Harter Gegner, grosser Stolz
31.03.2026 Sport, Handball1. Liga: Der TV Muri verliert die Finalissima gegen Ehrendingen mit 30:33 (13:20)
Der TV Muri startet verhalten und kämpft sich dann zurück. Trotz eines überragenden Noel Angehrn (12 Tore) reicht es nicht gegen einen massiven Gegner. «Wir dürfen ...
1. Liga: Der TV Muri verliert die Finalissima gegen Ehrendingen mit 30:33 (13:20)
Der TV Muri startet verhalten und kämpft sich dann zurück. Trotz eines überragenden Noel Angehrn (12 Tore) reicht es nicht gegen einen massiven Gegner. «Wir dürfen traurig sein, aber sollten uns auch über die starke Saison freuen», sagt Trainer Björn Navarin.
Stefan Sprenger
Die Sirene zum Schluss. Und dann wird es ganz still. Die Bachmattenhalle, die mit 650 Zuschauern rappelvoll ist, muss zusehen, wie der Gast aus Ehrendingen den Sieg und damit den Einzug in die NLB-Aufstiegsspiele feiert. Im Murianer Lager ist man enttäuscht. «Wir haben alles rausgehauen. Diese Niederlage tut weh und ist hart», sagt Rückraumspieler Noel Angehrn, der zum «Man of the Match» gekürt wird.
Er wirft 12 Tore, viele davon sehenswert, mit einer gewaltigen Wucht und Präzision. Angehrn ist im ersten Durchgang einer der wenigen Freiämter, die dem Gegner mit Vehemenz die Stirn bieten.
Ehrendingen mit viel Qualität
Denn der Start ist alles andere als optimal. Vielleicht ist es die volle Halle, die Erwartungshaltung, die dazu führen, dass einige der Murianer eher verhalten wirken. «Wir sind nicht in den Modus gekommen», beschreibt es Trainer Björn Navarin. «Es war zu passiv. Wir haben in der ersten Halbzeit zu wenig Risiko genommen.» Nach fünf Minuten steht es 1:4. Nach 19 Minuten hat sich Muri zurückgeackert: 8:10. Doch in den letzten zehn Minuten vor der Pause distanziert sich der Gast wieder auf 13:20. «Ehrendingen hat die Qualität, um dies eiskalt auszunutzen», sagt Navarin. Und der Gast zieht alle Register, reist mit voller Kapelle an, bietet alles auf, was geht. Und es sind dann auch die Akteure, die mit einer Doppellizenz für Klubs in höheren Ligen spielen, die den Unterschied ausmachen. Der grossgewachsene Rückraumspieler Philippe Wolfgang oder der starke Goalie Nikola Peric, die beide auch für Suhr Aarau in der Nationalliga A auflaufen. Auch der massige Kreisläufer Leandro Lüthi spielte schon in höheren Ligen. Diese drei festigen die Ehrendinger Abwehr – und sind auch offensiv stark. Im Angriff wirbelt zudem Janis Thomann (Jahrgang 2009) und wirft zehn Tore. Auch Thomann spielt mit einer Doppellizenz in einer höheren Liga (Baden-Endingen, NLB).
Mehr Dynamik und Mut
Vorne versucht Muri viel. «Mit vollem Herz in die Tiefe», wie es Noel Angehrn beschreibt. Er selbst ist das beste Beispiel. Aber auch Simon Hafner ging furchtlos und Vollgas da hin, wo es wehtut. Immer und immer wieder. «In der Offensive waren beide Halbzeiten akzeptabel. In der Verteidigung kriegten wir Ehrendingen im ersten Durchgang nicht in den Griff. Das klappte nach der Pause einiges besser. Wir gingen früher ran, kriegten so mehr Stabilität», so der 23-jährige Angehrn. Trainer Navarin meint: «Wir hatten in der zweiten Halbzeit mehr Dynamik, mehr Bewegung und auch mehr Mut.» Nach 40 Minuten trifft Elia Galizia zum 19:23. Der TV Muri ist dran. Clever «holt» Galizia wenig später eine Zeitstrafe gegen Thomann raus.
Olympionike: «Immer wieder mitgerissen»
Nun hat Muri den Turbo gezündet, das Publikum hilft lautstark mit. Auf den Zuschauerrängen sitzen Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger, Nationaltorhüterin Seraina Kuratli oder viele der Ringerstaffel Freiamt. Deren Trainer und Olympionike Pascal Strebel war begeistert von der Stimmung in der Halle und sagt: «Muri hat sich immer wieder zurückgekämpft. Das wiederum hat mich und alle Zuschauer immer wieder mitgerissen.»
