Einfach ärgerlich
06.05.2025 Sport, FussballFussball, 1. Liga classic: FC Black Stars – FC Wohlen 2:2 (1:1)
Der FC Wohlen zeigt in Basel eine gute Leistung. Durch zwei unnötige Fehler ermöglicht er dem Gegner zwei Tore und kann so nur einen Zähler mit nach Hause nehmen. Die Teilnahme an den ...
Fussball, 1. Liga classic: FC Black Stars – FC Wohlen 2:2 (1:1)
Der FC Wohlen zeigt in Basel eine gute Leistung. Durch zwei unnötige Fehler ermöglicht er dem Gegner zwei Tore und kann so nur einen Zähler mit nach Hause nehmen. Die Teilnahme an den Aufstiegsspielen ist mathematisch zwar noch möglich, aber sehr unwahrscheinlich.
Josip Lasic
Der Frust ist den Freiämtern nach dem Abpfiff im Buschweilerhof in Basel deutlich anzusehen. Trainer Piu schüttelt den Kopf und sagt: «Zwei verlorene Punkte.» Auch Captain Alban Pnishi ist unzufrieden. Er betont, dass es ein gutes und intensives Spiel war. Ein Duell zwischen zwei Mannschaften, die Fussball spielen wollen. «Aber in der zweiten Hälfte lassen wir kaum noch etwas zu, werden immer stärker. Da ist das einfach zu wenig als Ausbeute.»
Wohlen beginnt stark. In der 3. Minute dringt Goalgetter Dramane Sissoko in den gegnerischen Strafraum ein. Er schlägt den Ball zur Mitte, wo Emre Ercin im Stil eines Spitzenstürmers verwertet. Blöd aus Ercins Sicht ist aber, dass er Innenverteidiger ist, ein Basler Trikot trägt und das Leder ins eigene Netz geschossen hat. Die Gäste nehmen das Geschenk dankend an – und revanchieren sich fünf Minuten später mit einem eigenen Aussetzer. Raffidine Abdullah, der komorische Nationalspieler in Diensten des FCW, hält den Ball im eigenen Strafraum. Er dreht sich, will zu Goalie Joel Bonorand zurückspielen und befördert ihn stattdessen zu Gegenspieler Ashwin Sivananbu. Dieser erzielt mühelos den Ausgleich. Bis zur Pause bleibt es ein Duell auf Augenhöhe, mit Chancen auf beiden Seiten. In der zweiten Hälfte gewinnen die Wohler mit fortlaufender Spieldauer die Oberhand. Sie lassen allerdings zahlreiche Chancen ungenutzt oder laufen bei Kontermöglichkeiten mehrfach ins Abseits. Nach einer Stunde schnappt sich aber Pnishi den Ball an der Mittellinie und läuft damit weit in die gegnerische Platzhälfte. Sein Zuspiel auf Sissoko ist perfekt getimt. Der Franzose erzielt sein sechstes Tor in den letzten fünf Spielen. Umso bitterer, dass sich Sissoko, der in den letzten Wochen regelmässig genetzt hat und gegen die Black Stars an beiden Toren beteiligt war, zehn Minuten später mit schmerzverzerrtem Gesicht das Bein hält und signalisiert, dass er ausgewechselt werden muss. Die erste Vermutung ist eine Adduktoren-Zerrung. «Wir haben nur noch drei Spiele. Das wird eng, dass er nochmals zurückkommt», sagt Piu. Pnishi: «Zu Beginn der Rückrunde war er noch nicht fit. Jetzt hat jeder gesehen, was für eine Waffe er für uns sein kann. Selbst wenn es nur eine kleinere Verletzung ist – die Saison dauert nicht mehr lange.»
