Beizenfasnacht ist gerettet
18.02.2022 FasnachtAnfang Januar sagte das OK Wohler Fasnacht alle Anlässe ab. Schon damals allerdings in der Hoffnung, dass zumindest die Beizenfasnacht stattfinden kann. Die Entwicklung der letzten Woche macht es nun möglich. Sowohl am Schmutzigen Donnerstag wie auch an der Uslumpete sind in Wohlen die ...
Anfang Januar sagte das OK Wohler Fasnacht alle Anlässe ab. Schon damals allerdings in der Hoffnung, dass zumindest die Beizenfasnacht stattfinden kann. Die Entwicklung der letzten Woche macht es nun möglich. Sowohl am Schmutzigen Donnerstag wie auch an der Uslumpete sind in Wohlen die Schnitzelbänkler mit ihren Sprüchen unterwegs. --chh
Wenigstens ein wenig Fasnacht
Am Schmutzigen Donnerstag sind die Schnitzelbänkler unterwegs
Sie sind nicht zu beneiden, die Organisatoren der Wohler Fasnacht. Noch im Oktober waren sie überzeugt, dass sie die Anlässe durchführen können. Im Januar erfolgte die Absage aller Events. Und nun ist die Situation wieder anders.
Chregi Hansen
«Es ist zum Davonlaufen», bringt Angie Simoniello ihre Gefühlslage auf den Punkt. Die Präsidentin des OK Wohler Fasnacht durchläuft derzeit ein Wechselbad der Gefühle. Lange haben die Wohler Fasnachtsvereine gehofft, gezittert und gebangt. Immer wieder die gerade aktuellen Regeln studiert. Bis sie Mitte Januar zum Entschluss kamen, dass es keinen Sinn mache. Dass die Fasnacht auch dieses Jahr Corona zum Opfer fällt.
Und nun das: Nach dem Wegfall fast aller Massnahmen wäre eine Fasnacht im mehr oder weniger gewohnten Rahmen wieder möglich. Für die Wohler Organisatoren kommt der Entscheid aber zu spät. «Die Verschärfungen per 20. Dezember liessen keine andere Entscheidung im Sinne aller zu – und irgendwann musste man sich einfach entscheiden», schaut die Präsidentin zurück. Dass die Lockerungen jetzt so schnell erfolgen, das konnte niemand erwarten. «Es ist, wie es ist», sagt darum Simoniello.
Die Beizen machen mit
Immerhin: Schon im Januar gab es die kleine Hoffnung, dass zumindest die Beizenfasnacht stattfinden kann – schliesslich waren die Restaurants ja offen. Inzwischen ist es offiziell: Die Schnitzelbänkler wie auch die Guggenmusik Nordfäger sind am Schmudo (24. Februar) sowie an der Uslumpete (1. März) im Dorf unterwegs. Auftreten werden sie im «Gotthard», im «Bären», im «Rössli» und im «Sternen». Zudem werden die Kammersänger am Schmutzigen Donnerstag auch einen Abstecher in die «Frohe Aussicht» machen.
Die Vorfreude bei den Schnitzelbänklern ist gross. Unterwegs sind neben den Kammersängern auch das Triangeli und Dä Pajass. Zu einer Pause haben sich hingegen die drei neueren Schnitzelbankgruppen aus den verschiedenen Schulhäusern entschlossen: die Hanagge vom Schulhaus Bünzmatt, die Q-Gruppe aus der Bez und die Kindergarten-Frauen namens Pischu. «Wir haben keine Verse geschrieben, da wir uns nach Absprache mit den anderen schon Mitte Dezember dagegen entschieden haben. Nun ist alles zeitlich sehr knapp», erklären die Lehrer Dennis Andermatt, Andreas Hochstrasser und Sonja Rickenbacher. «Wir werden im Jahr 2023 wieder Gas geben», kündigt Andermatt aber an.
