«FC Wohlen ist das beste Team»
08.04.2022 SportFussball, 1. Liga classic: FC Solothurn – FC Wohlen (Samstag, 16 Uhr) – Solothurn-Sportchef Bidu Zaugg vor dem Duell
Er ist eine Koryphäe im Schweizer Fussball: Hans-Peter «Bidu» Zaugg. Zwischen 1990 und 2000 war er Assistenztrainer der Schweizer ...
Fussball, 1. Liga classic: FC Solothurn – FC Wohlen (Samstag, 16 Uhr) – Solothurn-Sportchef Bidu Zaugg vor dem Duell
Er ist eine Koryphäe im Schweizer Fussball: Hans-Peter «Bidu» Zaugg. Zwischen 1990 und 2000 war er Assistenztrainer der Schweizer Nati. Heute ist der 69-Jährige Sportchef beim FC Solothurn. Vor dem Duell gegen den FC Wohlen spricht er über die starke Form der Solothurner und wieso der FC Wohlen der Favorit ist.
Stefan Sprenger
Der Berner Dialekt ist sympathisch. Seine Worte geradlinig, ehrlich und demütig. Auf die Frage, was der FC Solothurn im Heimspiel gegen den FC Wohlen erreichen will, antwortet Sportchef Hans-Peter «Bidu» Zaugg ausführlich und mit grossem Fussballverständnis: «Laufen. Viel laufen. Wenn wir gegen den FC Wohlen etwas holen wollen, dann braucht es einen Riesenaufwand. Die Wohler sind spielerisch top, sehr erfahren, haben viel Ballbesitz und sind gut organisiert. Das wird schwierig.»
Highlight an WM 1994 und EM 1996
«Bidu» Zaugg ist ein Typ, der dem Schweizer Fussball guttut und erfrischend ist. Und das schon lange. In den 70er- und 80er-Jahren war er Mittelfeldspieler bei Xamax und dem FC Bern. Danach verdiente er sich als Trainer im Amateurbereich die Sporen ab. Zollikofen, Aarberg, Ostermundigen, Bümpliz. Bis er beim Verband landet. 1990 wird er Assistenztrainer der Schweizer Nati. Der beliebte «Chrampfer» rackerte im Hintergrund. Stets loyal, egal, wer der Trainer war. Er erlebte die Hoch-Zeiten mit Roy Hodgson an der WM 1994 und EM 1996. Dazu durchlebte er auch die eher schwierigen Zeiten mit Artur Jorge. Auch unter Rolf Fringer und Gilbert Gress war er der Co-Trainer. Und im Jahr 2000 war er selbst kurze Zeit Interimstrainer der Nati.
Sein Palmares ist lang. In den letzten 20 Jahren wurde er Meister mit GC, stieg mit dem FC Luzern in die Challenge League ab, arbeitete bei den Young Boys, wurde Sportchef von Xamax, war sechs Jahre Trainer des liechtensteinischen Nationalteams, trainierte den FC Biel und den FC Solothurn – und wurde dort 2017 Sportchef. «Der Verein und die Leute hier passen mir bestens», sagt er. Nochmals ein Amt als Cheftrainer anzunehmen, ist für ihn eher unwahrscheinlich: «Das müsste dann schon ein sehr lukratives Angebot sein», meint er.
Als Sportchef hat er bei den Solothurnern unter anderem die Aufgabe, viele junge Eigengewächse ins Team zu integrieren. «In anderen Vereinen in unserer Gegend kriegen die Spieler mehr Geld als beim FC Solothurn. Aber unsere Philosophie bleibt bestehen.» Nämlich: Ein Team aus vorzugsweise einheimischen Kickern, die mit Leidenschaft dabei sind und bei einem sympathischen Club spielen wollen. In den vergangenen Jahren war diese Philosophie einigermassen erfolgreich. Solothurn kommt dreimal in die Aufstiegsspiele zur 1. Liga Promotion. Doch scheitert jedes Mal. «Wir haben weiterhin Ambitionen auf den Aufstieg in die 1. Liga Promotion», sagt Zaugg. In der nächsten Saison soll «voll angegriffen» werden.
