Auf Pakettour
14.08.2018 Region UnterfreiamtSommerserie «Wenn es Nacht wird ...»
Während eines Nachmittags durfte diese Zeitung eine Paketbotin auf ihrer Tour in Villmergen, Wohlen, Dottikon und Dintikon begleiten. Eins vorweg: Es ist ein echter Knochenjob.
Von Frick bis Sins, von Würenlos ...
Sommerserie «Wenn es Nacht wird ...»
Während eines Nachmittags durfte diese Zeitung eine Paketbotin auf ihrer Tour in Villmergen, Wohlen, Dottikon und Dintikon begleiten. Eins vorweg: Es ist ein echter Knochenjob.
Von Frick bis Sins, von Würenlos bis Rupperswil. Die Paketboten vom Distributionszentrum Mägenwil tragen die Lieferungen fast im ganzen Kanton aus. Immer mit dabei: der Zeitdruck. Die Pakete müssen in einem bestimmten Zeitfenster abgeholt oder geliefert werden. Claudia Rauber-Sahli war schon immer bei der Post. «Die Arbeit hat sich verändert», sagt sie. Besonders seit 2008, als der Online-Versandhändler Zalando auf den Markt kam. «Durch den Gratisversand bestellen unsere Kunden vielmehr wie früher», erzählt sie.
Aber sie liebt ihren Job. «Der Kontakt zu den Kunden bedeutet mir sehr viel», erzählt sie. Gleichzeitig ist es aber auch die Selbstständigkeit, die ihr sehr gefällt. «Jeden Morgen wird uns eine Route vorgeschlagen. Aber wir müssen nach eigenem Ermessen beurteilen können, wann wir wo sein müssen.» --chg
«Fitnessabo kann man sich sparen»
Sommerserie «Wenn es Nacht wird...»: Auf Pakettour von Mägenwil nach Villmergen
Chantal Gisler
Beugen. Und das Knie wieder ganz durchstrecken. Die Arme kreisen lassen. So beginnt der Arbeitstag von Claudia Rauber-Sahli und ihren Mitarbeitern in der Logistikzentrale in Mägenwil. Sie werde ich einen Abend lang begleiten. Von hier aus werden die Päckli in alle Regionen im Kanton gebracht. Rauber ist heute für die Umgebung Villmergen zuständig.
Päcklibote zu sein, ist ein richtiger Knochenjob, das sollte mir schon sehr bald klar werden. Um Verletzungen vorzubeugen, lockern die Mitarbeitenden jeden Tag vor Schichtbeginn die Gelenke und wärmen die Muskeln auf. Ausfallschritt, Knie beugen und wieder aufstehen. Zehn Wiederholungen, danach ist das andere Knie dran. Wir absolvieren die Übungen im Schatten vor der Lagerhalle. Es ist heiss, die Aussentemperatur liegt bei etwa 30 Grad. Kurze Verschnaufpause. Danach gehts erst richtig los: Die Päckli müssen sortiert und in den gelben Lieferwagen geladen werden. Die Tour wird täglich neu geplant und sieht daher jeden Tag anders aus, je nachdem, an welche Adressen geliefert werden muss.
Mehr Arbeit im Winter
Wir sind für Abholung und Auslieferung zuständig, jeder Mitarbeiter für eine Region. Zuerst werden die grossen Boxen von «Le Shop» geladen. Leicht verderbliche Lebensmittel wie Milch und Fleisch werden in den blauen Kühlboxen geliefert, Alltagsgegenstände wie Klopapier oder Katzenstreu in den grünen, nicht gekühlten Boxen. Auch für Coop@Home ist die Post zuständig. «Ausserdem für Expresszustellungen und Weinlieferungen. Nur mit einem guten System kommt man vorwärts», sagt Claudia Rauber. Sie stapelt die Päckchen so, wie sie ausgeladen werden müssen, von innen nach aussen. Im Winter sind es gewöhnlich mehr Päckli, «da bestellen die Menschen mehr online». Was wiederum mehr Auslieferungen bedeutet.
Sie holt eine Tasche und legt einige Schlüssel hinein. «Für Briefkästen», erläutert sie und wir steigen in den Wagen. Rauber holt eine Liste hervor, studiert sie kurz und tippt daraufhin die erste Adresse in ihr Navigationssystem ein. In Gedanken geht sie die Route durch. Noch ein kurzer Check, ob wir alles haben, Seiten- und Rückspiegel richten. Danach gehts los, wir fahren von Mägenwil ins Freiamt. Claudia Rauber ist 37 Jahre alt und war «schon immer bei der Post». Die Lehre hat sie damals als Briefträgerin gemacht. Ihr gefällt die Selbstständigkeit am Beruf und der Kundenkontakt. «Man spart sich ausserdem das Fitnessabo», scherzt sie, während die Landschaft an uns vorbeizieht.
Alles muss gescannt werden
Erster Stopp Wohlen. Wir halten auf dem Vorplatz einer Firma. Wo genau? «Postgeheimnis», erklärt Rauber. Sie klingelt zweimal, «das Markenzeichen der Post», und wir gehen durch das offene Tor rein. «Grüezi, Post Mägewil», ruft sie freundlich. Niemand da. Wir schauen uns um. «Normalerweise haben sie hier einen Wagen mit Päckli stehen.» Wir machen uns auf die Suche nach einem Mitarbeiter. «Ah, Sie sind schon hier», ruft ein Mann und eilt herbei. «Tut mir leid, ich habe die Zeit völlig vergessen.» Er händigt uns ein Päckchen und mehrere Briefe aus. Mit dem Scanner fährt Rauber darüber und macht auf ihrer Liste neben der Adresse einen Haken. «Ohne den Scanner geht nichts, wir müssen der Zentrale mitteilen, wann wir was abgeholt haben.», erklärt sie und wendet sich an den Mann. «Haben Sie noch etwas? Oder brauchen Sie eine leere Briefbox?», fragt sie ihn. «Ou ja, eine Briefbox wäre gäbig.» Ich lege das Päckli auf die Lieferfläche, während Rauber dem Mann die Briefbox übergibt. «Wir fragen jeden Kunden, ob sie noch etwas haben oder eine Box möchten», erklärt sie. Während ich einsteige, tippt sie auf ihrem Navi schon die nächste Adresse ein.
