Mit Stärke und Harmonie
13.02.2026 Auto, Wohlen, GewerbeNachfolgeregelung sorgt für Stabilität: Die Auto Kunz AG geht an Gross Garage Gruppe über
Für die Auto Kunz AG, ein Familienunternehmen, ist die Nachfolgeregelung ein wesentlicher Schritt. Als Teil einer grossen Gruppierung soll die Erfolgsgeschichte ...
Nachfolgeregelung sorgt für Stabilität: Die Auto Kunz AG geht an Gross Garage Gruppe über
Für die Auto Kunz AG, ein Familienunternehmen, ist die Nachfolgeregelung ein wesentlicher Schritt. Als Teil einer grossen Gruppierung soll die Erfolgsgeschichte weitergehen. Roger Kunz spricht von der bestmöglichen Variante. Beide Parteien, Auto Kunz und die Gross Garage Gruppe, haben aus einer starken Position zusammengefunden, betont er.
Daniel Marti
Die Auto Kunz AG geht an die Gross Garage Gruppe. Mit dieser Eigentümernachfolge überraschte die Familie Kunz vor knapp zwei Wochen (siehe Ausgabe vom 30. Januar). Mit der Übernahme werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Und mit dieser Nachfolge wird Stabilität garantiert. «Für das Unternehmen, unsere Kunden und Lieferanten sowie unsere Mitarbeiter», betont Roger Kunz. «Wir konnten aus einer Position der Stärke agieren. Mit dieser Übernahme werden sich für Lieferanten und Kundschaft keine Veränderungen ergeben. Auch die Strategie bleibt die gleiche. Das Bewährte wird also weitergeführt.»
Das Familienunternehmen geht also mit der Gross Garage Gruppe an eine neue Besitzerin. Dies nach fast 60 Jahre langem Wirken. Auto Kunz ist ein Begriff, eine Marke. Nicht nur in Wohlen, sondern landesweit.
Man dürfe sehr wohl von einer Erfolgsgeschichte sprechen, sagt Roger Kunz mit Selbstbewusstsein und ein wenig Stolz. Das Unternehmen wurde praktisch durch drei kleine Epochen geprägt: Die Firmengründung durch seine Eltern, die Übernahme durch die Brüder René und Roger Kunz, «und nun ist mit der Firmenübernahme eine neue Etappe angebrochen».
Die Eltern kämpften gegen die damaligen Kartelle
Zurück zu den Anfangszeiten. 1967 gründeten Theo und Ursula Kunz die Garage Auto Kunz AG. Schon kurz nach der Gründung importierten sie die ersten Autos. Das habe für grosses Aufsehen gesorgt, so Roger Kunz. «Meine Eltern sind gegen die damaligen Kartelle vorgegangen, was sonst niemand in der Branche wagte.» Das Ehepaar Kunz hielt sich nicht an die Preisabsprachen, dies bescherte ihm keinen einfachen Start mit dem Unternehmen. «Meine Eltern konnten sich allerdings durchsetzen und etablieren.»
Im Jahr 1978 wurden dann Lager, Administration und Verkauf am heutigen Standort an der Bremgarterstrasse 75 in Wohlen zusammengeführt. Seither wurden regelmässig weitere Liegenschaften dazugekauft oder -gemietet. Nur so konnte die Firma expandieren. In den späten Achtzigerjahren sind dann Roger und René Kunz ins Unternehmen eingestiegen. Mitte der Neunzigerjahre wurde die Verantwortung an die beiden Söhne des Gründerpaars übergeben. Die beiden haben die erfolgreiche Geschichte des Unternehmens in der zweiten Generation weitergeschrieben. Ein kontinuierliches Wachstum war stets das erklärte Ziel der Familie Kunz. Dies zeigt sich auch an der Grösse der Belegschaft. Das Gründerehepaar startete mit einem vier Personen umfassenden Team. Als Roger und René Kunz die Firmenführung übernahmen, waren es zwölf Angestellte, heute sind es rund fünfzig.
Der beste Weg und eine harmonische Lösung
Die Auto Kunz AG ist heute einer der grössten Parallel- und Direktimporteure der Schweiz und betreibt damit einen bemerkenswerten Mehrmarken-Kundenservice. Also ein gesundes und erfolgreiches Familienunternehmen, das eine neue Besitzerin erhält. «Die Gross Garage Gruppe ist ein Aargauer Unternehmen mit der gleichen Kultur wie Auto Kunz», betont Roger Kunz. Und diese Zukunftslösung sei letztlich die beste Variante gewesen. Man habe verschiedene Szenarien geprüft, so der 56-Jährige weiter, und dieser Prozess habe über mehrere Jahre stattgefunden. «Nun haben wir den besten Weg für die Zukunft gewählt.» Beide Parteien haben laut Kunz ohne Druck und aus einer Position der Stärke agieren können. «Der Familienbetrieb lebt weiter. Die Zukunft ist gesichert – und das ist das Wichtigste.»
