Friedrich Dürrenmatts «Physiker» krönen die 60. Spielzeit
13.01.2026 Theater, Kommende EventsDas weltweit einzige Kellertheater im zweiten Stock wirkt im Schellenhaus zu Bremgarten
Am 28. Januar 1967 brachte eine Gruppe theaterbegeisterter junger Leute im Keller unter der damaligen Post / Hotel Krone zwei Einakter zur Aufführung: «Frühere ...
Das weltweit einzige Kellertheater im zweiten Stock wirkt im Schellenhaus zu Bremgarten
Am 28. Januar 1967 brachte eine Gruppe theaterbegeisterter junger Leute im Keller unter der damaligen Post / Hotel Krone zwei Einakter zur Aufführung: «Frühere Verhältnisse» (Nestroy) und «Der Hund im Hirn». Das Kellertheater Bremgarten war geboren. Das prächtige Juwel gibt sich heute zu bescheiden, hat indes eine einzigartige Spezialität: Die jährlichen Eigeninszenierungen werden in hiesige Mundart übersetzt, sehr nah am Original.
So ganz aus dem Nichts ist das Kellertheater Bremgarten nicht aufgetaucht. Es gab eine Vorgeschichte mit dem Jungmannschaftstheater. In den 1950er-Jahren nahm sich der junge Bezirkslehrer Heinrich Butz vor, auf anspruchsvollere Theaterliteratur als die einfachen «Vereinstheäterli» zu setzen. Am 12. April 1958 startete das «Cabaret Brämestich» mit seinem ersten Programm «Trotzdem» im Postkeller, der neun Jahre später zum Geburtsort des Kellertheaters wurde. «Brämestich» funktionierte aber nur drei Jahre lang. Unter den «Brämestich-Kabarettisten» verblieb einzig Heinz Koch. Er hat das überreiche Kulturleben Bremgartens gestaltet und geprägt wie niemand bis heute. Weiterhin spielte die Jungmannschaft alle zwei Jahre im Casino. Im Jahr 1966 stand Molières «Der eingebildete Kranke» an, mit Willy Haller, dem späteren künstlerischen Leiter, in der Hauptrolle.
Es gab eine wunderbare Schmonzette in der Zeit, als sie sich daran machten, den Postkeller einzurichten und eine eigene Theatergruppe zu gründen. Mit welchem Stück sollte das Theater eröffnet werden? Heinz Koch war eben zurück von seiner Hochzeitsreise nach Wien. Dort hatte er Nestroys «Frühere Verhältnisse» gesehen, der Start des Kellertheaters.
Bremgarter Gastspiele in der Weltstadt
Über die Jahrzehnte gastierten die begeisternden Kabarettisten des deutschsprachigen Raums im Kellertheater, der viel beachteten Perle im schweizerischen Kulturleben. Zwischenhinein logierte es als «Theater am Spittel» im Untergeschoss des Dosenbachhauses. Alle waren sie hier: Alfred Rasser als Erster, ihm folgten Franz Hohler, Emil Steinberger, Hanns Dieter Hüsch, Reinhard Mey und unzählige weitere Kabarett- und Kultur-Koryphäen. Wir lernten «La Lupa», die rothaarige Tessiner Löwin, kennen. Der Barde Ferdi Fesel äusserte: «Keiner liebt dieses Bremgarten, sogar die Reuss macht einen Bogen rundum.»
Die Bremgarter pflegten indes prächtigen, die Weltstadt bereichernden kulturellen Austausch. Selbstbewusst und sehr erfolgreich absolvierten sie viele motivierte Gastauftritte in Zürich.
Ihre Eigeninszenierungen sind legendär
Am 22. September 1973 war es so weit. Mit der Premiere von Shakespeares Komödie «Liebe leidet mit Lust» zog das Kellertheater in die neuen Räume im zweiten Stock des Schellenhauses der Ortsbürger ein, wo es heute noch logiert in einem vielgestaltig nutzbaren Raum. Das Kellertheater ist organisiert als Verein mit aktuell achtzig aktiven Mitgliedern – «aktiv» heisst, dass jeder mithelfen muss, vor und hinter den Kulissen. Mit der Eigeninszenierung «Die Physiker» von Friedrich Dürrenmatt gehen sie in ihre 60. Spielzeit. Es ist ein gewaltiges, forderndes, aber faszinierendes Theaterprojekt mit einem Vorlauf von anderthalb Jahren. An einem öffentlichen Infoanlass jeweils im Juni wird das gewählte Theaterstück vorgestellt. Speziell ist, dass sich fürs Casting der Rollen jede Person anmelden darf, auch interessierte Nichtmitglieder.
Die Regisseure wechseln. Bei Dürrenmatts «Physikern» ist es jetzt die Theaterpädagogin Käthi Vögeli aus Olten. Sie schätzt die Konstellationen dieses Kellertheaters: im Kernteam Profis, dazu ambitionierte Amateure, aber auch neue Interessierte, die voneinander lernen, gefordert und gefördert werden, Selbstbewusstsein gewinnen.
Darf man Dürrenmatt in Mundart aufführen?
Das ist eine einzigartige Spezialität und unglaubliche Kompetenz dieses Kellertheaters: Die alljährlichen Eigeninszenierungen der besten Autoren werden von einem kleinen Team in hiesige Mundart transkribiert. «Darf man das?», fragen sie sich jeweils. Shakespeares «Macbeth» aus dem Englischen in Bremgarten? Und jetzt «Die Physiker» – man darf sich aufs prächtige Resultat freuen. --rts
Kellertheater Bremgarten, «Die Physiker»: Premiere 14. Februar, 20.15 Uhr. Fünfzehn Aufführungen bis Ende März. Vorverkauf: Fairdinand, Marktgasse 18, Bremgarten (056 633 44 22). Online: www.kellertheater-bremgarten.ch.Abendkasse.

