Aus der Versenkung zurückgeholt
17.04.2026 Kultur, Wohlen, Kommende Events«Us em Archiv, Vol. 1»
Kulturwerk Bleichi startet mit neuer Serie
Die Organisatoren des Kulturwerks Bleichi lassen den Traum von Lokalhelden neu aufleben. Einst waren sie Dauergäste auf Konzertbühnen und Festivals. Nun wurden Dirty ...
«Us em Archiv, Vol. 1»
Kulturwerk Bleichi startet mit neuer Serie
Die Organisatoren des Kulturwerks Bleichi lassen den Traum von Lokalhelden neu aufleben. Einst waren sie Dauergäste auf Konzertbühnen und Festivals. Nun wurden Dirty Venus und Tie and Tuxedo für ein exklusives Konzert reaktiviert und stehen nach Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne. Ein Hoch auf guten Sound, treibende Grooves, Rock und Lederjacken. --mo
Kulturwerk Bleichi: Dirty Venus und Tie and Tuxedo am Freitag, 24. April
In einer neuen Serie möchten die Organisatoren des Kulturwerks Bleichi alte Bands reaktivieren und auf die Bühne bringen. Und mit ihnen Momente und Erinnerungen aus einer längst vergessenen Zeit. Start von «Us em Archiv» ist am Freitag, 24. April, um 20.30 Uhr.
Monica Rast
«Weder ich noch viele andere hätten es für möglich gehalten, dass es zu einer Reunion von zwei Bands kommt, welche vor Jahren zahlreiche Bühnen unsicher gemacht haben», erklärt Jonas Arnet, Präsident vom Verein für Kultur, strahlend. «Es ist eine besondere Freude für das Kulturwerk, dies zu arrangieren.» Laut Arnet soll man diesen Abend geniessen und in sich aufsaugen. «Was nachher kommt, steht noch in den Sternen.»
Die Freude über die Zusammenkunft ist deutlich spürbar. Strahlende Gesichter und kumpelhaftes Schulterklopfen. Man könnte meinen, es wäre erst gestern gewesen, als man sich noch für einen Gig oder eine Probe traf. Einzig die Nachfrage nach den Kindern zeigt, dass etliche Jahre dazwischen liegen.
Erste Ausgabe von hoffentlich vielen
Das Kulturwerk Bleichi möchte in Zukunft einmal pro Saison unter dem Titel «Us em Archiv» Bands, die früher fest im regionalen Kulturleben verankert waren, «ausgraben» und sie für ein Konzert auf die Bühne zurückholen. «Wir wollen den Leuten und Konzertbesuchern von hier etwas bieten, womit sie nicht rechnen. Etwas, was sie überrascht und mit früher verbindet», erklärt Arnet.
Die Bands Dirty Venus und Tie and Tuxedo standen schon lange nicht mehr auf der Bühne, somit sind sie perfekt für den Startschuss dieser neuen Serie, bei der man relativ lange nachdoppeln möchte. «Ideen sind vorhanden», erläutert Arnet das Konzept, «im neuen Programm des Kulturwerks werden bereits die nächsten Namen kommuniziert.» Doch momentan geht es um den Startschuss und die Mitglieder der zwei Bands. Sowohl von Tie and Tuxedo als auch von Dirty Venus sind Bandmitglieder an dieser kleinen Pressekonferenz. Als Jonas Arnet sie auffordert, gleich selbst von ihrem Werdegang zu erzählen, geht ein Lachen durch die Anwesenden. Mathieu Friz, Pianist bei Tie and Tuxedo, schaut seine Bandmitglieder Marc Fischer und Christoph Horat an: «Wir haben gerade vorhin darüber gesprochen. Eigentlich sind wir im Herbst 2009 an der Kanti Wohlen entstanden.»
In der Kanti hat alles angefangen
Die junge Version von Marc Fischer jamte damals auf dem Pausenplatz und begeisterte die restlichen Bandmitglieder. Sie waren sich einig: «Den müssen wir haben.» Etwas später stiess noch Smart Bieri als Sänger zu der Band. Von da an spielten sie auf zahlreichen Bühnen. Dabei stand der Funk im Vordergrund. «Smart ist eine richtige Rampensau. Wir als Band wissen selbst nicht genau, was passiert. Bei den Songs schon, aber da kommen immer irgendwelche Sachen aus dem Nichts», meint Friz lachend, «das macht es auch für uns spannend.» Verdächtig dabei sei immer der mitgeführte Rollkoffer des Sängers gewesen.
