Die Identifikationsfigur geht
27.01.2023 Eishockey, SportChristian Sulser hört beim HC Wohlen Freiamt auf
20 Jahre lang hat Christian Sulser seine Knochen für den HC Wohlen Freiamt hingehalten. Jetzt hört das 38-jährige Urgestein der «Huskies» auf. Nach dem Spiel gegen die Argovia Stars hängt er seine ...
Christian Sulser hört beim HC Wohlen Freiamt auf
20 Jahre lang hat Christian Sulser seine Knochen für den HC Wohlen Freiamt hingehalten. Jetzt hört das 38-jährige Urgestein der «Huskies» auf. Nach dem Spiel gegen die Argovia Stars hängt er seine Schlittschuhe an den Nagel. Die Freiämter verlieren ihre Identifikationsfigur und ihren Teamcaptain. Neben ihm gehen sieben weitere Spieler. --jl
Der Ur-Wohler sagt Tschüss
Eishockey, 3. Liga: Christian Sulser und sieben weitere Spieler verlassen Wohlen nach dem Heimspiel am Samstag (17.15 Uhr)
Seit 24 Jahren spielt Christian Sulser Eishockey. Die meiste Zeit davon beim HC Wohlen Freiamt. Das Duell von morgen Samstag gegen die Argovia Stars ist für ihn mehr als nur der Saisonabschluss. Das Wohler Urgestein beendet seine Karriere.
Josip Lasic
Christian Sulser erzählt mit einem spitzbübischen Lächeln, wie er die neu gewonnene Freizeit nutzen wird, die er ab morgen Samstag hat. Dann geht es für ihn und den HC Wohlen Freiamt gegen die Argovia Stars. Der Kantonsrivale steht bereits in den Play-offs. «Sie sind Favorit, aber wir konnten sie in den vergangenen Jahren in einigen Spielen bezwingen», sagt er. Danach ist Schluss für ihn mit Eishockey. «Ich werde mehr Zeit haben zum Skifahren und Biken.» Natürlich das Biken. Ein Hobby von Sulser, das man bereits mit einer kurzen Google-Suche nach ihm in Erfahrung bringen kann. So hat er beispielsweise 2019 an der Eiger Bike Challenge in Grindelwald teilgenommen. «Ja, dort bin ich aus Spass gestartet», sagt der 38-Jährige und fragt neugierig nach: «Was erfährt man sonst so über mich, wenn man nach mir googelt?» Unter anderem, dass er im Jahr 2000 an einem Kart-Cup auf der Wohler Kartbahn teilgenommen hat. «Stimmt», sagt er lachend. «Lange ist es her.»
Aber die Sportart, über die man am häufigsten stolpert, wenn man sich über den Wohler informieren will, ist natürlich Eishockey. Mit 14 Jahren hat er angefangen zu spielen. Damals im Nachwuchs des HC Wohlen Freiamt. Und jetzt, 24 Jahre später, ist er immer noch Teil des Vereins. Zuletzt war er Captain der ersten Mannschaft. Nach Marc Meier hat er die zweitmeisten Einsätze aller Zeiten bei den «Huskies». Bereits sein Bruder Andreas hat für den Club gespielt. Sein Vater war früher für die Nachwuchsausbildung im Verein verantwortlich. Christian Sulser gehört zum Club. Und doch wird das Heimspiel morgen Samstag die Dernière des Wohlers. «Ich benötige immer mehr Zeit für die Regeneration», sagt er. «Der Gedanke aufzuhören kam vor ein paar Jahren. Ich wollte nach Corona noch eine komplette Saison spielen, bevor ich mich verabschiede.»
