Fast wie in einer richtigen Firma
16.01.2026 Zufikon, Region BremgartenDie 5. Klasse von Anja und Patrick Blankenhorn hat ein eigenes Unternehmen gegründet
Ihre Firma heisst «Zuvonika» und stellt Nistkästen für Blauund Kohlmeisen her und verkauft diese: In der 5. Klasse von Anja und Patrick Blankenhorn ist zurzeit ...
Die 5. Klasse von Anja und Patrick Blankenhorn hat ein eigenes Unternehmen gegründet
Ihre Firma heisst «Zuvonika» und stellt Nistkästen für Blauund Kohlmeisen her und verkauft diese: In der 5. Klasse von Anja und Patrick Blankenhorn ist zurzeit sehr viel los. Das Projekt soll sicher bis Anfang März laufen – und wird vielleicht im Herbst nochmals ins Leben gerufen.
Roger Wetli
«Bis zu den Sportferien herrscht bei uns noch Hochbetrieb», versichern die Schülerinnen und Schüler der Abteilung für Werbung und Marketing der Firma «Zuvonika». Der Name steht für «Zufiker Vogel Nistkasten» und wurde durch die 5. Klasse selbst gewählt. Was «Hochbetrieb» bedeutet, zeigt ein Augenschein vor Ort im Schulhaus A. An einem Tisch werden die Bestellungen erfasst, an einem anderen die Flyer gefaltet, dort Nistkästen zusammengeschraubt und einige Schüler kümmern sich um die Buchhaltung. Bereits gibt es 78 Nistkasten-Bestellungen. Einer der Nistkästen fand sogar den Weg über den grossen Teich und hängt nun in einem grossen Garten in Ohio, USA.
Wie in einer richtigen Firma
«Das Ganze fühlt sich gar nicht wie Schule an, sondern eher wie Freizeit», stellt Romina Suter von der Werbeund Vermarktungsabteilung fest. Ihre Abteilungskolleginnen und -kollegen stimmen ihr zu. «Es macht sehr viel Spass», bestätigt Marlon Singeisen. «Jeder freut sich, wenn es um die Firma geht. Und alle sind plötzlich ganz ruhig und konzentriert.» In ihrer Abteilung sind sich alle einig, dass es für dieses Unternehmen alle Schülerinnen und Schüler braucht – wie in einer richtigen Firma. Auch Lehrer Patrick Blankenhorn stellt fest: «Die Mädchen und Knaben verhalten sich wie in einem richtigen Unternehmen. Es kommt schon mal vor, dass sich eine Abteilungsleitungsperson bei mir beklagt, dass ihr ihre Mitarbeiter nicht richtig zuhören.»
Im Rahmen seines NMG-Unterrichts (Natur, Mensch, Gesellschaft) lancierte Patrick Blankenhorn in den letzten Jahren schon mit vielen Klassen ein Firmenprojekt. Er ist überzeugt: «Es stellt einen Mehrwert für alle dar. Wir behandeln gleichzeitig Wirtschaftstheorie – und setzen diese gleich mit dieser Firma 1:1 um.»
Pausenplatz ohne Nistkasten
Dabei müssen sich die Schülerinnen und Schüler zuerst einigen, was sie genau anbieten möchten. Zur Auswahl stehen etwa Dienstleistungen wie Tierehüten oder die Herstellung und der Verkauf von Esswaren oder Produkten. Die Ideen kommen dabei von den Schülern und vom Lehrerpaar. «Die Nistkästen sind nun ein Mix aus zwei Vorschlägen», so Anja Blankenhorn. «Eine Schülerin hatte die Idee, Nistmöglichkeiten für verschiedene Tiere zu bauen, und mein Mann schlug Nistkästen für Meisen vor. Die grosse Mehrheit der Klasse gab ihre Stimme dann dem Projekt für die Vögel.»
Den 5.-Klässlern fiel auf, dass die Zufiker Schule zwar über einen wunderschönen und grossen Pausenplatz mit vielen Bäumen verfügt, es aber keine Nistmöglichkeiten für Vögel gibt. Mit ihrer Firma möchten sie das jetzt ändern. «Wir verkaufen diese Nistkästen nicht nur, sondern hängen auch welche hier auf», versichert Patrick Blankenhorn. «Im Idealfall besuchen meine Schüler in ein paar Jahren den Pausenplatz wieder und entdecken dabei den einen oder anderen ihrer Nistkästen.»
Alles selbst gemacht
Bis der Verkauf gestartet werden konnte, brauchte es viele Vorarbeiten. So gestalteten die 5.-Klässler nicht nur ein Firmenlogo, einen dreiteiligen Flyer und eine Website, sondern fotografierten auch, nahmen Videos auf und schnitten diese. Damit jeder sieht, dass es sich um einen Nistkasten von «Zuvonika» handelt, bestellten sie ein Brenneisen mit ihrem Logo. Aktuell wird ein Verkaufswagen gestaltet. Mit diesem möchten die Schülerinnen und Schüler am Samstag, 7. März, am Wochenmarkt in Bremgarten präsent sein und ihre Nistkästen verkaufen. «Später im Jahr sollten die Kästen ohnehin nicht aufgehängt werden», weiss Schüler Liam Calisi. «Fachleute empfehlen, dies bis spätesten Ende Februar, Anfang März zu tun.»
Wollten die 5.-Klässler zuerst nur Nistkästen für Blaumeisen herstellen, kamen zusätzlich noch solche für Kohlmeisen dazu. «Dafür müssen wir das Einflugloch nur etwas grösser machen», so Schülerin Raffaela Honauer.
Helfen und Geld verdienen
Uneinig sind sich die Schülerinnen und Schüler der Abteilung für Werbung und Marketing darüber, welchen Zweck sie hauptsächlich mit dieser Firma verfolgen. Die meisten möchten damit den Vögeln helfen. Wenigen Einzelnen geht es vor allem um das Geldverdienen. Denn mit dem erzielten Gewinn soll ein Klassenausflug finanziert werden, über dessen Ziel die ganze Klasse demokratisch entscheidet.
Im Stundenplan vorgesehen ist das Firmenprojekt noch bis Ende nächste Woche. Nach den Sportferien läuft es etwas weniger intensiv weiter. «Die Herstellung der Nistkästen dauert dann halt einfach etwas länger», erklärt Schülerin Selina Gugerli. Sie und viele ihrer Klassenkameraden möchten die Produktion in der 6. Klasse im kommenden Herbst und Winter am liebsten nochmals wiederbeleben. «Es ist eine sehr gute Gruppe», loben Anja und Patrick Blankenhorn ihre Schulklasse. «Einige Kinder kommen sogar freiwillig am Mittwochnachmittag in die Schule, um Nistkästen zu produzieren. Dies, weil die Nachfrage so hoch ist.» Die beiden Lehrpersonen sprechen von einer tollen Dynamik und sind überzeugt, dass die Kinder ihrer Klasse mit diesem Projekt nachhaltig, fächerübergreifend und praxisnah Wichtiges für ihr Erwachsenenleben lernen. Das zeigt sich auch anhand der Schülerinnen und Schüler der Marketingabteilung: «Einige von uns helfen auch in der Produktion, wenn sie dort nicht mehr nachkommen», versichern sie.
Bestellen kann man die Nistkästen über die Website zuvonika.jimdosite.com.


