Der Zweig ist nicht mehr so grün
03.09.2024 Sport, Schwingen500 Zuschauer am Jungschwingertag in Mühlau – Muss man sich um den Freiämter Nachwuchs Sorgen machen?
Der ganze Schwingklub Freiamt ist auf den Beinen und erlebt einen sonnigen und bestens organisierten Schwing-Sonntag, wo gar Prominenz auftaucht. Aus ...
500 Zuschauer am Jungschwingertag in Mühlau – Muss man sich um den Freiämter Nachwuchs Sorgen machen?
Der ganze Schwingklub Freiamt ist auf den Beinen und erlebt einen sonnigen und bestens organisierten Schwing-Sonntag, wo gar Prominenz auftaucht. Aus sportlicher Sicht gibt es aber ein negatives Novum für die jungen Freiämter.
Stefan Sprenger
Beste Stimmung rund um das Restaurant Schoren in Mühlau. Die Schwinger sind zu Besuch. Auch TV-Moderator Roman Kilchsperger (mit Freiämter Jasskumpels unterwegs) schaute fasziniert zu. 149 Jungschwinger waren am Start – davon 18 Freiämter. Total kamen 500 Besucher. Und das Fest verlief bei warmen Temperaturen enorm speditiv, die Organisation des Schwingklubs Freiamt war bestens.
«In den letzten 25 Jahren hat es das nie gegeben»
«Es ging super vorwärts. Wohl selten war der Jungschwingertag so schnell durch», sagt beispielsweise Eidgenosse Andreas Döbeli, der als Platzchef mithalf. Die beiden anderen Eidgenossen Joel Strebel (Einteilung) und Lukas Döbeli (Buffet) halfen genauso mit wie alle anderen Vereinsmitglieder. Medienverantwortlicher Adrian Stump vom SK Freiamt, sagt: «Der letzte Schlussgang war um 16 Uhr fertig – und um 18 Uhr war der Schwingplatz zurückgebaut. Das hat es in den letzten 25 Jahren nie gegeben – wir waren zackig unterwegs. Ein grosses Lob an alle Helfer.»
Was es ebenfalls schon lange nicht mehr gegeben hat: Kein Freiämter schafft es in den vier Alterskategorien in einen Schlussgang. Seit dem Jahr 2006 schaffte es immer mindestens ein (oder mehrere) junge Freiämter in den Schlussgang. In der Ausgabe 2024 gibt es lediglich sieben Zweige. In der jüngsten Kategorie (Jahrgänge 2015/16) holen sich diese Auszeichnung Nicolas Vollenweider (Merenschwand) und Timon Fischer (Geltwil). Bei den Jahrgängen 2013/14 holen sich Cedric Vogel (Bergdietikon), Aron Wiederkehr (Beinwil/Freiamt) und Manuel Huwyler (Mühlau) den Zweig. Im Jahrgang 2011/12 geht man leer aus. Andrin Köpfli (Islisberg) und David Strebel (Sarmenstorf) gewinnen den Zweig in der ältesten Klasse 2009/10.
«Keine Überschwinger mehr»
Hat der Schwingklub Freiamt ein Nachwuchsproblem? Der Freiämter Schwinger-Zweig war auch schon grüner. Adrian Stump sagt: «Wir haben viele junge Talente, aber diese gilt es nun zu fördern und im Wintertraining viel Technik zu üben, sodass wir im nächsten Jahr wieder Schlussgangteilnehmer oder sogar Kategoriensieger aus den eigenen Reihen haben.»
Yanick Klausner, technischer Leiter der Freiämter Jungschwinger, ordnet ein: «Es ist sicherlich so, dass wir keine Überschwinger mehr haben.» Die goldenen Jahre sind zwar etwas vorbei, dennoch gibt es keinen Grund zur Panik. Klausner: «Cedric Vogel konnte einen Tag vor dem Fest in Mühlau den Seebacher Buebe-Schwinget gewinnen.» Man sei ordentlich unterwegs. Aber eben nicht mehr sensationell, so wie vor ein paar Jahren, als gleich mehrfach Freiämter Jungschwinger ihr grosses Talent schon als junge Burschen bewiesen. Einer davon war Andreas Döbeli. Der Sarmenstorfer ist Eidgenosse und im Vorstand des SK Freiamt als technischer Leider im Aktivbereich tätig. Er sagt: «Es ist der Lauf der Zeit. Es geht auf und ab. Zudem gibt es in diesem Jahr einige starke Schwinger, die frisch in die höhere Alterskategorie rutschten und nächsten jahr sicherlich wieder vermehrt vorne anzutreffen sind.» Der Klub weiss, dass es im Nachwuchs Arbeit gibt, doch dies packt man gemeinsam an. «Man muss sich keine Sorgen machen», sagt Andreas Döbeli.
Er selbst hat aktuell auch gute Zeiten vor sich. Der Heilungsprozess seiner Schulterverletzung geht voran. Er sei «schmerzfrei» und freut sich auf die Wintervorbereitung. Ab November kann er wieder voll mit trainieren. Und dann natürlich ist das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest im nächsten Jahr schon im Hinterkopf, was für alle Schwinger ein grosses Highlight wird.
Ein grosses Highlight steht aber bereits in drei Wochen für Andreas Döbeli an. Dann wird er seine langjährige Freundin Angela Kammermann heiraten.
Joel Strebel geht wieder raus
Er war in absoluter Topform und kaum jemand konnte ihn bremsen. Der Aristauer Joel Strebel gehörte in dieser Saison zu den besten Schwingern des Landes. Er siegte unter anderem beim Solothurner, Baselstädtischen und Aargauer Kantonalschwingfest. Dann riss er sich am Stoss-Schwinget am 9. Juni das Kreuzband. Die Operation folgte am 27. Juni. Und es wurde ruhig um den zweifachen Eidgenossen. Die Verletzung setzte ihm zu. Natürlich auch, weil er in so bestechender Form war. «Ich war total am Boden», sagt er.
Er ging seither an kein einziges Schwingfest mehr und zog sich komplett zurück. Nun besuchte er mit dem Jungschwingertag in Mühlau sein erstes Schwingfest seit dem 9. Juni und war im Einteilungsbüro. «Es geht voran. Die Stöcke sind weg. Ich trainiere so gut, wie es mit dem Knie eben geht», so der 27-Jährige. «Es geht mir besser», meint er weiter. Der Genesungsverlauf ist gut, es geht voran. Strebel rechnet mit einem Comeback erst im Juni – ein Jahr nach der Verletzung. Er will noch stärker zurückkehren. --spr