Martin Rüfenacht, Jurist und Krimiautor, Aristau.
Heller die Lichter nie blinken …
Was haben Sie am 11. August 1999 gemacht? Sie wissen es nicht mehr? Ich helfe Ihnen: Die Wahrscheinlichkeit ist ...
Martin Rüfenacht, Jurist und Krimiautor, Aristau.
Heller die Lichter nie blinken …
Was haben Sie am 11. August 1999 gemacht? Sie wissen es nicht mehr? Ich helfe Ihnen: Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Sie an diesem Tag kurz nach 11 Uhr vormittags mit einer speziell verdunkelten Brille gen Himmel schauten, um sich die partielle Sonnenfinsternis über der Schweiz anzusehen.
Die nächste totale Sonnenfinsternis, die von hier aus sichtbar sein wird, ist erst am 3. September 2081. Wenn Sie viel Glück haben, sehr gesund leben und auch noch das Wetter mitspielt, können Sie dem Naturspektakel dann vielleicht beiwohnen. Es besteht aber die Möglichkeit, dass Sie die Brille schon vorher aus dem Schrank holen müssen.
Ich suchte meine Spezialbrille letzthin vergebens. In den vergangenen gut 20 Jahren musste sie irgendwo verschollen oder einem Umzug zum Opfer gefallen sein. Dabei hätte ich sie dieser Tage gleich mehrfach gebraucht. Nicht, um den verdunkelten Stern unseres Sonnensystems zu beobachten, sondern um meine Augen vor LED-gewordenen Grausamkeiten zu schützen. Es blinkt und leuchtet in allen Formen und Farben von den Hausdächern und Geländern. Die Besinnlichkeit ist vielerorts dem Ansporn gewichen, den Nachbarn zu übertrumpfen. Da glitzern Rentiere, Nikoläuse, Rehe, Hirsche und allerlei Getier um die Wette. Sogar leuchtende Eisbären habe ich gesehen. Was das mit Weihnachten zu tun hat, erschliesst sich mir eher weniger. Die Weihnachtszeit ist definitiv zu einem globalen Kommerzfaktor geworden. Manchmal frage ich mich, was wohl die Fabrikarbeiter im fernen China denken, wenn sie bereits im Frühling bei 30 Grad Aussentemperatur LED-Schneesterne für den europäischen Markt einpacken müssen. Bei Lichte (sic!) betrachtet, geht es ja auch bei der Weihnachtsbeleuchtung ums Geld. Man stellt sich einen Leucht-Schneemann vors Haus, weil er verfüg- und zahlbar ist. Vielleicht gilt auch hier: weniger ist (wieder) mehr.
Aber die Schnäppchenjäger unter Ihnen dürfen sich freuen: Heute ist Black Friday. Warum dieser «Feiertag» so heisst, ist übrigens nicht ganz klar. Nehmen wir ihn doch zum Anlass, aus dem vielen Grell wieder ein bisschen mehr Black zu machen und das eine oder andere farbige Geblinke erst nächstes Jahr wieder aus dem Keller zu holen, oder vielleicht sogar erst im September 2081.