Zum Schluss noch einen Titel
26.02.2021 SportBob: Melanie Hasler wird Schweizer Meisterin und blickt auf eine starke erste Weltcup-Saison zurück
Auf ihrer Lieblingsbahn in St. Moritz holt die Berikerin ihre erste Goldmedaille bei den Schweizer Meisterschaften. Die 22-Jährige beendet damit ihre erste ...
Bob: Melanie Hasler wird Schweizer Meisterin und blickt auf eine starke erste Weltcup-Saison zurück
Auf ihrer Lieblingsbahn in St. Moritz holt die Berikerin ihre erste Goldmedaille bei den Schweizer Meisterschaften. Die 22-Jährige beendet damit ihre erste Weltcup-Saison und blickt auf einen raketenhaften Aufstieg zurück.
Stefan Sprenger
Als wäre es eine Selbstverständlichkeit, fährt Melanie Hasler an den Schweizer Meisterschaften zum ungefährdeten Sieg im 2er-Bob. Der erste Lauf lief nicht nach Plan, trotzdem war Hasler mit Anschieberin Jasmin Näf in Führung mit sieben Hundertsteln Vorsprung. «Der zweite Lauf ging dann viel besser. Guter Start, gute Fahrt», erzählt die Freiämterin. Am Ende reicht es mit einem Vorsprung von 4 Zehnteln zum Titel. Auf dem 2. Rang platziert sich die frühere Leichtathletin Linda Züblin.
Herausragende erste Saison
Haslers härteste Konkurrentin, Martina Fontanive, war an den SM nicht dabei. Sie weilt in Lettland und steckt schon in den Vorbereitungen für die nächste Saison. So fährt Melanie Hasler unbestrittenen zum Sieg. «Sehr cool», meint sie. «Ich hoffe, ich kann diesen Titel in den nächsten Jahren verteidigen.»
Melanie Hasler spürt nach dieser Saison Eiskanal-Schmetterlinge. Wohl kaum jemand hätte ihr diesen raketenhaften Aufstieg zugetraut. In ihrer ersten Weltcup-Saison steht sie lange unter den besten drei der Gesamtwertung. Von Anfang an zeigte sie ihr riesiges Potenzial. Ein 4. und 5. Rang in Lettland, ein 5. und 7. Rang in Innsbruck – und schliesslich der Höhepunkt der Weltcup-Saison: der Podestplatz in St. Moritz. Dieser 3. Rang gab ihr zusätzlichen Schub. Nur eine Woche später holte sie an selber Stelle die Bronzemedaille an der Junioren-Weltmeisterschaft (was ihr zusätzliche Unterstützung von Swiss Olympic einbrachte).
Ewiges Thema: Die Gewichtszunahme
«Sehr zufrieden» ist sie mit dieser Saison. «Der Podestplatz in St. Moritz ist eine grosse Motivation für die nächste Saison», so die 22-Jährige. Es ist eine Bestätigung, dass sie mit den Besten der Welt mithalten kann. Christoph Langen, Nachwuchschef bei «Swiss Sliding» und zweifacher Bob-Olympiasieger, spricht von «sensationellen Leistungen» und sagt: «Melanie Hasler hat sich in dieser Saison in der erweiterten Weltspitze etabliert.» Sie selbst bleibt cool: «Es gibt noch viel Arbeit. Am Start, beim Material, bei der Fahrtechnik.» Und – ein ewiges Thema im Bobsport – Hasler sollte an Eigengewicht zulegen.
Nebst all den positiven Meldungen über Melanie Hasler: Sie hatte auch Rückschläge wegzustecken. Der 14. Rang an der Weltmeisterschaft in Altenberg war zu wenig. Hasler wollte in die Top Ten. «Ich werde noch härter daran trainieren, dass ich besser und schneller werde.» So nutzt sie auch diese Erfahrungen als Zündstoff für ihre weitere Karriere.
Noch ein Rennen und dann mal wieder nach Berikon
Haslers riesiger Ehrgeiz, ihre Disziplin und ihr Talent, gepaart mit ihren physischen Fähigkeiten und ihrem Teamspirit, verhelfen ihr zu diesem starken Aufstieg in ihrer ersten Weltcup-Saison als Bobpilotin. Nachwuchschef Langen prophezeit ihr eine rosige Zukunft: «Ich glaube, dass sie in zwei, drei Jahren das Weltniveau im Frauenbobsport mitbestimmen wird. Sie wird eine feste Grösse um die Medaillen sein.» Olympia-Teilnahme inklusive.
Melanie Hasler weilt in diesen Tagen noch in St. Moritz. Am Freitag hat sie die Chance, auch im Monobob den nationalen Titel zu holen. In dieser «neuen» Sportart, die den Frauen mehr Medaillenchancen geben soll, hat Hasler ebenfalls einen riesigen Aufstieg hinter sich. Mit praktisch keinerlei Erfahrung fährt sie an den «Monobob World Series» in vier Rennen jeweils unter die besten sechs. Der Höhepunkt war am letzten Wochenende in Königssee, als die frühere Volleyballerin den Sieg holen konnte. «Auch da gibt es noch viel zu tun», meint Hasler und fügt lächelnd an: «Ich freue mich auf alles, was in Zukunft kommt.»
Ihre Motivation scheint unbändig. Nach der SM in St. Moritz freut sie sich aber auch, wieder einmal nach Hause zu gehen. Seit dem Spätsommer war sie nur kurz an Weihnachten in Berikon bei der Familie. Dieser Fakt ist vielleicht die grösste und einzige Schattenseite des Weltcup-Winters von Melanie Hasler.