Den Sieg hergeschenkt
Noch bitterer wird es für den FCW rund zehn Minuten vor Schluss. Eine Flanke segelt in den Strafraum der Freiämter. Edison Golaj will per Kopf klären – und befördert den Ball zu Basel-Stürmer M’Vondo-Ze. Dieser verwandelt den Volley direkt. Pnishi: «Sie haben einen Torschuss in der zweiten Halbzeit und der sitzt. Wir hätten halt unsere Chancen besser nutzen müssen.» Wohlen bäumt sich auf, kann aber am Resultat nichts mehr ändern. «Im Hinspiel hatten wir etwas Glück, mit dem Ausgleich in der Nachspielzeit, jetzt waren es sie», fasst Piu zusammen. «Man könnte sagen, dass es sich so ausgleicht. Aber ich bin trotzdem frustriert. Mit dem Auftritt der Mannschaft bin ich zufrieden, aber das Unentschieden ist zu wenig.» Es ist auch zu wenig im Hinblick auf die potenzielle Teilnahme an den Aufstiegsspielen. Der FC Wohlen hat 38 Punkte auf dem Konto und noch drei Spiele vor sich. Gewinnen die Wohler alle drei, stehen sie bei 47 Punkten. Der aktuelle Tabellenzweite – Prishtina Bern – benötigt einen Sieg und hätte 48 Punkte auf dem Konto. Im Vergleich mit den anderen zwei Gruppen dürfte der 3. Rang in der Wohler Gruppe der 1. Liga classic nicht für die Aufstiegsspiele reichen. Piu: «Ich will das jetzt wirklich nicht mehr hören. Es mag mathematisch noch möglich sein, aber ich will weder den Spielern falsche Hoffnungen machen noch wir als Team bei den Fans falsche Erwartungen machen, wenn wir dann wie heute nicht liefern können.» Der Trainer setzt den Fokus jetzt anders. Morgen Mittwoch, 19.30 Uhr, absolvieren die Wohler zu Hause ein Testspiel gegen die U19 des FC Aarau. Danach folgen drei Heimspiele gegen Muttenz, Courtételle und Münsingen, angefangen mit dem Duell gegen Muttenz am Samstag um 17 Uhr. «Ich will wieder mal zu Hause gewinnen. Das ist schon mal ein Ziel», so Piu. «Wir haben ausserdem noch Chancen, die vorletzte Saison zu toppen. Damals hat der FC Wohlen mit 42 Punkten abgeschlossen. Letztes Jahr haben wir 35 Punkte geholt. Das konnten wir bereits übertreffen. Jetzt gilt es, die nächste Messlatte in Angriff zu nehmen.»
Dennoch bleibt es ärgerlich, dass der FCW nicht nur in Basel, sondern in der ganzen Saison zu oft Punkte verschenkt hat. «Es waren wirklich viele Spiele, wo mehr möglich gewesen wäre», so Pnishi. «Es bringt jetzt aber nichts, dem hinterherzutrauern. Wir schauen nach vorne. Schön wäre, wenn wir zum Abschluss neun Punkte aus den letzten drei Heimspielen holen könnten.»
Der FC Wohlen wird die Aufstiegsspiele wohl verpassen. Vielleicht kommen sie für die Freiämter in dieser Saison auch etwas zu früh. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie Potenzial hat. Gleichzeitig aber auch, dass sie dieses noch nicht konstant abrufen kann. Eine Entwicklung ist allerdings vorhanden. «Wenn die Mannschaft zusammengehalten werden kann und wir uns punktuell auf ein, zwei Positionen verstärken, traue ich uns zu, in der nächsten Saison vorne mitzuspielen», sagt Captain Pnishi. Noch sind allerdings keine Verträge unterschrieben. Auch mit ihm gibt es nur eine Vereinbarung. Der 34-Jährige erklärt, dass bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen, damit sich sein Vertrag automatisch um ein weiteres Jahr verlängert. Details nennt er nicht, sagt aber: «Es sieht gut aus.» Auch mit Leon Alimi und Luca Nascimento bestehen Vereinbarungen laut Sportkoordinator Gregorio Trovato. Die weiteren Unterschriften sollen folgen. «Ich weiss nicht genau, welche finanziellen Möglichkeiten der Verein hat, um die Truppe so zusammenzuhalten», sagt der Captain. «Aber wir haben uns in den letzten Monaten stetig weiterentwickelt. Es wäre sicher möglich, jetzt noch einen Schritt nach vorne zu machen.» --jl

