Gesundheitskosten sind senkbar
01.10.2024 MuriCafé Fédéral: Gerhard Pfister, Präsident der Mitte-Partei aus Zug, sprach in Muri
Nationalrat und Präsident der Mitte-Partei Gerhard Pfister sprach in Muri zu aktuellen Themen der Session und vor allem zur Kostenentwicklung im ...
Café Fédéral: Gerhard Pfister, Präsident der Mitte-Partei aus Zug, sprach in Muri
Nationalrat und Präsident der Mitte-Partei Gerhard Pfister sprach in Muri zu aktuellen Themen der Session und vor allem zur Kostenentwicklung im Gesundheitswesen.
«Unser sehr gutes Gesundheitswesen, das in keinem anderen Land so gut wie in der Schweiz ist, ist das eigentliche Problem», erklärte Gerhard Pfister den anwesenden Gästen der Mitte-Partei im Gerold-Haimb-Saal in der Pflegi Muri. Dabei gestand er den Menschen in der Schweiz auch das Recht zu, über die laufend steigenden Kosten zu «motzen», wie er es nannte. «Der Preis wird zum Problem.» Er wies die Anwesenden darauf hin, dass «wir 20% der Gesundheitskosten einsparen können, ohne eine Einbusse in der Qualität hinnehmen zu müssen. Diese könnte sogar noch gesteigert werden.» Die zu grossen Ausgaben entstehen Aufgrund der falschen Anreize, welche im Gesundheitswesen zurzeit gelebt werden, so Pfister.
Berufe in der Grundversorgung stärken
Wichtig für Pfister sind vier Punkte, die zu grossen Kosteneinsparungen führen. Ein Grossteil der entstehenden Kosten im Gesundheitswesen kann in der Grundversorgung verhindert werden. Daher plädiert die «Mitte» für die Stärkung der Grundversorgung. Damit sprach er die Hausärzte an. Ein Hausarzt verdiene heute um ein Vielfaches weniger als ein Fachkollege. Doch der Einsatz, den er leistet, ist um so vieles aufwendiger. Dabei seien gerade beim Hausarzt so viele Kosteneinsparungen möglich. Pfister appellierte: «Was der Hausarzt macht, kostet viel weniger. Er holt viele Kosten heraus.»
Die Zusammenarbeit stärken, darin sieht Pfister die zweite grosse Einsparquelle. Es gelte Versorgungsregionen zu schaffen, in denen spezialisierte Zentren erschaffen werden. Denn ein Arzt, der eine spezialisierte Operation 50-mal in der Woche durchführt, bringe weniger Kosten und mehr Sicherheit für den Patienten als ein Arzt, der dieselbe Operation einmal ausführt. Er wies auf die beiden Herzzentren Zürich und Bern hin und dass das Kantonsspital St. Gallen ebenfalls plane, ein Herzzentrum zu erschaffen. «Dies ist der falsche Weg», so Pfister.
Eine bessere Versorgernutzung schaffen, dafür stehen Pfister und die Mitte-Partei ein. Menschen auf ihrem Weg begleiten, und das in integrierten Versorgungsregionen. Auch diesen Punkt sehen Pfister und die Partei als grossen Einsparanreiz.
Einheitliches Patientendossier gefordert
Der vierte Punkt der Einsparungen besteht in der Nutzung der IT-Möglichkeiten. Das elektronische Patientendossier, welches heute noch nicht obligatorisch ist und auf vier unterschiedlichen Systemen im Land läuft, verursacht so unnötig Mehrkosten. Laut Pfister soll das System vereinheitlicht werden, damit ein Arzt künftig, wenn er einen Patienten vor sich hat, mit dessen Krankenkassenkarte sofort auf den aktuellen Stand der Krankheitsgeschichte zugreifen kann.
