«Ein seltsames Spiel»
04.03.2025 Sport, FussballFussball, 1. Liga classic: FC Schötz – FC Wohlen 2:0 (0:0)
Der FC Wohlen kassiert im Auswärtsspiel gegen Schötz eine vermeidbare Niederlage. Die Freiämter sind über weite Strecken ebenbürtig und kassieren dann nach individuellen Fehlern ...
Fussball, 1. Liga classic: FC Schötz – FC Wohlen 2:0 (0:0)
Der FC Wohlen kassiert im Auswärtsspiel gegen Schötz eine vermeidbare Niederlage. Die Freiämter sind über weite Strecken ebenbürtig und kassieren dann nach individuellen Fehlern die entscheidenden Gegentore.
Josip Lasic
«Irgendetwas hat gefehlt», fasst Wohlen-Trainer Piu die Partie gegen Schötz zusammen. «Die letzten paar Prozente waren nicht da. Wir waren nicht zielstrebig genug.» Der FC Wohlen zeigt kein schlechtes Spiel gegen den FC Schötz und fährt am Ende trotzdem ohne Punkte nach Hause.
Vor dem Spiel läuft bereits einiges schief bei den Freiämtern. Sie erfahren erst im allerletzten Moment, dass auf Kunstrasen gespielt wird – nachdem sie sich die ganze Woche auf Naturrasen vorbereitet haben. Rund eine halbe Stunde vor der Teambesammlung erhält Piu einen Anruf von Abwehrspieler Amara Cissé. Er hatte auf dem Weg eine Autopanne und kam nicht mehr weg. Die Aufstellung musste kurzfristig noch geändert werden. «Nichts davon darf eine Ausrede sein. Aber es passt irgendwie alles zu dieser Partie. Es war ein seltsames Spiel.»
Fokus hat gefehlt
Der FC Wohlen lässt sich zu Beginn der Partie von den Widrigkeiten überhaupt nicht beirren. Die Freiämter zeigen ein gutes Spiel und erarbeiten sich einige Torchancen. Einzig im Abschluss hätte das Team mehr Effizienz zeigen können. Die Versuche gehen entweder neben das Gehäuse oder können von Schötz-Keeper Neel Kissling ohne grössere Mühe entschärft werden. Das Einzige, was sich die Wohler bis zur Pause vorwerfen lassen müssen: Je länger die Partie dauert, desto passiver werden sie. Die Torchancen werden gegen Ende der ersten Hälfte rarer. Allerdings war Schötz bis zu diesem Zeitpunkt auch nicht besonders gefährlich. Die zweite Halbzeit verläuft ähnlich. Nach rund einer Stunde fällt der FCW in ein kurzes Loch. Es ist eine Phase von rund fünf Minuten, in denen die Freiämter nicht ganz da sind, die ihnen das Genick bricht. Es gibt offensiv und defensiv ein paar Aussetzer, die allerdings ohne Folgen bleiben. Als Noel Romano in einer Situation den Ball aus dem eigenen Drittel befördern will, verliert er ihn gegen Nikola Mijatovic. Anschliessend gelingt dem Wohler nicht, seinen Gegenspieler im Zweikampf aufzuhalten. Mijatovic läuft in den Strafraum und erwischt Joel Bonorand in der Torwartecke. «Das war schlecht von uns und auch passend zum Spiel. Der Ball wird unnötig zu Noel zurückgespielt. Er verliert ihn dann und kann sich im Zweikampf nicht durchsetzen und am Ende kassiert Joel, der sonst so souverän ist, ein solches Tor. Wir waren irgendwie nicht richtig da.» 20 Minuten nach dem Gegentor kommt Schötz-Verteidiger Almedin Hodzic nach einem Eckball etwas sehr einfach zum Kopfball. 2:0. Auch wenn die Freiämter alles versuchen, um zumindest zum Ehrentreffer zu kommen, bleibt es bei diesem Resultat.
