«Näher an der Weltspitze»
22.01.2021 SportHandball-WM in Ägypten: Der Wohler Pascal Jenny ist Vizepräsident des Handballverbandes
Die Schweiz sorgt an der Handball-WM für Furore. Der Sieg gegen Island am Mittwoch war einer der grössten Erfolge der Nati-Geschichte. Für den Wohler Pascal ...
Handball-WM in Ägypten: Der Wohler Pascal Jenny ist Vizepräsident des Handballverbandes
Die Schweiz sorgt an der Handball-WM für Furore. Der Sieg gegen Island am Mittwoch war einer der grössten Erfolge der Nati-Geschichte. Für den Wohler Pascal Jenny, Vizepräsident des Handballverbandes, ist diese WM eine einmalige Gelegenheit.
Stefan Sprenger
73 Spiele, 118 Tore. Pascal Jenny war jahrelang Captain der Schweizer Handball-Nationalmannschaft. Der Flügelspieler, der beim TV Wohlen gross geworden ist, hat in seiner Nati-Karriere aber nur ein grosses Turnier gespielt. Es war die EM 2006 im eigenen Land.
Die letzte WM-Teilnahme der Schweiz war 1993. Dass die Schweiz nun in Ägypten an der WM dabei ist, «ist eine riesengrosse Chance, sich im internationalen Schaufenster zu präsentieren», so der 46-Jährige. Und die Schweiz nutzt diese Chance. Mit starken Auftritten überzeugt das Team von Trainer Michael Suter. Österreich wird bezwungen, Frankreich an den Rand einer Niederlage gedrängt. Der grösste Wurf folgt am Mittwoch: Der 20:18-Sieg gegen die Topnation Island ist einer der bedeutendsten Erfolge der Schweizer Handball-Geschichte.
Wegen coronabedingter Absagen durfte die Schweiz an dieses Turnier nachrücken. «Dass die Schweiz wie die Jungfrau zum Kind kam und an dieses Turnier durfte, müssen wir zur Seite schieben. Was zählt, sind die Leistungen», so Jenny. «Die Auftritte der Schweiz sind Ausrufezeichen. Unsere Nati ist näher an die Weltspitze gerückt», so Jenny. Der Einzug in die WM-Hauptrunde ist an sich «schon ein grosser Erfolg», so Jenny, der im Exekutivrat von Swiss Olympic und zugleich Vizepräsident des Zentralvorstandes des Schweizerischen Handballverbandes (SHV) ist. Der Wohler hat nach wie vor engen Kontakt zur Schweizer Nationalmannschaft – beispielweise zu Trainer Suter oder Superstar Andy Schmid.
Jenny findet es wichtig, dass es in Coronazeiten solche Anlässe gibt: «Alles, was möglich und legal ist, soll man mit Schutzkonzepten durchführen».
Als Tourismusdirektor von Arosa ist er direkt betroffen von den Coronamassnahmen. Auch da hat er eine klare Meinung.
Unbezahlbare Erfahrung
Handball-Weltmeisterschaft: Pascal Jenny, Vizepräsident des SHV, zum starken Auftritt der Nationalmannschaft
Die Schweiz besiegt Island und sorgt für eine kleine Handball-Euphorie im Land. Pascal Jenny war jahrelang Captain der Schweizer Handball-Nati und ist heute Vizepräsident des Handballverbandes. Der 46-jährige Wohler ist nach wie vor nahe dran und pflegt zu Nationaltrainer Michael Suter und Superstar Andy Schmid regen Kontakt.
Stefan Sprenger
16 Sekunden vor Schluss bringt Pascal Jenny die Schweizer Handballnation zum Ausrasten. 3500 Zuschauer-Fans in der Kreuzbleiche in St. Gallen jubeln ausgelassen. Der Flügelspieler aus Wohlen hat gerade das 31:31 gegen Polen an der Heim-EM geschossen. Das dramatische Spiel findet ein Happy End und die Schweizer Nati ärgert eine grosse Handball-Nation. Das war im Januar 2006.
Fortschritte der Nati
Genau 15 Jahre später schnuppert die Schweiz erneut an einer Sensation gegen einen Grossen. An der WM in Ägypten bringt die Truppe rund um Superstar Andy Schmid die Franzosen an den Rand einer Niederlage. Die Schweiz verliert am Ende knapp mit 24:25. «Eine bittere Sache. Es zeigt aber die starken Fortschritte der Nati», sagt Pascal Jenny, Vizepräsident des Schweizerischen Handballverbandes (SHV) und Mitglied im Exekutivrat von Swiss Olympic.
