Der FCW feuert Thomas Jent
16.07.2021 SportZwei Stunden und mit einem Kleinlaster hat Thomas Jent gestern seine Sachen aus den Niedermatten geräumt. Co-Trainer Rade Petkovic übernimmt ad interim das Team. Die Entlassung des FC-Wohlen-Trainers hinterlässt aus verschiedenen Gründen einen faden Beigeschmack. Jent ...
Zwei Stunden und mit einem Kleinlaster hat Thomas Jent gestern seine Sachen aus den Niedermatten geräumt. Co-Trainer Rade Petkovic übernimmt ad interim das Team. Die Entlassung des FC-Wohlen-Trainers hinterlässt aus verschiedenen Gründen einen faden Beigeschmack. Jent attackiert frontal den FCW-Sportchef Alessio Passerini. --spr
Unrühmliche Entlassung
Der FC Wohlen wirft Trainer Thomas Jent raus
Für die Spieler überraschend, für den Trainer enttäuschend. Am Mittwochabend trennt sich der FC Wohlen von Thomas Jent. Weder Sportchef noch VR-Präsident sind bei der Entlassung dabei. «Sie hatten dafür wohl keine Eier», meint Jent.
Stefan Sprenger
Sportlich kann er den Entscheid nachvollziehen. «Menschlich ist es aber nur enttäuschend», sagt FCW-Trainer Thomas Jent. Der Mann aus Seon ist ein Typ, der nicht gerne nachtritt und den man getrost als Gentleman bezeichnen kann. Aber nach dieser unrühmlichen und kuriosen Entlassung muss auch er Tacheles reden.
Der sportliche Aspekt
Zuerst zum sportlichen Aspekt: Nach dem Re-Start zeigt die Mannschaft keine guten Leistungen. Bei der 0:2-Pleite gegen Langenthal drehen einigen Spielern die Sicherungen durch. Zwei Spieler fliegen vom Platz. Adijan Keranovic muss wenig später gar das Team verlassen. Die Stimmung ist im Loch. Gegen Delémont gibt es wieder eins auf den Deckel (3:4). Auf den vermeintlich versöhnlichen Abschluss (4:0-Erfolg) gegen Muttenz folgt das enttäuschende Aus in der Qualifikation gegen La Chauxde-Fonds im Schweizer Cup. Die Frage tritt auf, ob Jent der Richtige ist, um diese Mannschaft auf die richtige Bahn (Richtung Aufstiegsspiele) zu führen.
Adrian Büchler, Verwaltungsratsmitglied des FC Wohlen, spricht stellvertretend für André Richner, der im Ausland weilt. Büchler sagt zur Entlassung: «Wir haben nicht mehr daran geglaubt, dass er nächste Saison das Ruder herumreissen kann. Das Bauchgefühl stimmte nicht. Menschlich ist Thomas Jent top. Als Trainer wurde die Aufgabe immer schwieriger.»
Sportchef Alessio Passerini meint: «Wir haben diesen Frühling mit Thomas Jent verlängert. Wir waren überzeugt, dass er der richtige Mann ist. Doch mit der Entwicklung sind wir nicht einverstanden. Wir haben eine Analyse gemacht und den Entscheid gefällt, ihn per sofort freizustellen.» Thomas Jent kann die Entlassung sogar ein Stück weit nachvollziehen. «Es war für mich nicht ganz überraschend. Es hat sich abgezeichnet. Ich persönlich bin aber nach wie vor der Überzeugung, dass wir in der nächsten Spielzeit gemeinsam den Erfolg erreicht hätten. Auch das Team war dieser Ansicht.» Jent konnte wegen Corona nicht eine ganze Saison durchspielen, und trotzdem versteht er den Entscheid. «So ist Fussball manchmal», meint er.
