Rames Sothy, Leiter Vermögensberatung der Raiffeisenbank Wohlen, erklärt
Im letzten Jahr sorgten starke Kurskorrekturen an den Börsen für Verunsicherung. 2023 bleibt die Volatilität an den Finanzmärkten vorerst hoch. Für Anlegerinnen und Anleger ...
Rames Sothy, Leiter Vermögensberatung der Raiffeisenbank Wohlen, erklärt
Im letzten Jahr sorgten starke Kurskorrekturen an den Börsen für Verunsicherung. 2023 bleibt die Volatilität an den Finanzmärkten vorerst hoch. Für Anlegerinnen und Anleger dürfte sich 2023 aber als Jahr der Opportunitäten entpuppen.
Die Finanzmärkte haben ein turbulentes Jahr hinter sich. Anfang 2022 bewegten sich die Börsen noch auf einem Allzeithoch, doch die rasch anziehende Inflation brachte die Kurse bald schon ins Trudeln. Durch den Ukraine-Krieg schossen die Energie- und Rohstoffpreise in die Höhe und die Notenbanken mussten stark intervenieren.
In Verbindung mit der unsicheren geopolitischen Lage führte die restriktive Geldpolitik bei praktisch allen Anlageklassen zu Korrekturen – von Aktien über Obligationen bis hin zu Immobilien. «Selbst Anlegerinnen und Anleger, die aus Risikoüberlegungen in Obligationen investiert hatten, wurden für einmal negativ überrascht», erklärt Rames Sothy, Leiter Vermögensberatung der Raiffeisenbank Wohlen.
USA und Europa am Rand einer Rezession
Im ersten Halbjahr 2023 dürfte die Situation weiter angespannt bleiben. Die Teuerung in den USA und Europa ist nach wie vor hoch und die konjunkturellen Vorlaufindikatoren deuten auf eine Rezession hin. Ein Rezept dagegen wären Zinssenkungen, doch dazu wird es voraussichtlich nicht kommen. «Die Zinsen werden für längere Zeit auf hohem Niveau verharren», sagt Rames Sothy.
Sonderfall Schweiz
Etwas positiver sind die Konjunkturaussichten in der Schweiz. «Hier erwarten wir keine Rezession, sondern ein Wachstum von noch knapp einem Prozent», erklärt Rames Sothy. Dies hängt unter anderem mit der Struktur der Schweizer Wirtschaft zusammen, welche sich durch einen starken Dienstleistungssektor auszeichnet. Auch ist die Inflation hierzulande deutlich tiefer als im Ausland. 2023 dürfte die Teuerung in der Schweiz bei rund 2,5 Prozent liegen.
Die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten hängt primär von der Konjunkturentwicklung ab. Aktuell bietet sich der Einstieg in den Aktienkauf sehr gut an. Denn wer jetzt investiert, profitiert von einem günstigen Erwerbspreis und kann sich über einen längeren Zeitraum eine ansehnliche Rendite aufbauen.
Aktien, Obligationen und Gold bieten Renditechancen
Nebst Aktien bieten erstmals seit Langem auch Obligationen wieder Chancen: Mit Schweizer-Franken-Anleihen war es seit 2015 und der Einführung der Negativzinsen kaum möglich, eine positive Rendite zu erzielen. Doch mit dem Zinsanstieg gibt es nun Firmenanleihen mit mittleren Laufzeiten, die Zinsen von 2,0 bis 2,5 Prozent abwerfen. Rames Sothy erläutert: «Wer eine Obligation mit einer Bruttorendite von 2,5 Prozent kauft, erzielt mittelfristig – nach Abzug der Inflation – sogar eine positive Realrendite.
Das gab es am Schweizer Markt schon lange nicht mehr.» Renditechancen eröffnen sich auch weiterhin mit Gold. «Das Edelmetall hat sich im turbulenten letzten Jahr gut gehalten und ist als Beimischung interessant, um das Portfolio zu diversifizieren», meint Rames Sothy.