Zum Vergessen
27.06.2023 Schwingen, SportFreiämter am Solothurner und am Berner Kantonalen – Nur Joel Strebel liefert ab
Zwei Schwingfeste und die Auftritte waren eher bescheiden. Am Berner Kantonalen schafft Joel Strebel den Kranz, Lukas Döbeli geht leer aus. Am Solothurner Kantonalen gibt es ...
Freiämter am Solothurner und am Berner Kantonalen – Nur Joel Strebel liefert ab
Zwei Schwingfeste und die Auftritte waren eher bescheiden. Am Berner Kantonalen schafft Joel Strebel den Kranz, Lukas Döbeli geht leer aus. Am Solothurner Kantonalen gibt es gar keinen Kranz – und das, obwohl nur zwei Eidgenossen mit dabei waren.
Stefan Sprenger
Er war ein wenig im Stress. Andreas Döbeli, technischer Leiter des Schwingklubs Freiamt, hatte seine Schwinger gleich an zwei Schwingfesten im Einsatz. So wurde er einfallsreich. Am Morgen besuchte er das Berner Kantonale in Tramelan, wo die beiden Eidgenossen Joel Strebel und Lukas Döbeli um den Kranz mitschwingen wollten, und am Nachmittag machte er sich auf nach Obergösgen, wo am Solothurner Kantonalen Reto Leuthard, die Joho-Brüder und die junge Garde um Eichenlaub kämpften. «Als technischer Leiter bin ich für alle unsere Schwinger zuständig», sagt der aktuell verletzte Eidgenosse Andreas Döbeli.
Strebel kriegt Topschwinger
Unbestritten der sportlich hochstehendere Anlass war das Berner Kantonale. 6000 Zuschauer, 150 Schwinger, davon über 25 Eidgenossen. Am Ende feiern Fabian Staudenmann (Rang1a) und Matthias Aeschbacher (1b) einen Co-Festsieg. Und es sind genau diese beiden Topschwinger, die Joel Strebel bezwingen können. Aeschbacher, der am «Eidgenössischen» im Schlussgang stand, erwischt den Aristauer. «Schade, es hätte auch auf die andere Seite kippen können», meint der Freiämter, der danach zwei Gänge gewinnt. Im 4.Gang kriegt er es dann mit Fabian Staudenmann zu tun. «Ich hatte ihn eigentlich gut im Griff. Aber ich erlaubte mir einen blöden Fehler und da war es passiert.» Auch nach dieser Pleite zeigt Strebel viel Moral und gewinnt seine letzten beiden Gänge.
«Ich darf damit nicht zufrieden sein»
Strebel zeigt sich selbstkritisch, spricht von «einer kleinen Katastrophe». Er hätte gerne einen der beiden Topshots bezwungen. Am Ende reicht es ihm knapp für den Kranzgewinn auf Rang 9b mit 56,00 Punkten. Und das, obwohl er bei seinen vier Siegen nicht einmal die Maximalnote 10 schafft. «Es war nicht mein bester Tag.» Am Ende hat er den Kranzgewinn erreicht. Aber: «Mein Ziel ist es, unter den besten 10 Schwingern der Schweiz zu sein. Da darf ich mit dieser Leistung nicht zufrieden sein, da muss ich einen von den zwei Eidgenossen bezwingen.» Strebel wird jetzt weitertrainieren. Und zwar Vollgas. Sein nächster Einsatz ist am Weissenstein-Schwinget am 22. Juli.
