Festrede. Sie forderte, dass mehr miteinander statt gegeneinander gearbeitet wird. «Wenn alle gegen alle kämpfen, verlieren auch alle.»
Chantal Gisler
Ein Besuch von Bundesrätin Doris Leuthard zur Bundesfeier in Villmergen ist nicht alltäglich. Dazu braucht es gute Gründe – oder eben Hartnäckigkeit und einen Besuch im Bundeshaus. «Seit 2010, der Fusion von Hilfikon und Villmergen, haben wir versucht, Doris Leuthard nach Villmergen zu bekommen», erzählt Gemeindeammann Ueli Lütolf während dem Bundesfeierbrunch auf dem Villmerger Dorfplatz. Das bestätigte auch Leuthard: «Euer Gemeinderat hat mir jedes Jahr ein bis zwei E-Mails geschrieben und mich immer wieder eingeladen.» Diese Hartnäckigkeit sollte sich auszahlen. Doch ausschlaggebend sei der Besuch des Villmerger Gemeinderates im Bundeshaus zur Pensionierung des ehemaligen Gemeindeschreibers Markus Meier gewesen. «Als sie mich dort spontan darauf angesprochen haben, ob ich komme, sagte ich: Mol, jetzt chumi›», verrät Leuthard.
Im Alleingang funktioniert es nicht
In ihrem orangenen Sommerkleid strahlte sie mit der Sonne um die Wette. «Ihr Villmerger habt euch schon einen ganz besonders heissen Tag ausgesucht», scherzte Leuthard gleich zu Beginn. Die CVP-Bundesrätin konnte das Publikum mit ihrer fröhlichen Art und kleinen Scherzen schnell auf ihre Seite locken. Die «protokollarische Unkorrektheit», wie die Bundesrätin das Fehlen des offiziellen Blazers nannte, war ihr schnell verziehen.
In ihrer Ansprache betonte sie, dass die Schweiz schon immer mit der Welt verbunden war. Es sei nicht nötig, Selbstbestimmung zu suchen.
Die Schweiz ist selbstbestimmend. Viermal pro Jahr wird an der Urne über Lösungen befunden. «Kein anderes Land hat so ausgewallte Mitbestimmungsrechte», hielt sie fest. Ausserhalb der Landesgrenzen sieht die Sache anders aus. «Wir leben in einer Zeit, in der auch jenseits unserer Landesgrenzen im Alleingang gehandelt wird.» Doch in dieser komplizierten, globalisierten Welt alleine Lösungen zu finden sei schier unmöglich. «Denken Sie bei dieser Hitze an die Klimaerwärmung», mahnt die Bundesrätin. Es ist eines der Probleme, das nur international gelöst werden kann. Die Schweiz steht weiterhin zum Pariser Klimaschutzabkommen. Denn nur nichts machen und mitansehen, wie es wärmer wird, das geht nicht.
Es gibt eine tragfähige Lösung
Sie betonte, dass die Schweiz schon immer internationalen Handel pflegt und weltweit die Demokratie fördert. «Eine Politik mit Strafzöllen und Abschottung, Kündigung von wichtigen Abkommen und nationalen Verträgen destabilisiert die Welt», stellte Leuthard mit Blick auf das Handeln des amerikanischen Präsidenten fest. Dessen Motto «America first» hat sie in den vergangenen Monaten oft gehört. Auch sie benutzt das Wort «first», jedoch im Zusammenhang mit Fortschritt. «Be first but be right ist das, was ich sage.» Auch gegenüber der Europäischen Union, die Schweiz bekennt sich zu den bilateralen Verträgen. «Und der Bundesrat arbeitet gezielt an einer Weiterentwicklung in diesem Verhältnis.»
Besonders erschreckend ist jedoch die Tatsache, dass die Zahl der Länder, die auf dem Weg der Demokratisierung Rückschritte gemacht haben, grösser geworden ist als die Zahl der Länder, die in diesem Bereich Fortschritte gemacht haben. «Die Pressefreiheit hat weltweit abgenommen», stellt Leuthard fest. «Der Terrorismus in den Industriestaaten hat zugenommen und auch die Migration hat die Rekordmarke erreicht.» Das sei in diesem Sinne keine erfreuliche Nachricht, wenn sich am Ende alle gegeneinander abschotten. «Wenn alle gegeneinander kämpfen, verlieren auch alle.»
