Dürfen sie oder nicht?
09.03.2021 SportFC Wohlen kämpft um Möglichkeit, zu trainieren
Zuerst hiess es, dass der FC Wohlen und die restlichen Vereine der 1. Liga classic wieder normal trainieren dürfen. Dann wieder nicht. Nur der Promotion League wurde das Ganze gestattet. Jetzt haben die Freiämter ...
FC Wohlen kämpft um Möglichkeit, zu trainieren
Zuerst hiess es, dass der FC Wohlen und die restlichen Vereine der 1. Liga classic wieder normal trainieren dürfen. Dann wieder nicht. Nur der Promotion League wurde das Ganze gestattet. Jetzt haben die Freiämter sich bei Swiss Olympic erkundigt. Dort heisst es, dass man von der Ersten Liga zu wenige Infos über die Wirtschaftlichkeit der Liga vorliegen. Die Erste Liga bestreitet das. Der FC Wohlen und andere Vereine versuchen unterdessen mit ihren Budgets nachzuweisen, dass sie semiprofessionell sind. Nun liegt der Ball wieder bei Swiss Olympic. --jl
Das totale Chaos
Hin und Her in der 1. Liga classic und um den FC Wohlen
Zuerst hiess es, dass der FC Wohlen und die 1. Liga classic uneingeschränkt trainieren und sich auf die Meisterschaft vorbereiten können. Dann durfte plötzlich nur die Promotion League trainieren. Erkämpft sich der FC Wohlen noch das Recht, zu trainieren?
Josip Lasic
Was für eine Woche für den FC Wohlen und die restlichen Vereine der 1. Liga classic. Am Samstag, 27. Februar, erhalten die Clubs der Promotion League und der 1. Liga classic die Information, dass sie wieder uneingeschränkt trainieren und spielen können. Die 15er-Regel entfällt, das Verbot von Körperkontakt entfällt. Fünf Tage später wird die Freude getrübt. Nur die Promotion League wird als semiprofessionell anerkannt. Die Clubs der 1. Liga classic – immerhin 42 an der Zahl – wurden brutal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Wohlen-Trainer Thomas Jent wollte das nicht auf sich sitzen lassen und hat sich per Mail bei Swiss Olympic erkundigt, wieso die 1. Liga classic wieder zurückgepfiffen wurde. «Ich habe nicht mit einer Antwort gerechnet. Aber ich habe sie gebeten, mich aufzuklären.» Überraschenderweise erhielt Jent eine Antwort. Swiss Olympic hat sich telefonisch beim FCW-Trainer gemeldet und ihm die Ausgangslage geschildert.
Wurde die Liga falsch eingeschätzt?
Jent fasst die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch zusammen. Zwei Säulen waren ausschlaggebend, als die Einstufung der semiprofessionellen Ligen vorgenommen wurde. Säule 1: die sportliche Einstufung der Liga. Säule 2: die wirtschaftliche Einstufung der Liga. Bezüglich der Wirtschaft habe Swiss Olympic zu wenig Infos über die 1. Liga classic gehabt. Auf Nachfrage seitens Swiss Olympic bei der Ersten Liga hiess es, dass in der 1. Liga classic kaum Geld fliesse und nur Spesen ausbezahlt werden. «Ich habe erklärt, wie die Budgets gewisser Teams aussehen, dass in der Liga teilweise Halbprofis beschäftigt sind und dass es Trainer gibt, die wegen des Aufwands keine 100-Prozent-Arbeitsstelle daneben haben können», sagt Jent. «Mir wurde gesagt, dass vielleicht anders entschieden worden wäre, wenn diese Infos vorher vorhanden gewesen wären.» Diese Woche sitzt die Expertengruppe nochmals zusammen. Die 1. Liga classic soll dabei erneut zur Sprache kommen.
Erste Liga: «Wir haben alles eingereicht»
Hat die Erste Liga, der die Promotion League und die 1. Liga classic unterstehen, tatsächlich ungenaue Angaben über die Wirtschaftlichkeit der 1. Liga classic gemacht? Markus Hundsbichler, einer der beiden Interimspräsidenten der Ersten Liga, bestreitet das. «Es lief alles über den Schweizerischen Fussballverband. Wir mussten diverse Formulare ausfüllen. Es wurde angegeben, dass Spieler und Staff in dieser Liga Verträge haben. Die sportliche Relevanz als eine Ausbildungsliga mit sechs U21-Spitzenfussballteams wurde ebenfalls erwähnt.»