Trotzdem: Die Schweiz schafft den Einzug in die Hauptrunde. Gegen Island am Mittwoch gibt es einen fantastischen 20:18-Sieg. Für Jenny ist die Teilnahme an der Hauptrunde eine grosse Chance für den Handballsport. «Trotz Corona ist eine kleine Euphorie spürbar. Mit weiteren starken Leistungen wird dies noch weiter zunehmen», so Jenny, der früher jahrelang Chef Leistungssport beim SHV war und treibende Kraft hinter dem Engagement vom heutigen Nationaltrainer Michael Suter.
Er lobt das Schweizer Team für seine Auftritte. Der Startsieg gegen Österreich war «unter diesen Umständen sehr stark». Die Nationalmannschaft reiste direkt vom Flughafen an das erste Spiel gegen Österreich. Weil die coronabedingten Absagen von Tschechien und den USA für eine sehr spontane WM-Teilnahme sorgten, konnte die Nati erst am Spieltag anreisen. «Es ist für alle Spieler eine tolle und unbezahlbare Erfahrung. So wird das Team auch für zukünftige Teilnahmen an grossen Turnieren bereit sein», meint Jenny.
Kontakt zum Trainer und zu Superstar Schmid
Er pflegt einen regen Austausch mit Nationaltrainer Michael Suter und mit Spielmacher Andy Schmid. «Ein freundschaftlicher Austausch zugunsten des Schweizer Handballsports», nennt Jenny die Beziehung. Ansonsten halte er sich als Vizepräsident des SHV zurück mit Inputs. «Ich muss bei der Nati, was das Sportliche betrifft, nicht reinreden, dafür bin ich zu lange nicht mehr aktiv.»
In die Handball-Hosen steigt er nur noch beim «Dinosaurier»-Turnier, das jeweils im Freiamt stattfindet. Dann läuft er nochmals für Wohlen auf. Dort, wo er einst seine Karriere startete. In seiner handballerischen Laufbahn spielt er danach für TV Suhr, die Kadetten Schaffhausen und den Grasshopper Club Zürich. Insgesamt erzielt der Flügelspieler in 348 NLA-Spielen total 1124 Tore. Für die Nati läuft er 73 Mal auf und macht 118 Tore. Jenes gegen Polen zum 31:31-Endstand an der Heim-EM war sein wichtigstes.
Die WM-Teilnahme sei wichtig für die Handball-Nation Schweiz. Auch, damit wieder für Nachwuchs gesorgt ist. «Wenn man sich im grossen Schaufenster einer WM präsentieren kann, löst dies auch immer etwas aus. So fiebern zum Beispiel auch meine Kinder mit dem Nationalteam mit, obwohl in Graubünden der Handball fast unbekannt ist. Leider», so Jenny.
Heute Freitag gegen Portugal
Es gibt von Medien und auch Spielern Kritik, dass die WM in Ägypten in Zeiten von Corona hätte abgesagt werden sollen – oder dass die Schutzkonzepte nicht sonderlich ausgereift sind. Jenny hat dazu eine klare Meinung: «Ich finde es gut, dass man es durchzieht. Alle Anlässe, die möglich und legal sind, soll man mit Schutzkonzepten durchführen.» Von der Schweizer Delegation habe er nichts Aussergewöhnliches gehört. «Es klappt bei solch einem grossen Turnier nie alles, aber es sei alles okay.»
In der Hauptrunde liegt gemäss Jenny etwas drin für die Schweiz. Nach der sehr reifen Leistung und dem Sieg gegen Island geht es heute Freitag gegen Portugal und am Sonntag gegen Algerien (alle Spiele um 15.30 Uhr live auf TV24). «Es sind Teams in Reichweite. Gegen Algerien ist ein Sieg schon fast Pflicht. Aber es ist nach wie vor ein weiter Weg an die absolute Weltspitze», so Jenny.
Wichtig sei jetzt, «dass unser Land sich in der Handballwelt wieder einen grösseren Namen macht und wir alle mit erfreulichen Gefühlen auf diese WM zurückschauen können.» So wie es 2006 nach dem 31:31 gegen Polen gelungen ist. Auch wenn die Schweiz damals nach der Vorrunde ausgeschieden ist, erzählt man sich noch heute von diesem dramatischen Spiel und dem glorreichsten Unentschieden der Schweizer Handballgeschichte.