Multilateralismus und ausgehandeltes Recht sind zentral für die internationale Stabilität. Sie schützen diejenigen, die es nötig haben. «Das war auch schon immer der Weg der Schweiz», erklärt die Bundesrätin. «Eine tragfähige Lösung zu finden ist möglich.» Man müsse es aber gemeinsam anpacken.
Keine Garantie für Wohlstand
«Dass es uns so gut geht, hängt auch mit der Stabilität zusammen.» Die Schweiz war in den beiden Weltkriegen jeweils glimpflich davongekommen. «Eus gahts guet.» Aber das ist nicht garantiert, das war nicht immer so. «Auch in der Schweiz gab es viele Jahre mit Gewalt, Hunger und Not, wobei auch viele Schweizer ausgewandert sind. Die Menschen hier in Villmergen, ihr wisst das. Es ist rund 300 Jahre her, dass ihr hier einen Glaubenskrieg hattet zwischen Katholiken und Protestanten.» Dabei hatten sie nicht wenige Tote zu beklagen. «Vergesst das nie», mahnte sie. «Wir haben daraus gelernt, wir haben gelernt, neutral zu bleiben und auf Regeln zu vertrauen, die wir ausgehalten haben.» Denn etwas besser zu wissen, das bringt niemanden weiter. «Diskussionen sind in einem Land wie der Schweiz wichtig.» Man soll sie führen, hart, aber fair. «Und ohne einander zu verletzen.» Denn am Schluss muss man einander stets in die Augen sehen können.
Sie appelliert an das Schweizer Stimmvolk, mitzudenken und mitzudiskutieren. «Wir sind innovativ, kreativ, fleissig, mutig, dynamisch und neugierig. Gemeinsam können wir die beste Lösung finden.»
Selfie mit der Bundesrätin
Doris Leuthard stellte sich in Villmergen allen Fragen
Bereits oft wurde Bundesrätin Doris Leuthard mit der Frage nach ihrem Rücktritt konfrontiert. Auch über ihren Nachfolger wurde in den Medien bereits spekuliert. Doch die dienstälteste Bundesrätin, die bereits seit zwölf Jahren im Amt ist, lässt diese Frage kalt. Auch als sie während der Bundesfeier auf dem Villmerger Dorfplatz darauf angesprochen wurde, verriet sie mit einem freundlichen Lächeln nicht mehr als: «Das wird sich wie immer an Ostern entscheiden.» Sie sei jedoch jung und würde noch nicht über eine Zukunft nach dem Bundeshaus nachdenken.
Aber nervt sie diese Frage nicht? «Nein, natürlich nicht», erklärt Leuthard. «Solche Fragen sind nach über zehn Jahren im Amt legitim.» Viel lieber lebt Doris Leuthard im Hier und Jetzt. Gerne nimmt sie sich auch eine Auszeit. «Ich war kürzlich in den Ferien», verrät sie. Im Tessin, wo sie ihre Ferienwohnung hat.
«Pumpenvolles» Festzelt auf dem Dorfplatz
Dass sich die gebürtige Freiämterin in der Region bestens auskennt, besonders was die Villmerger Geschichte angeht, konnte man ihrer Bundesfeierrede entnehmen. Aber hat sie denn auch eine persönliche Bindung zum Dorf am Rietenberg? «Mein Göttibueb lebt hier», verrät Leuthard. Ausserdem besuchte sie die Kanti in Wohlen, kennt die Region gut. Mit dem Damenturnverein, dem die Bundesrätin einmal angehörte, war sie auch in der Region unterwegs.
Viele Mitglieder und Ehemalige konnten es sich nicht nehmen lassen, den Weg nach Villmergen auf sich zu nehmen und «ihre» Doris sprechen zu hören. «Das Zelt ist pumpenvoll, sogar am Rand stehen viele Leute», bemerkte der Villmerger Gemeindeammann Ueli Lütolf vor der Festansprache der Bundesrätin.
Und menschennah wie die Merenschwanderin nun mal ist, nimmt sie sich nach der Rede für jeden Zeit, posiert für Fotos und Selfies, beantwortet Fragen. Bis es für Doris Leuthard weitergeht, zum nächsten Termin in Lausanne. --chg




