Comeback des Concours
27.07.2021 SportSpringkonkurrenz in Wohlen trotzt allen Hindernissen – Rund 600 Personen sind dabei
Ein Jahr Pause und jetzt eine abgespeckte Version. Von all dem hat man an der Springkonkurrenz in Wohlen wenig gemerkt. Das OK wollte den Anlass in erster Linie für den Sport ...
Springkonkurrenz in Wohlen trotzt allen Hindernissen – Rund 600 Personen sind dabei
Ein Jahr Pause und jetzt eine abgespeckte Version. Von all dem hat man an der Springkonkurrenz in Wohlen wenig gemerkt. Das OK wollte den Anlass in erster Linie für den Sport durchführen. Dank zahlreichen Besuchern ging der festliche Rahmen nicht verloren.
Josip Lasic
Christoph Keller, Co-Präsident des Springkonkurrenz-OK, konnte am Wochenende keine zehn Schritte gehen, ohne gelobt zu werden. «Hut ab, dass ihr das durchgezogen habt», sagt ein Besucher zu ihm. Für Keller eine besondere Anerkennung. Der Besucher ist ein Kindheitsfreund von ihm. «An der Springkonkurrenz sieht man immer viele bekannte Gesichter. Das ist einfach wunderbar», sagt der OK-Chef erfreut. Eine Teilnehmerin erzählt, dass der Anlass in Wohlen zu ihren Lieblingsconcours gehört und sie glücklich ist, dass sie wieder vor Ort sein kann. Balsam auf Kellers Ohren.
Ob Organisatoren, Besucher oder Reiter – alle waren froh, dass die Springkonkurrenz durchgeführt wird. Der kleinere Rahmen hat kaum jemanden gestört und fiel nicht grossartig auf. Selbst als es am Sonntag anfing, in Strömen zu regnen, und der Anlass im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser zu fallen drohte, war das Festzelt voll.
Volksfest-Charakter blieb erhalten
Die Wohler Springkonkurrenz ist seit jeher eine Kombination aus sportlichem Wettkampf und einem Dorffest.
In diesem Jahr war bei den Organisatoren die Befürchtung da, dass Letzteres wegfallen würde, da der Anlass in einem reduzierten und coronakonformen Rahmen durchgeführt wurde. «In erster Linie machen wir es für den Sport», sagte OK-Co-Präsidentin Sandra Troxler vor der Springkonkurrenz.
Sie und Christoph Keller waren dennoch froh, dass viele Besucher erschienen sind. Trotz allem zählte man an beiden Tagen zusammen rund 600 Leute. Diese kamen sportlich auf ihre Kosten. Viele Freiämter zeigten sehr gute Leistungen.
Die Springkonkurrenz-Familie
Die Springkonkurrenz Wohlen feierte ihr Comeback – unter anderem zur grossen Freude der Familie Schädeli
Für Markus und Hansruedi Schädeli war die Springkonkurrenz Wohlen ein Heimspiel. Die beiden sind seit Jahren Mitglieder des Kavallerievereins Bünztal. Für sie ist es eine grosse Freude, dass der Anlass wieder stattgefunden hat. Ihre Familie ist stark mit dem Concours verbunden.
Josip Lasic
«Habt ihr das gehört?», fragt Markus Schädeli. «Sie haben gerade meinem Sohn zum Geburtstag gratuliert.» Vor 23 Jahren, genau an der Springkonkurrenz, kam Tobias Schädeli zur Welt. Obwohl der Sohn des ältesten Schädeli-Bruders kein Pferdesportler ist, sondern Unihockey spielt, hilft er an der Springkonkurrenz mit. Kein Wunder, wenn er während der Ausgabe 1998 zur Welt gekommen ist.
Mehr müsste man eigentlich über die Verbundenheit der Schädelis zum Concours nicht sagen. Aber es gibt noch viel zu erzählen. Markus Schädeli, 55 Jahre alt, führt den Harzrütihof in Wohlen. Er und sein drei Jahre jüngerer Bruder sind am Sonntag an der Springkonkurrenz angetreten.