Dem anderen Freiämter Eidgenossen am Berner Kantonalen läuft es nicht nach Plan. Zwar kann Lukas Döbeli aus Sarmenstorf zum Start den Eidgenossen Adrian Walther stellen und dann Philipp Aellen mit einer 10 ins Sägemehl drücken, was ein starker Start ist – doch dann kann er bis zum Ende nur noch einen Sieg feiern. Er verliert gegen Fritz Ramseier und stellt gegen Alexander Kämpf und François Barras. Alles keine Eidgenossen. Auf Rang 14h mit 54,75 Punkten ist er ziemlich weit entfernt von einem Kranzgewinn. «Ich will meine Verletzung nicht als Ausrede bringen, aber mir fehlte die Schwingpraxis», erklärt Döbeli, der zuletzt aufgrund eines Muskelfaserrisses am Oberschenkel mehrere Wochen nur sehr dezent trainieren konnte. Erst am Donnerstag absolvierte er sein erstes Schwingtraining – und dann ging es gleich ans Berner Kantonale – eines der härtesten Schwingfeste des Jahres. Döbeli meint: «Es lag an mir. Ich war nicht im Flow. Ich hätte mehr machen müssen. Ich muss jetzt das Gefühl fürs Schwingen wiederfinden.»
Sein Bruder Andreas zieht als technischer Leiter der Freiämter ein Fazit des Berner Kantonalen. «Beide hatten ihre Höhepunkte. Doch am Ende reicht es nur Joel Strebel für den Kranz, das war sicher das Positivste am letzten Wochenende. Bei meinem Bruder Lukas war anzumerken, dass er aus einer Verletzung kommt. Das Duell gegen Ramseier darf er nicht verlieren. Er sollte das jetzt abhaken, gut trainieren und nach vorne schauen.»
Über die Einteilung genervt
Am Solothurner Kantonalen war für die anderen Freiämter Schwinger eigentlich alles ausgelegt für mindestens einen Kranzgewinn. Mit Patrick Räbmatter (der den Kranz verpasst) und Nick Alpiger (der das Fest gewinnt) sind nur zwei Eidgenossen unter den total 115 Schwingern dabei. Für die 1900Zuschauer in Obergösgen also eher ein «Kantonales» auf bescheidenem sportlichem Niveau. Die Freiämter nehmen die Einladung zum Kranzgewinn aber nicht an. Der Beste ist Reto Leuthard aus Merenschwand, der mit drei Siegen, zwei Gestellten (darunter Eidgenosse Patrick Räbmatter) und einer Niederlage (gegen Schlussgangteilnehmer Sinisha Lüscher) auf 55,75 Punkte kommt – und mit Rang9d den Kranz verpasst. Gleich dahinter (Rang 9e) ist Pascal Joho aus Sarmenstorf klassiert. Er gewinnt drei Duelle, holt sich zwei Gestellte – und verliert im letzten Gang gegen Fabian Bader, der ihm überhaupt nicht liegt (er verlor gegen ihn schon am Baselstädtischen). Joho meint: «Es fehlte nur wenig zum Kranzgewinn. Das stimmt mich grundsätzlich zufrieden. Ich habe mich aber über die Einteilung ziemlich genervt, weil ich praktisch nur sehr starke und schwierige Gegner gekriegt habe. Es wäre schön gewesen, eine faire Chance zu erhalten.» Ähnlich sieht es auch Andreas Döbeli: «Das Einteilungspech war auffallend. Die Solothurner Schwinger machen am Ende 10Kränze, das ist doch auffällig viel.» Und damit liegt er richtig. Joho nimmt es sportlich: «Das muss man am Ende hinnehmen und das Beste geben. Das habe ich versucht.» Er sei jetzt motiviert, weiterzutrainieren und bald seinen zweiten Kranz zu gewinnen.
Strebel holt fast alle Kränze
Joel Strebel poliert die Freiämter Bilanz mit seinem Kranzgewinn auf. Doch Lukas Döbeli hat recht, wenn er sagt: «Es war ein Wochenende zum Vergessen.» Auch sein Bruder Andreas sagt: «Es gibt immer ein Auf und Ab. Das letzte Wochenende war sicher ein Ab.» Es sei nun wichtig, dass die junge Garde Dampf macht und es auch mal andere Kranzgewinner gibt als nur Joel Strebel. Denn in dieser Saison holte der Schwingklub Freiamt 6Kränze, fünf davon Strebel und einen Lukas Döbeli. «Die Verletzungen plagen uns gerade. Lukas Döbeli, das Talent Jonas Wüthrich oder ich», meint Andreas Döbeli und fügt an: «Es braucht Zeit, es kommt gut.»