Alles nach Zeit
Weiter gehts nach Villmergen. Claudia Rauber fährt ruhig und konzentriert, ihr Blick ruht auf der Strasse. Sie fährt nicht allzu hochtourig und stellt den Motor an roten Ampeln meistens ab. «Zeit ist bei uns alles», erklärt sie mir, während sie aus dem Kreisel fährt und den Wagen in Richtung Villmergen führt. Aber was, wenn die Päckliboten mal in einen Stau geraten oder das Auto eine Panne hat? «Dann müssen wir im Büro anrufen und ihnen die Situation erklären», so Rauber. «Sie rufen daraufhin unsere Kunden an und teilen ihnen mit, dass wir es nicht pünktlich schaffen.» Bei einer Panne wird zudem der Fahrzeugchef informiert. «Er entscheidet dann, was zu tun ist.» Doch das kommt selten vor, die Fahrzeuge werden regelmässig gewartet. «Mir ist das in meiner Karriere erst einmal passiert», sagt Rauber.
Sie deutet auf die Liste im Ablagefach. «Wir haben für alle Päckchen ein Zeitfenster. Die Päckli unserer Kunden müssen wir zwischen 17 und 18 Uhr abholen. Danach können wir die Zalandopäckli und die Le-Shop-Boxen ausliefern, für die haben wir bis um 19.30 Uhr Zeit», erklärt Rauber. Das ständige Ein- und Aussteigen und auch das Einladen von Päckchen bringt mich ins Schwitzen. Die Abendsonne brennt auf unsere Köpfe. Eine Klimaanlage gibts im Lieferwagen nicht. «Würde sich auch nicht lohnen», sagt Rauber. «Durch das viele Öffnen der Tür würden wir nur in die Umwelt hinaus kühlen.» Ihr Tipp: Viel Wasser trinken.
Für Päckli verantwortlich
Mittlerweile waren wir bei allen Firmen in der Umgebung, die Päckli liegen hinter uns gestapelt auf der Lieferfläche. «Jetzt können wir die Zalandolieferungen und Le-Shop-Boxen austragen», verkündet Claudia Rauber. Sie sieht sich die Liste an und schaut auf die Uhr. «Wir liegen gut in der Zeit.» Es ist 17.50 Uhr und die ersten Lieferungen dürfen wir ab 18 Uhr bringen. Unterwegs halten wir noch an einem Briefkasten bei einer Bushaltestelle. «Die werden am Morgen vom Pöstler und am Abend von uns geleert», erklärt Rauber. Wir fahren zur ersten Adresse, klingeln zweimal. Niemand öffnet. «Wenn niemand da ist, müssen wir abschätzen, ob wir die Lieferung im Hauseingang lassen können oder wieder mitnehmen müssen.» Denn bis zur Zustellung ist die Post für die Lieferungen verantwortlich. Wir legen das Päckli in den Milchkasten des Kunden.
Wir bleiben in Villmergen. «Als nächstes liefern wir drei Le-Shop-Boxen aus», sagt Rauber. Wir stapeln sie auf den Sackrolli und gehen zum Eingang eines Mehrfamilienhauses. Wieder wird zweimal geklingelt. Im Hauseingang packen wir die Boxen aus und tragen die Säcke in den dritten Stock. In einem Anlauf schaffen wir nicht alle, also nochmals hinunterlaufen und wieder hoch zum Kunden. Lieferungen bis zur Haustüre, auch das gehört zum Angebot der Post. Ich bin völlig ausser Atem, Claudia Rauber sieht man die Anstrengung kaum an. «Man gewöhnt sich daran», versichert sie mir. Weiter gehts, wir haben noch neun der grünen Boxen und einige Zalandopakete geladen.
Sortieren und verteilen
Nach rund zwei Stunden haben wir alle Lieferungen ausgetragen und kehren zurück nach Mägenwil. Wir müssen uns etwas beeilen, sonst verpassen wir den Lastwagen, der die Briefe nach Härkingen bringt. «Dort werden sie sortiert und in die Logistikzentren gebracht.»
In der Verteilzentrale angekommen, sortieren wir die Päckli. Diejenigen mit der Aufschrift «PRI» werden noch am selben Abend vom Sattelschlepper abgeholt. Sie werden zuerst sortiert, damit sie den Kunden am nächsten Tag erreichen. Auf einem langen Rollband sortieren die Mitarbeiter die Päckli. In der Schweiz gibt es drei grosse Verteilstationen: Härkingen, Frauenfeld und Daillens. Von dort aus werden sie in der ganzen Schweiz verteilt. «Diejenigen, die ins Ausland gehen, kommen ins Paketsortierzentrum Härkingen», erklärt Basisleiter Thomas Gähwiler. Päckli für die Region kommen wieder nach Mägenwil, wo sie am nächsten Tag von den Paketbotinnen und -boten ausgetragen werden.