Die Ergebnisse: «Nicht so gut, würde ich mal sagen», erklärt Hansruedi Schädeli lachend. In der 11. Prüfung erwischt sein Pferd eine Stange. Das seines Bruders zwei. Rang 22 und 27 für die Schädeli-Brüder. In der 12. Prüfung sind es drei Stangen und Rang 23 für Hansruedi Schädeli. Sein Bruder startet nicht mehr. «In der Woche vor der Springkonkurrenz haben wir meist andere Sorgen als das Pferd. Bei mir auf dem Hof war viel los», begründet er den Verzicht auf die zweite Prüfung. «Und wenn wir sonst nichts los haben, sind wir beim Aufbau und bei der Organisation dabei. Dementsprechend fällt die Vorbereitung immer etwas kurz aus. Die besten Ergebnisse bringen wir meistens nicht am Heimevent.»
In die Hufstapfen des Vaters getreten
Darum geht es den beiden allerdings auch nicht. «Es ist schön, vor heimischer Kulisse zu reiten», sagt Hansruedi Schädeli. «Da kommen auch einige Kollegen vorbei und sehen zu.» Sein Bruder ergänzt: «Es ist ein Vereinsanlass, wo man viele Menschen trifft.»
Umso wichtiger war es für die Brüder, dass der Anlass wieder stattfindet. Ihr Vater, Ueli Schädeli, ist schon ein Urgestein im Kavallerieverein Bünztal. Er hat den Harzrütihof vor Markus geführt. «1966, als ich auf die Welt kam, fand die erste Ausgabe der Springkonkurrenz statt. Sobald wir gehen konnten, kamen wir mit an die Konkurrenz. Später sind wir dem Verein beigetreten und mitgeritten», so Markus.
Wie ihr Vater übernahmen beide später auch den Posten des Vereinspräsidenten. Der Kavallerieverein Bünztal und die Springkonkurrenz gehören zum Leben der Schädelis. Obwohl ihre beiden jüngeren Brüder keine Reitsportler sind, waren sie auch immer wieder unter den Helfern zu finden. Genauso wie die Frauen und Kinder von Markus und Hansruedi. «Auch unser Vater war immer dabei», sagt Markus. «Diesen Juni ist er aber 80 Jahre alt geworden. Er ist mit unserer Mutter an einer Flussfahrt in Deutschland.» Hansruedi: «Es stinkt ihm ein bisschen, dass er die diesjährige Ausgabe verpasst. Ich glaube, dass das eine Premiere ist. Sonst war er immer vor Ort.»
Der richtige Entscheid
Für die Brüder war es eine richtige Entscheidung, den Event durchzuführen. «In Wohlen und Umgebung ist es nach wie vor ein Volksfest, wo auch ‹Nichtrösseler› gern reinschauen», erklärt Hansruedi Schädeli und Markus ergänzt: «Und der etwas kleinere Rahmen war auch richtig. Es gibt Leute, die ängstlich wegen des Virus sind, aber denen es gefehlt hat, wieder an so einen Anlass zu gehen.»
Aus der Region für die Region
OK-Co-Präsident Christoph Keller ist froh über das positive Feedback, das er nicht nur von den Schädelis erhalten hat. «Wir sind froh, dass wir nicht enttäuscht haben. Es tut gut, diese lobenden Worte zu hören.» Keller und seine Co-Präsidentin Sandra Troxler betonen, dass sie den Anlass für den Sport, aber auch für die Region durchführen wollten. «Die Take-away-Festwirtschaft wurde von MäGe’s Wurstalm in Büttikon betrieben. Das Fleisch hatten sie von Braunwalder in Wohlen, das Brot von Ruckli in Sarmenstorf und die Glace kam von der Gelateria Lepore aus Villmergen. Alles aus der Region für die Region und alle wurden gelobt», sagt Keller lachend. Er betont aber gleichzeitig, wie froh er ist, dass auch trotz dem Wetter am Sonntag zahlreiche Reiter aus der Region von diversen Vereinen wie dem KV Freiamt, dem RV Lindenberg, dem RV Muri-Bremgarten oder dem RV Lenzburg kamen. «Früher war ein grösseres Konkurrenzdenken unter den lokalen Vereinen. Jetzt ist das Verhältnis sehr freundschaftlich.»
Und Troxler ergänzt: «Es kamen auch viele Auswärtige.» Das Fazit von ihr und Keller ist positiv. «Es waren weniger Leute als in den Vorjahren, aber dennoch ein gut besuchtes Fest. Und obwohl wir weniger Helfer benötigt haben, war im Verein ein sehr grosses Engagement zu spüren», so Troxler. Die Schädelis sind eine prägende Familie im KV Bünztal. An der diesjährigen Springkonkurrenz hat sich aber der ganze Verein wie eine grosse Familie präsentiert.






