Zwei ganz andere Gefühlslagen
17.02.2026 Muri, BaugewerbeBei der Bäckerei Kreyenbühl wird gebaut – die neue Konditorei und an der Zürcherstrasse
Einst war es die alte Bäckerei ihrer Vorgänger. Nun bauen Regula und Buki Kreyenbühl dort unter anderem eine neue Konditorei. Im Oktober soll das ...
Bei der Bäckerei Kreyenbühl wird gebaut – die neue Konditorei und an der Zürcherstrasse
Einst war es die alte Bäckerei ihrer Vorgänger. Nun bauen Regula und Buki Kreyenbühl dort unter anderem eine neue Konditorei. Im Oktober soll das Bauprojekt fertig sein. Während dieses für Freude sorgt, löst die erneute Baustelle an der Zürcherstrasse mehr Sorgen aus.
Annemarie Keusch
Noch ist eine Weitergabe des Betriebes nicht konkret. Und trotzdem ist die Tatsache im Hinterkopf. Buki Kreyenbühl ist 60-jährig, die Pensionierung rückt immer näher. «Wir wollen bereit sein. Der Betrieb soll so aufgestellt sein, dass er überhaupt übernommen werden kann», sagt er. Dazu gehört eine Infrastruktur, die zeitgemäss ist. «Der Markt ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht einfacher geworden.» Kreyenbühl spricht die Bäckereien an, die schliessen. Er meint damit aber auch die Konkurrenz von Tankstellen, die stetig wächst, oder die Wertschöpfung, die in der Lebensmittelbranche immer knapper wird. «Wir wollen das tun, was in unserer Hand liegt, damit diese Bäckerei eine Zukunft hat», sagt Regula Kreyenbühl.
Und dazu gehört in ihren Augen, einen Investitionsstau zu verhindern. Denn seit die Kreyenbühls die Bäckerei führen, ist sie stetig gewachsen. 14 Mitarbeitende waren es, als sie 2002 übernahmen, jetzt sind es 28 Vollzeitstellen, verteilt auf 42 Mitarbeitende – im ganzen Betrieb, samt Café und Verkaufsladen in Auw. Nicht nur personell hat die Bäckerei zugelegt. «Das Produktsegment wurde breiter, gerade auch im Spezialitätenbereich», sagt Buki Kreyenbühl. Dass als Folge davon die Platzverhältnisse im Gebäude an der Zürcherstrasse immer enger wurden, liegt auf der Hand. «Auch einige Abläufe sind suboptimal. Wir stehen einander manchmal regelrecht auf den Füssen herum.» Mehr Platz helfe – in allen Belangen, auch um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.
Im Oktober bezugsbereit
2022 startete die Planung. «In unseren Köpfen schon viel vorher», gesteht Regula Kreyenbühl. Die Familie Stöckli, von der sie die Bäckerei übernahmen, buk einst in diesem Gebäude, bevor sie 1978 einen Neubau realisierten, wo die Bäckerei Kreyenbühl jetzt zu Hause ist. «Wir waren froh, als es im Oktober dann wirklich losging», sagt Regula Kreyenbühl. Wie viele Hürden das Projekt nehmen muss, wie lange ein solcher Prozess dauern kann – «wir haben das unterschätzt». Zwischendurch kamen Zweifel auf. «Aber wir blieben mit Herzblut und Leidenschaft am Ball. Das braucht es als Unternehmer sowieso immer», weiss Buki Kreyenbühl. Mit dem Baufortschritt sind sie sehr zufrieden. «Trotz der engen Platzverhältnisse. Wir dürfen auf ein Top-Handwerker-Team zählen und erfahren auch von den Nachbarn viel Verständnis.» Die Stimmung sei bestens, auch auf der Baustelle.
