Ende ist da, Liebe bleibt
24.01.2025 Sport, FussballFür Ex-Profi Goran Karanovic ist nun endgültig Schluss beim FC Wohlen
Es wäre eine schöne Geschichte gewesen. Goran Karanovic beginnt beim FC Wohlen seine Karriere. Nach 20 Jahren als Profi kehrt er im Sommer 2024 nochmals zurück. Der ...
Für Ex-Profi Goran Karanovic ist nun endgültig Schluss beim FC Wohlen
Es wäre eine schöne Geschichte gewesen. Goran Karanovic beginnt beim FC Wohlen seine Karriere. Nach 20 Jahren als Profi kehrt er im Sommer 2024 nochmals zurück. Der «Oldie»- Stürmer wollte helfen. Doch nun ist Schluss. «Es liegt nicht drin», sagt der 37-Jährige.
Stefan Sprenger
Er war euphorisch. Und wieder verliebt in den Fussball. Im letzten Sommer hat es Goran Karanovic wieder gepackt, es hat gefunkt. «Mit einem Team zu trainieren, die Momente in der Kabine, das Gefühl des Fussballs, all das habe ich sehr vermisst», sagte er vor rund einem halben Jahr. Karanovic, der in der Saison zuvor sporadisch mal im FCW-Training dabei war, wollte mehr. «Ich will fitter werden. Ich will wieder Fussball spielen.» Und der FC Wohlen ging einen Deal ein mit dem früheren Top-Stürmer. Einen leistungsbezogenen Vertrag. Heisst konkret: Wenn Karanovic spielt und der FCW gewinnt, kriegt er ein wenig Geld, sonst nicht.
Sein einziger FCW-Einsatz dauert sechs Minuten
Karanovic ist kein alternder Ex-Fussballprofi, der noch möglichst viel aus der auslaufenden Karriere quetschen will. «Ich will den FCW nicht abzocken», sagt er damals. Und es hätte auch gar nicht gepasst zu Karanovic. Denn erstens ist er stets ein korrekter und fairer Typ. Und zweitens ist der FC Wohlen seine grosse Liebe im Fussball. Vor drei Jahrzehnten ist der Dottiker im Nachwuchs des FC Wohlen ein talentierter Kicker. Im Jahr 2005 gibt er in der Challenge League auf den Niedermatten sein Profi-Debüt. Der Stürmer startet in seine grosse Karriere. Luzern, Servette, St. Gallen, Rumänien und Frankreich. Alles in der höchsten Liga. Sein unvergesslichstes Spiel ist 12 Jahre her, als er in der Europa-League-Qualifikation mit St. Gallen einen Doppelpack gegen Spartak Moskau erzielte und so die Ostschweizer quasi im Alleingang auf die internationale Bühne schoss. «Lange her», sagt Karanovic.
Im letzten Sommer wollte er es nochmals wissen, Gas geben, fit werden. Der FC Wohlen gab ihm die Zeit, die er braucht, er versuchte es. Doch Karanovic wurde immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Sinnbildlich sein einziger Einsatz für den FC Wohlen im Oktober 2024. Beim 1:0-Sieg in der Cup-Qualifikation wird Karanovic in der 70. Minute eingewechselt und muss sechs Minuten später verletzt wieder vom Platz.
Und er merkt immer mehr, dass die Zeit knapp wird. «Ich bin vor wenigen Tagen mit dem FC Wohlen zusammengesessen. Ich glaube, es liegt nicht drin, dass ich so fit werden kann, dass ich dem Team helfen kann», so Karanovic. Als Mitinhaber der Padel-Halle in Villmergen, als Inhaber einer Immobilienfirma und als Familienvater (im August kommt Kind Nummer 4) wäre es einfach zu viel. «Ich sollte in jedem Training dabei sein, Vollgas geben, nur so würde ich wieder auf ein gutes Niveau kommen», sagt Karanovic. «Aber ich kriege nicht alles unter einen Hut.» Er wird ab sofort nicht mehr beim FC Wohlen trainieren. «Es reicht nicht, es ist fertig», gesteht er sich selbst ein. Das Engagement beim FC Wohlen habe er «aus Spass» gemacht. Für sich, für den FC Wohlen, wo er nur schon wegen seiner riesigen Erfahrung ein wertvoller Spieler war.
Verbindung bleibt
Damit endet die Liebesgeschichte zwischen Karanovic und dem FC Wohlen. Oder doch nicht? «Ich bin nach wie vor nahe an der Mannschaft. Ich helfe, wenn es mich braucht, einfach nicht auf dem Platz. Zudem spielt mein Sohn beim FCW-Nachwuchs. Und der FC Wohlen wird für immer meine Fussballheimat bleiben, mein Zuhause.» Und so hat diese Geschichte irgendwie doch ihr Happy End gefunden – auch wenn es nicht so gekommen ist wie erhofft. «So ist das Leben manchmal», meint Karanovic.