Zudem spricht Roger Kunz auch von einer «harmonischen Lösung», er selbst bleibt Teil des Verwaltungsrates, sein Bruder zieht sich dagegen zurück. Auch ein Stück der Belastung fällt somit von den Schultern von Roger Kunz, «denn die Hauptverantwortung liegt natürlich beim Eigentümer». Und diese Hauptverantwortung ist nicht klein. Die Auto Kunz AG hat sich zu einem der grössten Player der Autobranche entwickelt. Regional ist das Unternehmen die grösste Autogarage und bei den Parallelimporten ist Auto Kunz sowieso führend. «Wir agieren als Preisleader. Und wir stehen ein für eine gute Zusammenarbeit in der Branche», so Roger Kunz. «Dass wir wegen unserer Preispolitik nicht nur Freunde haben», das sei naheliegend. «Wir konkurrenzieren die Generalimporteure, üben einen gewissen Druck aus, und das führt letztlich zu besseren Konditionen.»
Stetes Bekenntnis zu Wohlen
Die Auto Kunz AG betrachtet sich selbst als regionalen und nationalen Player. Und das Familienunternehmen legt dabei immer Wert auf den Standort Wohlen. «Wir haben immer hier in Wohlen expandiert, sind stets hier geblieben», sagt Roger Kunz. «Das ist ein klares Standort-Bekenntnis.» Auch der Sitz des Verbands Freier Autohändler der Schweiz (VFAS) ist in Wohlen, und Roger Kunz ist und bleibt Präsident des Verbandes.
Die gleiche Beständigkeit gilt für JAC Schweiz. Die JAC Schweiz AG mit Sitz in Wohlen bleibt im Besitz der Familie Kunz. Er werde sich also weiterhin täglich mit der Schweizer Autoindustrie beschäftigen, «und für gute Rahmenbedingungen kämpfen», blickt Roger Kunz in die Zukunft. «Die Branche bleibt spannend, und ich werde das Unternehmen als Verwaltungsrat weiter begleiten. Mir wird es nicht langweilig.»
Das Lebenswerk nur teilweise loslassen
Die Auto Kunz AG ist ein Lebenswerk der Familie Kunz. Obwohl die Nachfolgeregelung als erfolgreich und harmonisch betrachtet wird, gilt es, dieses Lebenswerk ein wenig loszulassen. Das sieht auch Roger Kunz so: «Das war ein Prozess, der über Jahre hinweg stattgefunden hat. Wir haben sorgfältig evaluiert und entschieden. In dieser Phase haben wir uns ein kleines Stück vom Lebenswerk verabschiedet. Aber wichtig ist, dass sich die Familie Kunz mit dieser Nachfolgeregelung identifizieren kann.»
Roger Kunz weiss zwar nicht, wo genau das Unternehmen beispielsweise in zehn Jahren stehen wird. «Das wäre wie Kaffeesatzlesen.» Es werde weiterhin bei Handel und Technik Veränderungen geben, aber das Unternehmen werde weiterhin erfolgreich bleiben, davon sei er überzeugt. «Unsere Vertriebsform, direkt einkaufen und schweizweit am günstigsten anbieten, wird noch weiter expandieren und sich etablieren. Darum mache ich mir keine Sorgen um die Zukunft.» Die Erfolgsgeschichte des Lebenswerks der Familie Kunz erfährt also eine Fortsetzung.
«Es herrscht eine Verunsicherung»
Wie steht es überhaupt rund um die Auto-Branche?
Roger Kunz ist als Firmenchef, Verwaltungsrat und Verbandspräsident ein absoluter Experte der Autobranche. Darum die Frage: Wie geht es der Branche?
Der Sales-Bereich (Vertrieb und Verkauf) sei stark unter Druck, betont er. Nach der Coronazeit habe sich die Branche nur schwerlich erholt. Nach wie vor liegt der Umsatz 25 Prozent unter dem Wert der Zeit vor Corona. «Davon hat sich die Branche noch nicht erholt», erklärt er. Der After Sales Service sei dagegen stabil. Weil die Fahrzeuglenker ihren Wagen mittlerweile durchschnittlich elf Jahre lang behalten, gibt es in diesem Bereich Zuwachs. Dies sei zwar positiv, aber gesamthaft erlebt der Autoverkauf in der Schweiz eine schwierige Phase, betont Roger Kunz.
Und wie sieht es aus bei der Wahl eines Autos? Ist die Zeit reif für die E-Autos? «Es herrscht eine gewisse Verunsicherung», antwortet er. Die Schweiz übernimmt in der Regel die Normen der EU. Und deshalb führen der angekündigte Stopp und die Diskussionen um die Verbrennungsmotoren zu einer zusätzlichen Verunsicherung. «Und bei der Ladeinfrastruktur ist man in der Schweiz noch lange nicht dort, wo man sein sollte.» Der Ratschlag von Roger Kunz. «Wenn ich das E-Auto zu Hause laden kann, dann ist das eine günstige und komfortable Ausgangslage. Denn E-Autos machen vielen Leuten Spass. Das ruhige und emissionsfreie Fahren mit E-Autos begeistert die Konsumenten. Kann man noch nicht zu Hause laden, könnte ein Hybrid die richtige Wahl sein.» --dm