Hundsbichler ist nicht bekannt, ob eine Anfrage bezüglich der Finanzen von Swiss Olympic beim Schweizerischen Fussballverband oder bei der Ersten Liga einging. «Aber wir haben definitiv nicht angegeben, dass in der 1. Liga classic nur Spesen fliessen.»
Der Interimspräsident wehrt sich dagegen, dass die Erste Liga eine Falschmeldung verbreitet habe. Er verweist auf den Wortlaut der Meldung vom 27. Februar. Dort heisst es: «Via Schweizerischen Fussballverband wurden bei Swiss Olympic die Spielklassen der Ersten Liga (Promotion League und 1. Liga classic)als semiprofessionelle Ligen eingegeben. Aufgrund dieser Eingaben und entsprechender Rückmeldung gelten ab Montag, 1. März 2021, folgende Regelungen für unsere Vereine.» Hier wird erwähnt, dass die 15er-Regelung und das Verbot von Körperkontakt wegfallen. Weiter in der Meldung: «Es ist möglich, dass Vereine in einzelnen Kantonen in der Folge zurückgepfiffen werden. In diesem Fall gilt die Anordnung der Kantone. Swiss Olympic koordiniert mit den einzelnen Kantonen eine einheitliche Handhabung.» Hundsbichler: «Dieser Prozess lief parallel und in dieser Expertengruppe entstand dann diese Liste der semiprofessionellen Ligen, in der die 1. Liga classic nicht geführt wird.»
Die Vereine der 1. Liga classic wehren sich
André Richner, VR-Präsident beim FC Wohlen, wehrt sich jedenfalls. Er sammelt die Präsidenten anderer Vereine der 1. Liga classic hinter sich. «Wir haben Swiss Olympic unser Budget für die 1. Mannschaft zugestellt. Der FC Baden ebenso. Solothurn und mehrere weitere Vereine wollen nachziehen.»
Ob das etwas bringt? Alexander Wäfler, Leiter Medien und Information des Dachverbands des Schweizer Sports: «Das Hauptargument für die entsprechende Einstufung ist, dass es sich bei der 1. Liga classic im Unterschied zur Promotion League um keine nationale Liga handelt. Sie besteht aus drei überregionalen Ligen.» Wäfler weiter: «Ein anderes Argument war die Anzahl der Talentcard-Inhaber innerhalb der Liga.» In der 1. Liga classic verfügen 104 Spieler über eine Talentcard von Swiss Olympic. Das sind rund elf Prozent aller in der Liga aktiven Fussballer. In anderen Ligen sind es bis zu 20 Prozent der aktiven Sportler, die über eine solche Talentcard verfügen.
Liste ist nicht in Stein gemeisselt
Der Leiter Medien und Information von Swiss Olympic hat Verständnis für den Unmut der Clubs in der 1. Liga. Ob der Vorstoss der Vereine mit dem Einreichen der Budgets etwas bringt? «Swiss Olympic entscheidet das nicht alleine.» Eine Expertengruppe, bestehend aus Mitgliedern des Bundesamtes für Gesundheit, des Bundesamtes für Sport, Swiss Olympic, der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren sowie der Konferenz der kantonalen Sportbeauftragten entscheidet das gemeinsam. «Ich will niemandem zu grosse Hoffnungen machen. Aber die Liste ist so, wie sie jetzt steht, sicher nicht in Stein gemeisselt. Man kann das Gespräch suchen und dann wird weitergeschaut.»
Wann kann theoretisch der Spielbetrieb starten?
Die Chance, dass der FC Wohlen vielleicht bald doch normal trainieren kann, ist nicht komplett vom Tisch. Der Start der Promotion League ist provisorisch auf den 31. März terminiert. Je nachdem, ob die Teams der 1. Liga classic ihr Anliegen durchbringen, müssten sie nicht die nächsten Lockerungen vom 22. März abwarten und so könnte auch für sie der Startschuss in die Rückrunde noch vor dem 10. April erfolgen.
In der Zwischenzeit trainieren und spielen die U21-Mannschaften der Spitzenclubs von der Promotion League bis zur 2. Liga interregional munter weiter. Es wäre wünschenswert, wenn sich zumindest im Fall der 1. Liga classic bald eine Lösung finden würde. Denn der Zustand im Schweizer Fussball unterhalb der Profiligen ist aktuell nur eines: das pure Chaos.