Potenzial wäre vorhanden
Die Enttäuschung ist da bei Trainer und Team. «Wir waren nah dran am Punkt. Mit etwas Durchschlagskraft hätten wir sogar gewinnen können. Und jetzt stehen wir als Verlierer da.» Dabei hat man bei Wohlen viel Gutes gesehen. Die Neuzugänge Dramane Sissoko, Gilles Gauchat und Noah Lüscher-Boakye haben sich bereits gut in die Mannschaft eingefügt. Amr Khaled und René Baumanis deuten in ihrem ersten Auftritt zumindest Potenzial an. «Sie brauchen sicher noch etwas Zeit. Aber es war auch ihr erstes Spiel. Insgesamt ist definitiv Potenzial vorhanden. Gegen Schötz konnten wir es aber als Kollektiv nicht abrufen.»
Der Trainer hofft, dass sich das schnell ändert. Am nächsten Samstag empfängt man den Tabellenvierten Langenthal. Dann gastiert man unter der Woche bei Leader GC U21 und fährt anschliessend ins Tessin zum Cup-Qualifikationsspiel gegen Taverne. «Es ist eine intensive Phase. Und das erste Spiel davon haben wir vermasselt. Jetzt muss es besser werden.»
«Der geht auf meine Kappe»
Die Spieler teilen die Meinung des Trainers
Wohlen-Captain Alban Pnishi ärgert sich über die Niederlage. «Das war unnötig. Eigentlich war es ein klassisches 0:0-Spiel. Dann kassieren wir aber nach einem Eigenfehler das 0:1. Wir hatten mehr vom Spiel, mehr Ballbesitz, auch paar Chancen. Uns war klar, dass Schötz eher abwarten und auf unsere Fehler lauern wird. Das ist ihnen gelungen.» Noel Romano sieht es ähnlich. «Es wäre ein 0:0-Spiel gewesen. Aber mir ist da so ein Riesenbock unterlaufen, das uns am Ende die Punkte gekostet hat.» Der Flügelspieler zeigt sich sehr selbstkritisch. Denn in der Phase, wo ihm der Fehler passiert, patzen auch einige seiner Mitspieler. Ihre Aussetzer bleiben jedoch ohne Konsequenzen. «Ja, wir hatten da eine kurze schwächere Phase, aber das Gegentor geht ganz klar auf meine Kappe. Der Gegenspieler zieht mich zwar leicht im Zweikampf, aber das soll keine Ausrede sein. Mir gelingt es nicht, mich da durchzusetzen.»
Sprung nach vorne in der Tabelle verpasst
Bis zu diesem Zeitpunkt hat der 21-Jährige ein solides Spiel gezeigt. «Ich war auch nicht nervös oder so. Aber in der Situation ist mir dann schon die Tabelle durch den Kopf geschossen. Mit einem Sieg wären wir näher an die Aufstiegsspielplätze rangerückt. Das ärgert dann zusätzlich.»
Pnishi: «Wir wollten den Abstand zu Schötz verringern. Jetzt ist er noch grösser geworden. Es war insgesamt keine schlechte Partie von uns, aber in gewissen Situationen scheinen noch die letzten paar Prozente zu fehlen. Die paar Prozent, die nötig sind, um so ein Spiel zu gewinnen. Es gibt auch Tage, wo man sich in der Offensive schwer tut und Mühe hat, Tore zu erzielen. In so Spielen sollten wir dann zumindest in der Lage sein, kein Gegentor zu kassieren und einen Punkt mitzunehmen.»
Der Kampfgeist bleibt erhalten
Die Freiämter stecken den Kopf aber nicht in den Sand. Romano: «Es wäre vermessen gewesen anzunehmen, dass wir die Rückrunde ungeschlagen überstehen. Es sind noch genug Spiele, die wir gewinnen können. Wir schauen vorwärts.» Pnishi: «Es sind noch zwölf Spiele, in denen wir das wiedergutmachen können.» --jl