Im Oktober soll das dreigeschossige Gebäude fertig sein. Im Erdgeschoss wird die Produktion untergebracht. «Vor allem der süsse Bereich», erklärt Buki Kreyenbühl. Desserts, Gebäck, Schokoladenkreationen – das entsteht künftig im Neubau. Im Obergeschoss sind Räumlichkeiten für die Mitarbeitenden geplant. «Auch hier braucht es dringend Verbesserungen. Wie gesagt, wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber sein. Und müssen es in der angespannten Situation des knappen Fachpersonals auch sein», sagt Regula Kreyenbühl. Im Dachgeschoss finden Büroräumlichkeiten Platz. Gebaut wird aber nicht nur beim neu entstehenden Haus, sondern auch in der jetzigen Bäckerei. Ein Durchbruch soll es der Kundschaft ermöglichen, vom Laden direkt einen Einblick in die Bäckerstube zu erhalten. Zudem ist ein neues Mehlsilo geplant. «Das alles bei laufendem Betrieb. Das wird sicher herausfordernd, bisher läuft aber alles wie gewünscht», sagt Regula Kreyenbühl.
40 Prozent weniger Umsatz
Die positive Stimmung kippt schnell, wenn die Kreyenbühls auf die zweite Baustelle angesprochen werden, die sie aktuell tangiert. Weil die SBB-Unterführung an der Zürcherstrasse saniert wird und die Zürcherstrasse nur im Einbahn-Regime befahren werden kann, kämpfen sie mit den Umsatzzahlen. «Bis zu 40 Prozent weniger», spricht Buki Kreyenbühl Klartext. «Gleich viel wie vor neun Jahren, als die Strasse saniert wurde.» Und genau da liegt der Hauptpunkt ihres Unmutes. «Strassen müssen saniert werden, Unterführungen auch. Das ist nun mal so. Dass es dich während deiner Zeit als Unternehmer einmal stark tangiert, auch das kann passieren. Aber innert neun Jahren zweimal, da hört es mit dem Verständnis auf.» Diese Einbussen bleiben nicht ohne Folgen. Kurzarbeit war ein Thema, wird aber nicht bewilligt. Im Verkauf am Standort Zürcherstrasse mussten darum drei Mitarbeitende entlassen werden. «Wir hoffen, das wir so durchkommen», sagt Buki Kreyenbühl. Die Unterstützung der Mitarbeitenden sei gross, das Verständnis auch.
Anders nehmen es die Kreyenbühls von anderen Seiten war. «Es ist erstaunlich, dass viele Leute nicht realisieren, was diese Baustelle bei der Unterführung für unser Unternehmen bedeutet», sagt Regula Kreyenbühl. Andere Gewerbetreibende, Behörden – sie würde sich mehr Verständnis wünschen.
Ideen für mehr Sichtbarkeit
Ohnmacht und Frust, das sind Gefühle, mit denen Regula und Buki Kreyenbühl die aktuelle Situation beschreiben. «Es tut weh, dass es durch äussere Einflüsse schwieriger ist, unseren Betrieb weiterzuentwickeln.» Aber sie haben auch Ideen, die Sichtbarkeit trotz weniger guter verkehrstechnischer Anbindung zu erhöhen. Mit Holzofenbrot, das auf dem Parkplatz jeweils morgens gebacken wird. Mit mehr Aktivität in den sozialen Medien. Damit, künftig wieder mehr an Märkten im Dorf präsent zu sein. «Zudem sind wir sehr dankbar, auf eine Stammkundschaft zählen zu dürfen, die auch jetzt regelmässig zu uns kommt.»
Wie den Kreyenbühls geht es allen betroffenen Gewerbetreibenden. «Wir sind im Austausch miteinander, versuchen einander zu unterstützen.» Eine Signalisation auf dem Egg-Kreisel mit Werbung für das ansässige Gewerbe, wurde vonseiten Kanton aber nicht bewilligt. «Wir kämpfen und hoffen, dass es nachher mit Baustellen an der Zürcherstrasse vorbei ist.»

