Von Aufschwungsstimmung und Erfolgen
27.07.2021 MutschellenSommerserie «Grosse Kisten»: Die Mutscheller Gewerbeausstellung «Mega 94» vom 14. bis 17. April 1994
Die «Mega 94» war eine Gewerbeausstellung der Extraklasse. Vier Tage lang warteten die Organisatoren mit Attraktionen und prominenten ...
Sommerserie «Grosse Kisten»: Die Mutscheller Gewerbeausstellung «Mega 94» vom 14. bis 17. April 1994
Die «Mega 94» war eine Gewerbeausstellung der Extraklasse. Vier Tage lang warteten die Organisatoren mit Attraktionen und prominenten Gästen auf. Einer davon war der Schweizer Astronaut Claude Nicollier, der als Götti des Musicals «Space Dream», heute das erfolgreichste Schweizer Musical, die Uraufführung im Berikerhus besuchte.
Celeste Blanc
Es hat defi nitiv viele Highlights an der «Mega 94» gegeben. Kleinere, wie den Streichelzoo. Grössere, wie den Gleitschirm-Passagierfl ug mit dem damaligen Weltrekordhalter Urs Haari oder die Kunstauktion in der «Zermatt-Stube». Einmalige, wie die Uraufführung des erfolgreichsten Schweizer Musicals aller Zeiten, «Space Dream».
Und aussergewöhnliche, wie es sicher der Wagen von Radio Argovia war, der auf dem Festgelände stand. Vier Tage lang sendeten die Radio-Moderatoren live von der Gewerbeausstellung und berichteten im ganzen Kanton über das «Happening auf dem Mutschellen», wie es OK-Mitglied Harry Schärer 27 Jahre später nennt. «Es war ein imposantes Fest und das Festgelände war jeden Tag gestossen voll», stimmt der damalige OK-Präsident Werner Grimm zu.
Für die Besucherinnen und Besucher spielte Radio Argovia Wunschkonzerte ab Platz. «Bis zu 200 Personen standen dann jeweils vor dem Wagen, hatten ihren Liederwunsch auf einen Zettel geschrieben und streckten diesen dem DJ entgegen», schmunzelt Grimm. «So war es damals, als es noch keine Handys gab und der Liederwunsch nicht per SMS geschickt wurde.»
Aufschwungsstimmung beflügelte
Auf insgesamt 17 000 Quadratmetern präsentierten sich 160 Gewerbler mit Angeboten und Aktionen. Dicht gedrängt schlängelten sich die Besucherinnen und Besucher von Donnerstag bis Sonntag von Stand zu Stand, von einem Beizli zum nächsten, von einer Attraktion zur anderen. Zwischen 10 000 und 15 000 Leute waren es schätzungsweise pro Tag. Einen beachtlichen Teil davon transportierte die Bremgarten-Dietikon-Bahn gratis auf den Mutschellen. «Im Nachhinein betrachtet ein einmaliges Fest», sagt Felix Walter, damaliger Präsident des Gewerbevereins Region Mutschellen (GVM).
Dass die Mega 94 ein so grosser Erfolg war, machen die drei Herren heute an verschiedenen Faktoren aus. Einer sei sicher gewesen, dass sich die Wirtschaftslage nach dem extremen Anstieg des Hypothekarzinses Ende der 1980er-Jahre Anfang 1990 wieder besserte.
«Nach dieser Rezession schwebte allgemein das Gefühl in der Luft, dass es auf zu neuen Ufern gehe», erzählt Felix Walter, «und dieses Aufschwungsgefühl beflügelte auch das OK, etwas Grosses auf die Beine zu stellen.»
Noch grösser, noch exklusiver
Wenn Werner Grimm, Felix Walter und Harry Schärer, der das Ressort Attraktionen unter sich hatte, gemeinsam zurückblicken, huscht bei jedem ein Lachen übers Gesicht. «Weisch no?», «Wie isch das genau gsi?» oder «Magsch di no erinnere?» – dass damals die Zusammenarbeit im OK reibungslos und eingespielt verlief, merkt man den drei Herren knapp drei Jahrzehnte später noch an. «Wir waren jung, hoch motiviert und hatten Tatendrang», lachen sie.
