Die Fasnacht gibt Hoffnung
16.02.2021 NiederwilAktion der Näbelriiter
Die Fasnachtsclique hat ihre Tagwache und einen Take-away umgesetzt.
«Die Leute haben sehr geschätzt, dass wir etwas organisieren konnten», sagt Martin Bräuer. Er ist Mitglied bei den Näbelriitern. ...
Aktion der Näbelriiter
Die Fasnachtsclique hat ihre Tagwache und einen Take-away umgesetzt.
«Die Leute haben sehr geschätzt, dass wir etwas organisieren konnten», sagt Martin Bräuer. Er ist Mitglied bei den Näbelriitern. Niederwil ist ein Fasnachtsdorf voller Traditionen. Die Näbelriiter haben in Zusammenarbeit mit der Reussthal Metzgerei einen Take-away-Stand aufgebaut und die Fasnacht etwas aufleben lassen. «Wir freuen uns, dass sich alle an die Regeln gehalten haben und wir den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnten.» --chg
Mit der Fasnacht Hoffnung geben
Fasnachtsaktion der Näbelriiter
Die Näbelriiter machen ihre eigene Fasnacht – zumindest einen Teil davon. Sie wollen den Menschen zeigen, dass trotz Pandemie Gutes stattfinden kann, wenn man zusammenhält.
Chantal Gisler
Für die einen ist es nur ein Takeaway, der am Samstag vor der Reussthal-Metzgerei stattgefunden hat. Für die anderen – insbesondere Fasnächtler – ist es ein Zeichen des Zusammenhalts. Um 10.30 Uhr eröffnen sie ihren Stand. Würste sowie kalte und warme Getränke sind im Angebot, alles gratis. Möglich macht das Thomas Peterhans. Der Metzger und Inhaber der Reussthal-Metzgerei war ein Gründungsmitglied der Näbelriiter. Ursprünglich sollte der Takeaway auf dem Dorfplatz stattfinden. Aber: Vereine dürfen aktuell keine Veranstaltungen machen, Restaurants und Gastrobetriebe mit der nötigen Infrastruktur dürfen Takeaways anbieten. «Die Idee kam schnell auf», erzählt Peterhans. «Ich sagte ihnen, dass wir das machen können. Unter der Bedingung, dass die Coronamassnahmen eingehalten werden und die Leute die Abstände einhalten.»
Das ist den Näbelriitern enorm wichtig, sagt Mitglied Martin Bräuer. Am Stand herrschen strenge Regeln. Immer wieder laufen die Mitglieder auf dem Platz zwischen Gemeindehaus und Metzgerei zu den Leuten und schauen, dass die Abstände eingehalten werden. Neben den Näbelriitern kommen auch andere Fasnächtler verkleidet. Ein Dorfpolizist, ein Papagei und eine Kuh stechen sofort ins Auge.
Zuversicht schenken
«Die Fasnacht ist für uns eine besondere Zeit», sagt Bräuer. «Niederwil ist einfach ein Fasnachtsdorf. Und unser Stand kommt bei den Leuten sehr gut an.» Sie haben lange auch mit den anderen Cliquen im Dorf überlegt, was möglich wäre. Die Näbelriiter sind in diesem Jahr die Einzigen, die etwas auf die Beine stellen. Am Schmutzigen Donnerstag haben sie ihre traditionelle Tagwache durchgeführt: Mit ihrem Fasnachtswagen sind sie durchs Dorf gefahren, frühmorgens bei Minustemperaturen. «Auch da haben wir streng darauf geachtet, dass wir die Regeln einhalten.» Den Wagen haben sie nicht auf dem Platz aufgestellt. «Wir wollen verhindern, dass zu viele Menschen an einem Ort sind, und der Wagen wäre ein Anziehungspunkt», sagt Bräuer. «Mit der Aktion möchten wir den Menschen einfach Zuversicht geben können.»
Bunte Besucher
Das Angebot der Näbelriiter kommt gut an. Über den Tag verteilt kommen immer wieder Besucher an den Stand. Am Ende des Tages sind über 300 Würste weg. «Von einzelnen Fasnachtscliquen sind kleine Delegationen gekommen», erzählt Martin Bräuer. Etwa aus Fischbach-Göslikon oder Oberrohrdorf. Die Besucher wirken fröhlich, aber auch vorsichtig. Niemand möchte gegen die geltenden Regeln verstossen, Masken und genügend Abstand sind überall zu sehen. Aber eben auch lustige Verkleidungen. Am Strassenrand stehen vier Männer mit einem Schild. «RIP Fasnacht 2021» steht drauf. Andere haben Campingstühle dabei und geniessen die Sonnenstrahlen. «Ich glaube, die Leute brauchen das. Es gibt ihnen Hoffnung. Wir haben diese Situation schon seit einem Jahr und es wird wohl noch dauern», sagt Bräuer.
Auch Vizeammann Peter Gauch kommt auf einen Besuch vorbei. In Vollmontur, versteht sich: Die Ski in seinem Rucksack, mit Wanderschuhen, Edelweisshemd und Pfeife im Mund sieht er wie ein Innerschweizer vor 100 Jahren aus. Von seinem Bergli sei er hinuntergefahren, «ein Stück geht es schon», lacht er. Den Stand der Näbelriiter findet er klasse. «Mit der letzten Fasnacht hatten wir Glück, dass sie noch stattfinden konnte. Aber dieses Jahr ist es für uns alle hart. Umso schöner, dass die Näbelriiter etwas auf die Beine stellen, auch wenn es ‹nur› ein Take-away ist.»