Nach rund 50 Minuten sind es noch zwei Tore (24:26). Die Ehrendinger, die oft über den Kreis zum Torerfolg kommen, verballern in jener Phase immer öfters beste Chancen. Muri-Goalie Ivo Rütimann, der mit elf Paraden eine ordentliche Abwehrquote von 32 Prozent aufweist, sagt: «In gewissen Szenen fehlte es an der konstanten Leistung. In der ersten Halbzeit standen wir hinten schlecht. Vorne konnten wir auch nicht das abrufen, was wir während der ganzen Saison oft geschafft haben. Hinzu kommt auch noch Pech in gewissen Szenen.» Diese Finalissima wird am Ende nicht mehr ganz knusprig. Denn Ehrendingen führt in den letzten zehn Minuten immer mit drei Toren oder mehr. Und die Gäste dürfen am Ende jubeln. Über den 30:33-Sieg, über das Erreichen der Aufstiegsspiele – und dass man im Hexenkessel des TV Muri dem Druck standhielt.
Liebesbotschaft des Trainers
Noel Angehrn tritt Minuten nach dem Spiel ans Mikrofon, bedankt sich bei den Zuschauern und sagt: «Wir geben weiter Gas. Wir sehen uns nächste Saison.» Das junge Murianer Team hat sich stark geschlagen, den 3. Rang in der 1. Liga erreicht und darf sich mit erhobenem Haupt in die Saisonpause verabschieden.
Trainer Björn Navarin schickt nach der Partie eine kleine Liebesbotschaft an den TV Muri: «Man darf traurig sein. Die Jungs hätten mehr verdient. Was das Team gezeigt hat, wie sich alle in dieser Saison entwickelt haben, das ist aller Ehren wert. Dieser TV Muri ist ein Team mit enorm viel Potenzial. Es macht Lust auf mehr.» Navarin freut sich riesig, dass er mit dem Team weiterarbeiten kann. «Viele Vereine schreiben sich auf die Fahne, dass sie familiär sind. Hier in Muri ist genau das einzigartig. Hier wird dies gelebt. Das habe ich noch nie so erlebt. Ob Helfer im Bistro, ob Vorstand, ob Aktivspieler oder der Nachwuchs – alle sind mit Herzblut dabei. Ich glaube, die beeindruckende Kulisse ist Beweis genug dafür. Und ich glaube, hier könnte eine schöne Erfolgsgeschichte entstehen.»
Die Freude wiedergefunden
Er selbst habe nach «schwierigen Jahren als Trainer» in Baden-Endingen nun beim TV Muri wieder den Spass gefunden. «Dafür bin ich sehr dankbar», so der Familienvater aus Möriken-Wildegg. In Muri braut sich etwas Tolles zusammen. Diese Saison darf als Erfolg gewertet werden, auch wenn die Finalissima verloren ging. Goalie Rütimann sagt: «Wir werden uns nicht ausruhen. Nächste Saison wollen wir unsere Leistung bestätigen – oder sogar noch besser abschliessen.»
Das sagt Cordas
Von 2008 bis 2014 war Zoltan Cordas Trainer des TV Muri. Nun kehrte er mit Ehrendingen zurück an die alte Wirkungsstätte. Der 64-Jährige sass lange Zeit eher entspannt auf der Bank. In der Endphase, als es nochmals knapp wurde, brodelt auch Trainervulkan Cordas wieder vermehrt, weil er spürt, dass die Partie seinem Team zu entgleiten droht. «In der ersten Halbzeit haben wir das Geschehen klar dominiert. Eine kompakte, starke Abwehr und ein überragender Nikola Peric im Tor haben uns die Führung ermöglicht», analysiert Cordas.
«Kompliment an Muri»
«In der zweiten Halbzeit hat der TV Muri dann mit einer offensiven Risiko-Deckung reagiert. Das hat uns aus dem Rhythmus gebracht. Leider haben wir in den letzten 12 Minuten zu viele klare Chancen nicht genutzt; es waren acht 100-prozentige.» Und so wurde es nochmals richtig spannend. Doch am Ende reicht es seinem Team zum Sieg und somit der Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur NLB.
Zoltan Cordas, der nach der Saison zurück nach Österreich (wo er viele Jahre lebte) gehen wird, windet seinem Ex-Verein ein Kränzchen: «Ein grosses Kompliment an den TV Muri für eine top organisierte Veranstaltung. Wirklich stark gemacht. Genau solche Spiele machen unseren Sport aus – spannend, emotional und voller Wendungen. Eine richtig schöne Geschichte für den Handball», sagt das Handball-Urgestein weiter. --spr