Das letzte Konzert von Tie and Tuxedo fand 2016 statt. «Lustigerweise wurden wir vor einem guten halben Jahr für einen Auftritt an einer Hochzeit angefragt», erzählt Fritz, «Jonas Arnet hörte davon und so sind wir in die Konzertreihe aus dem Archiv hineingerutscht.» Den Bezug zur Musik haben sich die Männer über die Jahre hinweg erhalten. Mathieu Fritz ist Klavierlehrer an der Kanti Wohlen und auch Christoph Horat unterrichtet Mathematik und Physik an dieser Schule.
Marc Fischer ist noch immer musikalisch unterwegs und über Smart Bieri haben die Mitglieder vernommen, dass er momentan Salsa unterrichtet und auswandern möchte. Aus Anlass zu dem Konzert wird ein neuer Song aufgenommen. Die Mitglieder stecken mittendrin und der Song soll noch vor dem Konzert erscheinen.
Andere Band, aber fast die gleiche Story
«Das Konzert soll eine Zeitreise für die Fans werden. Das Eintauchen in diese Zeit wird sicher speziell», meint Christoph Horat. Marc Fischer doppelt nach: «Ich finde es lässig, wie alles geklappt hat.» Und Mathieu Fritz meint: «Es ist wie Velofahren. Die Songs sind noch irgendwo gespeichert.»
Dieser Ansicht ist auch Adrian Meier, Gitarrist von Dirty Venus. «Das liege wohl an den coolen Parts in den Liedern», sind sich alle einig und die Erinnerungen nehmen ihren Lauf und somit einen fliessenden Übergang zur zweiten Band.
Die Mitglieder von Dirty Venus kennen sich nicht von der Schule, sondern von der Pfadi. Seit der Gründung vor über 20 Jahren hat sich die Band, bestehend aus Adrian Meier, Marco Baltisberger, Pascal Sachs und Johannes Stäger, nicht verändert. Nach dem letzten Konzert vor rund 14 Jahren trennten sich die Wege und der Kontakt minimalisierte sich. Adrian Meier war bei der Rekrutierung die treibende Kraft. Doch bevor er sich bei Sänger Marco Baltisberger melden konnte, kontaktierte ihn dieser und fragte Meier, ob er Lust habe, in einer Band mitzuspielen. Ein lustiger Zufall, der alle Anwesenden zum Lachen bringt. Zur Probe für das Konzert im Kulturwerk geht es für die Musiker nach Rapperswil. «Früher trafen wir uns im Keller neben einem Strip-Club. Heute fahren wir zum Bassisten nach Rapperswil», erinnert sich der Gitarrist aus Wohlen. «Wir sind ready», meint er, «obwohl einige Songs noch harzen.»
Etwas eingerostet
Besonders Schlagzeuger Johannes Stäger hat ein wenig zu kämpfen. Er hat seit damals keine Stöcke mehr in der Hand gehalten. «Er war in der ersten Probe ein wenig eingerostet», meint Meier lachend, «mittlerweile passt es wieder.»
Bünzwasser wird helfen
Beide Bands kommen dank ihrem hohen Spielniveau mit wenigen Proben aus. Dabei helfen die alten Tonträger mit den Stücken. So kann jeder zu Hause üben und für den letzten Schliff kommt man zusammen. «Ich habe dieses Niveau vermisst», gesteht Marc Fischer. Bei den Anwesenden ist die Vorfreude gross. «Wir machen, was wir können, und sonst hilf das Bünzwasser bestimmt», meint Mathieu Fritz lachend.
Um 19 Uhr ist im Kulturwerk Bleichi Türöffnung. Tie and Tuxedo eröffnen das Konzert um 20.30 Uhr und nach einem kurzen Umbau betritt um 22 Uhr Dirty Venus die Bühne.
Infos und Tickets: www.eventfrog.ch und www.kulturwerkbleichi.ch.