Eine treue Seele
So ging es vielen Spielern im Team. Deshalb werden gleich acht Akteure auf einen Schlag die Mannschaft verlassen. Die meisten von ihnen sind aber Auswärtige (siehe Box). Bei Sulser ist das anders. Er ist ein Wohler. Und eine treue Seele. Das sieht man bei ihm schon im beruflichen Bereich. Seit 2006 arbeitet er bei der Cellpack. «Im Eishockey bin ich weniger treu», unterbricht er. Er hat eine Saison beim HC Seetal gespielt und zwei Jahre für den HC Fischbach-Göslikon. Dazu hat er in seinen 24 Eishockey-Jahren eine Saison ausgesetzt. Die restlichen 20 Jahre der Karriere hat er aber bei den Wohlern verbracht und mit dem Club einiges mitgemacht. Von Aufstiegsspielen in die 1. Liga bis zu Einsätzen in der 4. Liga. Sein grösster Erfolg: «Der Cupsieg 2016 im interkantonalen Berner Cup. Wir haben im Final mit Reinach einen Erzrivalen geschlagen und die Berner waren sauer, dass zwei Aargauer Teams im Final standen.» Er war dabei, als die neue, überdachte Eisbahn eingeweiht wurde. Als Vorstandsmitglied und Event-Verantwortlicher hat er die Rollschuhdisco im Schüwo-Park ins Leben gerufen. Nach all dieser Zeit, den Höhen und Tiefen, blickt er dem morgigen Spiel gegen die Argovia Stars mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen.
Bleibt sportlich aktiv und unterstützt den Verein
«Ich bin mir gewohnt, dass mehrere Abende die Woche für Trainings und Spiele reserviert sind und ich die Teamkollegen sehe. Das wird fehlen.» Aber dem sportlich vielseitig interessierten Wohler wird bestimmt nicht langweilig werden. Neben dem Biken und dem Skifahren wird er mehr Zeit für seine Freundin haben. Dazu ist Sulser auch Mitglied der Göttigesellschaft Wohlen. «Das gibt auch zu tun», sagt er und ergänzt lachend: «Bloss die wöchentlichen Trainings fallen weg. Das wäre ungesund.» Dem HC Wohlen Freiamt wird er ausserdem erhalten bleiben, wenn auch nur im Hintergrund. Stefan Haller hat von ihm im Vorstand das Ressort «Events» übernommen, «doch bei der Rollschuhdisco unterstütze ich ihn weiterhin. Schliesslich ist die mein Baby.» Und auch bei anderen Anlässen, die der Club organisiert, wird man ihn bestimmt wieder antreffen.
Vielleicht spielt er auch weiterhin Eishockey. Ein Teil der Spieler, die aufhören, überlegt, in der kommenden Saison in Aarau eine Seniorenmannschaft auf die Beine zu stellen. Sulser: «Ich bin nicht abgeneigt, da mitzumachen.»
Aber für den HC Wohlen Freiamt steht er morgen Samstag definitiv zum letzten Mal auf dem Eis. Im Spiel gegen den Tabellenzweiten Argovia Stars. «Ein harter Brocken. Aber ein Sieg wäre ein schöner Abschied.» Es wäre der letzte Höhepunkt in der Karriere des Wohler Urgesteins.
Diese acht Spieler gehen
Das Duell des HC Wohlen Freiamt gegen die Argovia Stars wird allgemein eine grosse Abschiedsparty. Neben Christian Sulser hören David Steuri, Marc Imhof, Lorenz Pfiffner, Stefan Wernli, Adrian Schmuki, Ruben Andrist und Spielertrainer Patrick Siegwart auf. Ein grosser Aderlass, so Sulser: «Wir hatten diese Saison mit 24 Mann ein sehr grosses Kader. 16 Spieler bleiben ohne uns. Und das Team wird sich verstärken. Möglicherweise wird sich der Abgang vieler Routiniers auf die Qualität auswirken. Aber der HC Wohlen Freiamt bleibt bestehen.»
Lorenz Pfiffner und Stefan Wernli werden gegen die Argovia Stars nicht mehr dabei sein. Für sie war das Auswärtsspiel in Binningen das letzte im Wohler Trikot. Spielertrainer Patrick Siegwart bleibt dem Club erhalten. Er wird «nur» noch als Trainer an der Bande im Einsatz sein. Die restlichen Abgänge kamen vor einigen Jahren gemeinsam mit Siegwart von den Argovia Stars zu Wohlen. Im Team hat diese Truppe den Spitznamen «die Aarauer». Sulser: «Sie haben rund sieben Jahre lang für uns gespielt und davor lange in Wettingen. Einige von ihnen wohnen direkt neben der Kunsteisbahn in Aarau. Ich verstehe, dass sie keine Lust mehr haben, so weit zu fahren, um Eishockey zu spielen.» Der HC Wohlen Freiamt wird sich jedenfalls auf die kommende Saison hin umstrukturieren und neu aufstellen müssen. --jl