Mehr Transparenz im Gesundheitswesen gefordert
Bei den 90 Milliarden Franken Umsatz, welche die Gesundheitskosten pro Jahr in der Schweiz generieren, «will man doch mehr darüber wissen», so Pfister. «Wir wissen nicht so gut, welche Ärzte besser sind. Hier besteht keine Transparenz.» Diese Forderung formulierte der Präsident der Mitte und diese kommt wohl vielen Patienten entgegen. Fakt sei, dass in Zürich mehr Menschen nach einer OP sterben. Man wolle doch wissen, welche Mannschaft gut arbeiten. Dass diese Arbeit nicht überwacht wird und daher wenig Transparenz besteht, dies müsse verändert werden. Dafür setzt sich die Partei ein. Er erwähnte die Luftfahrt, hier gebe es eine Fehlerkultur, die die Transparenz und das Lernen aus den Fehlern fördert.
Neue Modelle prüfen und Eigen verantwortung wahrnehmen
Eine weitere Chance sieht die Mitte-Partei im Überarbeiten der Vergütungsmodelle der Pharmaindustrie. Es gibt heute schon hoch spezialisierte Medikamente für Langzeitkrankheiten wie Krebs, doch diese werden von der Pharma-Industrie Aufgrund der langen Entwicklungszeit hochpreisig abgegeben. Die Idee der Politik besteht darin, dass Medikamente, die heute in der Schweiz noch nicht zugelassen werden, mittels eines neuen Modells von «Zahlen für Wirksamkeit» mit einem tieferen Ansatz eingeführt werden und wenn sie ihre Wirksamkeit zeigen, sukzessive preislich angehoben werden können.
«Ich komme aus einem Kanton, der andere Probleme hat als die Gesundheitsversorgung», sagt der Zuger Mitte-Politiker. Der Kanton Zug bezahlt künftig 99% der Spitalkosten seiner Einwohner. Dies sieht Nationalrat Pfister nicht als erstrebenswert an. Denn auch dieser «Bonus» setzte falsche Anreize. Er zeigte auf, dass viele, die sich im Herbst über die steigenden Krankenkassenkosten entsetzten, im Januar sagen, «wenn ich schon so viel zahle, dann kann das Gesundheitssystem etwas für mich tun. Sie wandern von Arzt zu Arzt.» Diesen Anreiz sieht Pfister ebenfalls als fehlende Eigenverantwortung. «Wir sind alle ein bisschen schuld.» Ein Viertel der Schweizer Bevölkerung benötigt eine Prämienverbilligung. «Dies sollte zu denken geben.»
Ruth Hubel, ehemalige Nationalrätin, hat im Bereich Gesundheitskosten so viel wertvolle Arbeit geleistet, dass es heute in der Politik klar ist, dass die Findung der Lösungen im Gesundheitswesen nur mit der Mitte-Partei gehe, so Pfister über seine Erfahrung.
Aktuelles aus der Session in Bern
Pfister brachte Themen der aktuellen Session mit. Armeefinanzierung, Heiratsstrafe, Eigenmietwert und die Bundesfinanzen. Zur Finanzierung der Armee sagte Pfister, «selbst die Armee kann eher schlecht erklären, für was sie so viel mehr Geld braucht.» Dies mache es Politik und Bevölkerung schwierig zu verstehen, wofür sie Geld sprechen sollen.
Zur Heiratsstrafe bei der Besteuerung sieht Pfister den Vorstoss der FDP-Frauen mit der Individualsteuern eher kritisch und einen zu grossen Aufwand. Zum Eigenmietwert sagte der langjährige Vertreter in Bern, er verstehe all die Menschen, die sagen, «ich habe 30 Jahre in dem Haus gelebt und soll Eigenmietwert versteuern». Wir sind so nah an einer Lösung wie noch nie.
Bezüglich der Bundesfinanzen findet es Pfister als Präsident der Mitte bedenklich, dass die FDP sich mit der SVP verbrüdere. «Wir müssen eigene Vorschläge machen.» Der Wille zu sparen, sei immer da, an der Umsetzung zweifle er jedoch. --vaw