Das Dorf, in dem man sich hilft
10.09.2024 Kelleramt, OberlunkhofenFür ihr gemeinsames Dorffest haben in Oberlunkhofen fast alle mit angepackt
Die Vereine in Oberlunkhofen haben die Bühne, die ihnen das Dorffest bot, genutzt und mit ihren Attraktionen und grossem Einsatz zu einem vielfältigen Gesamterlebnis beigetragen. ...
Für ihr gemeinsames Dorffest haben in Oberlunkhofen fast alle mit angepackt
Die Vereine in Oberlunkhofen haben die Bühne, die ihnen das Dorffest bot, genutzt und mit ihren Attraktionen und grossem Einsatz zu einem vielfältigen Gesamterlebnis beigetragen.
Thomas Stöckli
Der Strom an Kindern, die an der Hand ihrer Mütter, Väter oder Grosseltern die Treppe des Mehrzweckgebäudes herunterkommen, scheint nicht enden zu wollen. Soeben ist die zweite Kasperli-Vorstellung von Märchenerzählerin Bettina Leibundgut zu Ende gegangen. «Die Kinder waren Feuer und Flamme», freut sie sich. Und auch den Erwachsenen konnte sie mit den Slapstick-Elementen in ihren spannenden Geschichten ein Lächeln ins Gesicht zaubern. «Nächstes Mal müssen wir sicher einen grösseren Raum haben», zieht Pfarreirat Nicola Palmisano Bilanz. Insgesamt verfolgten rund 150 Personen die fesselnden Geschichten, wobei manche auch zweimal kamen.
Direkt nebenan, in der Aula, gibt der Karate Verein Kazen einen Einblick in seine japanische Kampfkunst, vom Aufwärmen über Grundtechniken und deren Kombination zu choreografierten Abläufen bis hin zu Selbstverteidigung und freiem Zweikampf. Zudem vermittelt Dojo-Leiter Frank Schluck, dass Karate für Selbstverteidigung mit leeren Händen, also ohne Waffen, steht und jede Trainingslektion mit Respektbekundung beginnt und endet.
Sportliche und kreative Aktivitäten
Während sich die Erwachsenen einen Platz im Schatten sichern und sich ein kühles Getränk zu Leibe führen und den Klängen der «PressBand» lauschen, drängen sich die Kinder und Jugendlichen vor dem Bubble-Fussballstand. An die transparenten, aufblasbaren Kugeln, in die man sich dazu hineinzwängt, müssen sie sich erst mal gewöhnen, ehe der Fussball ins Spiel kommt und es richtig zur Sache geht. Immer mal wieder bleibt jemand kopfüber stehen und braucht einen helfenden Schubs vom anwesenden Jugendarbeiter. Kaum weniger beliebt scheint der Fallbalken der reformierten Kirchgemeinde zu sein. Und auf Initiative des Eltern-Kind-Vereins (ElKi) nimmt im Erdgeschoss des Mehrzweckgebäudes ein Transparent Formen an, das, wie Franziska Meier verrät, künftig die Fassade der Turnhalle zieren wird. Um den Schriftzug mit dem Festmotto «Oberlunkhofen – ein Dorf voller Leben» und den Grundriss der Gemeindegrenzen dürfen sich die Kinder und Jugendlichen kreativ entfalten. Manche lassen sich Hand oder Fuss in ihrer Lieblingsfarbe anpinseln, um einen Farbabdruck zu hinterlassen, andere lassen der Kreativität sonst wie freien Lauf.
Am Gibelhütteweg demonstriert die Feuerwehr unter anderem, wie man mit einer Löschdecke gegen einen Ölbrand in der Küche vorgehen kann. Die Samariter finden zwischen dem akuten Behandeln von Wespen- und Sonnenstich Zeit, an Reanimationspuppen zu zeigen, was im Falle eines Herzstillstands zu tun wäre. In der Kafistube, am Rande der Festmeile, hat der Verein Nachbarschaftshilfe Kelleramt den idealen Austragungsort für sein Jassturnier gefunden. Ähnlich ruhig ist es am Nachmittag im Barwagen, wo erst nachts die Post abgeht. Gabi Arnold und Tamara Enzler können sich beim Vorbereiten für den grossen Andrang Zeit lassen. Sie packen für den Musikverein mit an. Den Verein, der sich am meisten reinhängt, wie OK-Präsident Christian Kron verrät. «Von insgesamt 500 Helfereinsätzen, welche die Mitglieder der 20 beteiligten Vereine leisten, haben die Musikantinnen und Musikanten mehr als 100 übernommen.
Mehr Festgänger als erwartet
Der Besucheraufmarsch hat unsere Erwartungen übertroffen», darf OK-Präsident Christian Kron zufrieden festhalten. Das wirkt sich auch finanziell aus: «Wir haben noch nicht alle Einnahmen beisammen, es ist aber bereits klar, dass wir beim Umsatz weit über den Erwartungen liegen werden.»
Deutlich unterschätzt hat das OK nicht nur den Besucherandrang, sondern auch die Menge an Essen, welche während der Stosszeiten bereitgestellt werden musste. «Das führte zu Ärger aufseiten von Besuchenden und natürlich dann auch beim Service- und Küchenpersonal, wofür sich das OK entschuldigen möchte», sagt Christian Kron. Umso mehr habe es ihn erfreut und ergriffen, zu sehen, wie einige Helfende spontan gleich mehrere Zusatzschichten übernommen haben: «Ich glaube, Oberlunkhofen konnte sich nicht nur als ein Dorf voller Leben repräsentieren, sondern auch als Dorf, in dem man sich gegenseitig unterstützt und wo nötig aus dem Seich hilft.»