Anderthalb Jahre dauerte die Planung. Man wollte dem Verein gerecht werden, schliesslich war der Gewerbeverein Mutschellen mit 220 Mitgliedern einer der grössten im Kanton. Jeder im OK hatte die Ambition, die vorangehenden Ausstellungen, seien es die eigenen oder die der anderen Gewerbevereine, zu toppen. «Wir sahen uns im Zugzwang», erzählt Felix Walter und Harry Schärer ergänzt lachend: «Wir träumten gross. Und da alles so reibungslos ineinanderspielte, beflügelte uns das, noch grösser, noch exklusiver zu organisieren. Für unsere Planung wurden wir von vielen als Spinner abgestempelt.»
Nebst diversen Attraktionen wartete man auch mit viel Prominenz auf, unter anderem mit der TV-Moderatorin und Sängerin Sandra Studer, dem damaligen Regierungsrat Ulrich Sigrist und dem Schweizer Astronauten Claude Nicollier, der als Götti des Musicals «Space Dream» die Uraufführung besuchte.
Anfang einer Erfolgsgeschichte
Auch die Uraufführung von «Space Dream», das damals das Aushängeschild der Gewerbeausstellung war, machte die «Mega 94» einmalig. Dass damit in Berikon eine Erfolgsgeschichte beginnen würde, hätten die Herren – insbesondere Schärer – niemals für möglich gehalten. Die Idee einer Musical-Aufführung entstand im Zuge der Abendplanung. Da es bereits an den ersten Gewerbeausstellungen spezielle Abendprogramme im Berikerhus gegeben hatte, sollte es 1994 nicht anders sein.
«Damals war ‹Cats› in die Schweiz gekommen und das ganze Land war im Musical-Fieber», erzählt Harry Schärer, der heute als (Musical-)Komponist bekannt ist. Ursprünglich sollte dieses mit den Schulklassen von Berikon inszeniert werden, doch die Lehrer lehnten ab. «Da bin ich auf die Welt gekommen. Mit wem sollte ich denn nun das Musical umsetzen?», lacht er.
In Zusammenarbeit mit dem «Bremgarter Bezirks-Anzeiger» rief Schärer zu einer Interessentenveranstaltung im Musiksaal vom Schulhaus Falter in Oberwil-Lieli auf. Die Begeisterung dafür war riesig: Über 200 Leute sind erschienen und schrieben sich in den neuen, extra für diesen Zweck gegründeten Musicalverein Mutschellen ein. Auch das Interesse an der Aufführung war gross. Im Vorverkauf wurden 7000 Tickets verkauft und die Aufführungen mussten von drei auf neun Abende ausgeweitet werden.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Ob die Mega 94 heute nochmals genauso erfolgreich verlaufen würde, bezweifeln Grimm, Walter und Schärer. Alle drei sind sich einig: «Das würde uns so nicht nochmals gelingen.»
Der Groove des Gewerbe- und Musicalvereins sowie die Stimmung der damaligen Zeit passten wie die Faust aufs Auge. «Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort», meint Werner Grimm im Nachhinein.
Und wie bei jedem guten Fest ging die Geselligkeit noch bis weit in die Nacht hinein. «Um 4 Uhr wollten viele noch immer nicht nach Hause», schmunzelt Walter. Der «Wohler Anzeiger» wie auch der «Bremgarter Bezirks-Anzeiger» sollten also recht behalten, als sie nach der Mega 94 festhielten, dass es sich um ein Fest handle, das man so schnell nicht mehr vergisst. Auch 27 Jahre später nicht.
Nach Monaten, in denen es kaum Anlässe gab und Abstandhalten das Mass aller Dinge ist, erinnern sich viele gerne zurück an die Zeiten, in denen man unbekümmert feiern konnte. Die Redaktion tut dies im Rahmen der Sommerserie «Grosse Kisten».
Zurück auf der Bühne
Die Weltraumsaga «Space Dream» erfährt zum 25-Jahr-Jubiläum ein Revival in der Maag-Halle in Zürich. Das komplett neu inszenierte Musical kommt nächstes Jahr vom 10. März 2022 bis 15. Mai 2022 in Schweizerdeutsch zurück auf die grosse Bühne.
Mehr Informationen zu den Aufführungen und Tickets unter www. spacedream.ch.