Anfänger und Routiniers
Auf seine erste richtige Beizenfasnacht freut sich hingegen Dä Pajass alias Franz Wille. Er hatte vor zwei Jahren den Wettbewerb um den besten Sternen-Vers gewonnen und sich danach entschlossen, richtig loszulegen. Er konnte dann aber letztes Jahr seine Verse nur in dieser Zeitung präsentieren. «Ich bin darum in Sachen Schnitzelbank noch ein blutiger Anfänger», sagt er von sich selber. Die Umstände erlauben es aber, dass wenigstens ein minimales Programm der Wohler Beizenfasnacht zustande kommt, so, wie er es sich erhofft hat.
Themen hat er genug. «Die Sujets für Verse liefern unfreiwillig andere Menschen, und die Verse fliegen mir im Laufe des Jahres zu. Aus den ersten Versnotizen folgte dann nach Weihnachten die mehrfache Überarbeitung und die Auswahl der Verse», berichtet er. Beim Verseschmieden könne er seine Freude an Wortspielen und Reimen ungehemmt ausleben. Jetzt ist Wille gespannt, wie sein Auftritt beim Publikum ankommt.
Ein alter Hase ist das Triangeli alias Urs Senn. Er hat lange gezweifelt, ob es sich überhaupt lohnt, in die Tasten zu greifen. «Ich habe den Verantwortlichen gesagt, dass ich dabei bin, wenn es die Situation zulässt; dass ich mir aber auch erlaube, kurzfristig abzusagen», erzählt er. Nun aber sei es möglich, einige Beizen zu besuchen. «Ich bin am Schreiben und Verwerfen und Korrigieren und Löschen und so weiter», berichtet er. Und auch seine Triangel wird sicher noch neu gestimmt.
Gross ist die Freude über die Entwicklung bei den Kammersängern, die gestern Abend ihre Hauptprobe hatten – wie gewohnt vor ihren Frauen. «Weil die Lage lange sehr ungewiss war und immer noch nicht ganz klar ist, was man darf und was nicht, fällt unsere Bank etwas kürzer aus als sonst, aber sicher nicht weniger präzis», erklärt Ruedi Donat. Die Gruppe wird an beiden Abenden unterwegs sein und absolviert zudem auch Auftritte in der Casa Güpf und im Bifang. «Die Vorfreude von uns Kammersängern ist riesig gross», sagt Donat.
Im Zentrum wird wohl einiges los sein
Das OK Wohler Fasnacht freut sich ebenfalls, dass nun wenigstens im kleinen Rahmen etwas möglich ist. Und die Schnitzelbänkler und die Nordfäger sollen dabei nicht ohne Unterstützung bleiben. Schon seit Dienstag wird im Zentrum fleissig dekoriert für die fünfte Jahreszeit. Am Schmutzigen Donnerstag selbst wollen dann die einzelnen Gruppen präsent sein. «Ein Spaziergang durch Wohlen wird sich sicher lohnen, es werden einige Fasnächtler unterwegs sein, und es wurde spontan gebaut und dekoriert, was das Zeug hielt. Alles völlig unkoordiniert, aber immer mit dem Ziel, in diesem Jahr etwas fasnächtliche Stimmung zu verbreiten», kündigt Simoniello an.
Für Feierwütige
Fasnacht gibt es im Übrigen auch in der Zanzibar. Hier laden am Schmudo die Häxe zum Häxetrunk auf die Terrasse. Auch am Fasnachtssamstag gibt es Food, Drinks und Musik auf der Terrasse, bevor danach der Kammerabend mit einem Apéro riche über die Bühne geht. Auch im «Gotthard» steht ein Fasnachtsevent an, hier sind die Narren am 25. Februar zum Gotthard-Ball geladen. Bereits vorüber ist die Fasnacht in der Flora-Bar, wo letzten Samstag drei Guggen und drei DJs für Stimmung sorgten. Der Andrang war so gross, dass die Gäste teilweise draussen warten mussten, bis es drinnen wieder Platz gab.
Die Fasnachtsliebhaber kommen dieses Jahr also doch noch ein wenig zum Zug, auch wenn alle Bälle und auch der Umzug abgesagt sind. Und geplant ist für Mai bekanntlich ein grosses Fasnachtsfest auf dem Merkur-Areal mit allen Wohler Fasnachtsvereinen. Langweilig wird es also nicht.