«Der Sieg in Wohlen war nicht ganz verdient»
Und in dieser Spielzeit? Die Vorrunde lief durchzogen. Solothurn tendierte sogar Richtung Abstiegskampf. Ein Highlight war der 0:1-Auswärtssieg beim Favoriten FC Wohlen. «Da mussten wir die ersten 40 Minuten heftig untendurch. In der etwas ausgeglicheneren zweiten Halbzeit gelingt uns der Lucky Punch zum Sieg.» Auch er gibt mit einem Lächeln zu: «Dieser Sieg in Wohlen war sicherlich nicht ganz verdient.»
In der Rückrunde läuft der Solothurn-Motor einiges besser. Nach dem Trainerwechsel auf Thomas Binggeli scheint ein Schalter umgelegt worden zu sein in der jungen Mannschaft. Im neuen Jahr gab es drei Siege gegen Luzern II (3:1), Delémont (2:1 und Münsingen (1:0) – und dazu ein 1:1 gegen Bassecourt. Auch konnten sich die Solothurner durch einen 5:3-Erfolg im Penaltyschiessen gegen Münsingen zum dritten Mal in Folge für den Schweizer Cup qualifizieren. «Ja, wir sind gut in die Rückrunde gestartet», meint Zaugg. Falls man gegen Wohlen etwas holt und wenige Tage später (am Gründonnerstag) gegen Köniz auch Punkte sammelt, dann könnte aus dem einstigen Abstiegskandidaten Solothurn plötzlich ein Team werden, das vorne mitspielt. Denn der Abstand auf Bassecourt (3. Rang) beträgt nur sechs Punkte. «Wer weiss, vielleicht dürfen wir in dieser Saison noch anfangen zu träumen.»
«Werden uns nicht verstecken»
Auch wenn Solothurn momentan einen starken Lauf hat, so bleibt Leader Wohlen der Favorit. «Natürlich. Der FC Wohlen hat das beste Team in dieser 1.-Liga-Gruppe», sagt Zaugg. Neben GC II und Delémont sei der FC Wohlen der heisseste Kandidat für den Platz ganz oben in der Tabelle. Vor dem neuerlichen Duell seines FC Solothurn gegen den Tabellenführer aus dem Freiamt sagt der erfahrene Fussballkenner: «Nach diesem Spiel werden wir wissen, wo wir stehen. Wir spielen zu Hause. Wir werden nicht hinten anstehen. Wir werden uns nicht verstecken. Das Team hat viel Selbstvertrauen, spielt viel befreiter als noch in der Vorrunde. Aber eben: Gegen den FC Wohlen wird es eine Topleistung benötigen, um etwas zu holen.»
«Unberechenbarer Gegner»
Am letzten Wochenende blieb der FC Wohlen ohne Spiel. Aufgrund der Schneefälle wurde die Partie gegen Köniz verschoben. Das Spiel wird am Mittwoch, 20. April, um 20 Uhr auf den Niedermatten nachgeholt.
Nun müssen die Wohler auswärts beim FC Solothurn ran. Nach wie vor fehlen die verletzten Spieler Thomas Schiavano, Justin Pfister und Ronny Minkwitz. Torskorer Luiyi Lugo hat sich nach seinem viralen Infekt wieder erholt und konnte wieder ins Training einsteigen. Die Wohler hoffen, dass er mindestens zu einem Teileinsatz kommt. Der Ukrainer Anatolyi Kozlenko wird nach der Flucht aus seiner Heimat wieder im Aufgebot stehen.
Der FC Solothurn ist gemäss FCW-Sportchef Alessio Passerini ein «unberechenbarer Gegner». Nach dem Trainerwechsel auf Thomas Binggeli sind die Solothurner «sehr solide aufgetreten in den letzten Spielen. Das wird nicht einfach», so Passerini. Ähnlich sieht das auch FCW-Trainer Ryszard Komornicki. «Der FC Solothurn ist ein sehr unangenehmer Gegner. Sie sind defensiv noch stabiler geworden und haben viel Qualität. Ihre Konter sind immer gefährlich», so «Koko». Er hofft, dass sein Team schnell in den Spielrhythmus findet. «Wir müssen geduldig und solidarisch in der Defensive sein.» Auch er weiss: «Ein, zwei Tore schiessen wir immer.» --spr