Der menschliche Aspekt (mit heiklen Themen)
Zum menschlichen Aspekt. Und da werden heikle Themen aufgewühlt. Am Mittwochabend wird Jent entlassen, knapp zwei Wochen nach dem letzten Spiel im La Chaux-de-Fonds. Verwaltungsratspräsident A ndré Richner weilt in den Ferien, Sportchef Alessio Passerini ist arbeitsbedingt verhindert. Die Verwaltungsratsmitglieder Adrian Büchler und Kurt Braunschweiler übernehmen den schwierigen Teil und reden mit Jent. «Es ging nicht anders», sagt Sportchef Passerini. Jent sagt: «Sie hatten wohl keine Eier, um mich zu entlassen.» Verwaltungsratspräsident André Richner meldet sich aus den Ferien und wehrt sich: «Wir mussten es diese Woche erledigen. Und das macht man nicht per Telefon. Adrian Büchler und Kurt Braunschweiler sind im Verwaltungsrat, daher bleibt es ‹Chefsache›. Der FC ist kei ne Einzelmaske, sondern ein Team. Wäre ich hier gewesen, hätte ich es durchgezogen. Es war eine gemein same Entscheidung nach vielen Gesprächen.»
Jent kritisiert einerseits den Zeitpunkt der Entlassung – und besonders Sportchef Passerini. Es habe in der Vergangenheit einige Vorfälle gegeben, die Jent als «komisch und kurios» aufgefasst hat. «Passerini versuchte einen Keil zwischen mich und die Mannschaft zu drücken», so Jent. Nach dem 0:2 in Langenthal gab Sportchef Passerini (gemäss Jent) seinen Rücktritt. «Ich habe ihn dann besänftigt», so Jent. Der FCW wollte neben Keranovic noch einen weiteren Spieler aus dem Team werfen. Doch die Mannschaft hielt zusammen und verhinderte mit ihrer Solidarität weitere Rauswürfe. «Auch das passte Passerini nicht. Er konnte nicht akzeptieren, dass mich die Spieler mögen und er lediglich akzeptiert wird», so Jent. Es habe «Machtspielchen gegeben», auf die er keine Lust habe.
Balaj: «Nicht damit gerechnet»
Passerini will zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Er sagt: «Ich kann die Enttäuschung von Thomas Jent verstehen. Ich möchte mich nicht weiter zu den Vorwürfen äussern. Es geht hier um das Wohl des FC Wohlen», so der Sportchef. Gemäss Jent geht es aber nicht um den Verein oder das Team, sondern «Passerini ist ein Selbstdarsteller». Man habe dem Team immensen Druck auferlegt und so den Spass und die Freude genommen. «Nach einer Niederlage wurde alles in Frage gestellt, und so gab es viel Unruhe», erklärt Jent. «Dabei sollte man doch in der Niederlage erst recht zusammenstehen.»
Die Mannschaft hat den Entscheid mit grosser Überraschung und Enttäuschung aufgefasst. Spieler Esat Balaj sagt: «Wir haben nicht damit gerechnet. Wir hatten es super mit Trainer Thomas Jent. Aber so ist der Fussball, den Entscheid müssen wir Spieler akzeptieren.»
Kommt jetzt Komornicki oder van Eck?
Bei Jent haben sich viele Spieler gemeldet und ihren Unmut über den Entscheid kundgetan. «Das zeigt doch, dass ich akzeptiert war und wir weiterhin als geschlossene Einheit unsere Ziele im Blick hatten.»
Adrian Büchler und Alessio Passerini wünschen Thomas Jent das Beste für die Zukunft. So auch Jent dem FC Wohlen. Gestern Donnerstag räumte er mit einem Kleinlaster zwei Stunden lang seine Sachen aus den Niedermatten aus. Jent sagt: «Ich hoffe, sie machen das Beste aus dieser Situation und die Mannschaft zeigt nächste Saison ihr wahres Können. Allerdings sollte der Verein in Sachen Kommunikation nochmals über die Bücher.»
Übrigens: Im Gespräch für die Nachfolge von Thomas Jent werden Ryszard Komornicki und René van Eck gehandelt, beide waren zu Challenge-League-Zeiten schon beim Verein tätig.



