Ein Konzept mit Schwächen
19.05.2020 RingenSeit dem 11. Mai dürfen Sportvereine wieder trainieren. Vorausgesetzt, sie halten sich an die jeweiligen Schutzkonzepte. Normalerweise bedeutet das Training in Gruppen von maximal fünf Personen und mit zwei Metern Abstand. Sportarten wie Schwingen und Ringen sind dadurch stark ...
Seit dem 11. Mai dürfen Sportvereine wieder trainieren. Vorausgesetzt, sie halten sich an die jeweiligen Schutzkonzepte. Normalerweise bedeutet das Training in Gruppen von maximal fünf Personen und mit zwei Metern Abstand. Sportarten wie Schwingen und Ringen sind dadurch stark eingeschränkt. --jl
Kämpfen ohne anfassen
Wie trainieren die Ringer und Schwinger der Region während der Coronazeit?
Seit dem 11. Mai dürfen Sportarten entsprechend den jeweiligen Schutzkonzepten wieder ausgeübt werden. Für die Kontaktsportarten Ringen und Schwingen ist das eine grosse Herausforderung.
Josip Lasic
Das Freiamt ist eine Kampfsportregion. Letztes Jahr sorgten vor allem die Ringer und Schwinger für grosse Euphorie in der Region. Randy Vock feiert Bronze an der Ringer-EM, Andreas Döbeli und Joel Strebel holen sich am «Eidgenössischen» in Zug je einen Kranz und werden in den Kreis der «Bösen» aufgenommen. Und am Ende des Jahres schlittert die RS Freiamt in einem Herzschlagfnal am Schweizer-Meister-Titel vorbei.
Dieses Jahr ist Corona-bedingt wie in allen Sportarten tote Hose angesagt bei den Ringern und Schwingern. Der Bund hat aber zugelassen, dass ab dem 11. Mai trainiert wird – unter Einhaltung des Schutzkonzepts. Dieses sieht aber in allen Sportarten einen Mindestabstand von zwei Metern zwischen den Sportlern vor. Es gibt wenige Sportarten, die so vom Körperkontakt zwischen den Athlegen leben und darauf angewiesen sind wie das Ringen und das Schwingen. Jetzt dürfen die Athleten zwar trainieren, aber genau das nicht tun, was der Kern ihrer Sportart ist. Wie gehen die regionalen Vereine und Sportler damit um?
«Zwei-Klassen-Gesellschaft» im Ringen
Pascal Strebel, Captain der RS Freiamt sowie Teil vom Trainerstab, erklärt, wie das Training bei den Ringern in der vergangenen Woche ablief. Die Ringer wurden in Fünfergruppen aufgeteilt. In diesen Gruppen gingen die Athleten joggen, Fahrrad fahren oder besuchten den Vita-Parcours. «Es gibt da viele Möglichkeiten für Übungen. Diese dienen vor allem der Kraft, der Kondition oder der Koordination», so Strebel. «Ein Ersatz für das Mattentraining ist das nicht.»
Einige Freiämter Ringer brauchen auch keinen Ersatz. Saya Brunner, Kimi Käppeli, Nils und Nino Leutert, Joel Meier, Randy Vock und Marc Weber verfügen über eine Swiss-Olympic-Card. Mit dieser dürfen sie untereinander ringen. Sie müssen sich an keine Abstandsregeln halten und die Trainingsgruppe darf mehr als fünf Personen umfassen. Etwas, was in den meisten anderen Sportarten und bei den Ringern ohne Swiss-Olympic-Card keinesfalls erlaubt ist. «Ich hoffe, dass kein Missmut und Ärger dadurch ensteht, dass einige unserer Ringer auf die Matte dürfen und andere nicht», so Strebel. «Kondition und Kraft hat bisher ohnehin jeder für sich trainiert. Wir versuchen einigermassen unser Fitness-Level zu halten. Vor der Mannschaftsmeisterschaft brauchen wir Zeit für das technische Training. Sonst hagelt es Verletzungen.»
Abstand darf nicht zu gross werden
Nicola Küng, Präsident der RS Freiamt, ist froh, dass der Ringerkeller der RS jederzeit zur Verfügung steht. «Auf öffentlichen Anlagen dürften wir gar nicht trainieren.» Dennoch fanden die ersten Trainings draussen statt. Teilweise auch bei strömendem Regen. Wollten sich die Ringer keinen Aufwand mit dem Putzen und dem Desinfzieren der Anlage aufhalsen? «Das nicht. Wir putzen und desinfzieren sie ohnehin regelmässig. Auch schon vor Corona. Das Kindertraining wird auch im Ringerkeller stattfnden», so Küng. «Allerdings haben wir da nur Platz für zwei Gruppen à fünf Kinder. Der Rest wird das Training auch nach draussen verlagern müssen.»
Küng und Strebel sind sich einig, dass jammern nichts bringt und der Verein das Beste aus der Situation zu machen versucht. Dennoch sorgt sich Küng. «Ich verstehe, dass die Athleten aus dem Nationalkader schon auf die Matte dürfen, um international nicht den Anschluss zu verlieren. National könnte der Vorsprung dieser Ringer gegenüber dem Rest aber noch grösser werden.»
Viel Solidarität, aber kaum Training bei Schwingern
Dieses Problem haben die Schwinger nicht. «Eidgenosse» Andreas Döbeli erklärt, dass sich alle Schwingklubs solidarisch erklärt haben und der Zeitpunkt abgewartet wird, wann alle wieder trainieren dürfen. «Ich bin beispielsweise in der Schwinger-WK-Gruppe. Wir dürften trainieren, tun es aber nicht. Die Schere zwischen den starken Schwingern und dem Rest soll nicht noch grösser werden.» Das einzige Training, das Döbeli und die anderen Spitzenschwinger des Schwingklubs Freiamt aufgenommen haben, ist das Athletiktraining bei Tommy Herzog. Ins Sägemehl gehen sie noch nicht.
Vernünftiges Training unter Vorgaben schwierig
«Bei uns gibt es die Möglichkeit auch nicht», sagt Stefan Reichmuth, Technischer Leiter beim Schwingklub Freiamt. «Wenn wir nicht im Sägemehl trainieren können und uns an so viele Vorgaben halten müssen, ist es für unseren Verein sehr schwer, ein vernünftiges Training anzubieten. Darum trainieren wir im Schwingerkeller aktuell auch nicht.» Das einzige, was bisher durchgeführt wurde, waren Jogging- und Veloeinheiten in Fünfergruppen. «Da ging es allerdings auch darum, die Vereinskollegen wieder mal zu sehen.»
Schwingfeste fallen grösstenteils aus
Das Problem der Schwinger sind ausserdem die Schwingfeste, die ausfallen. «Der Schwingerrat hat gesagt, dass mindestens sechs Wochen Sägemehltraining stattgefunden haben muss, bevor wir an Schwingfeste dürfen», sagt Reichmuth. «Sehr viel Zeit bleibt da nicht. Eines ist aber klar. Sobald wir wieder im Sägemehl trainieren dürfen, werden wir das auch tun. Schwingfeste hin oder her.»
Döbeli sieht das entspannter. «Ich arbeite neben dem Sport und mein Lebensunterhalt hängt nicht von den Schwingfesten ab. Die Massnahmen müssen zuerst für die Sportler gelockert werden, deren Existenz davon abhängt.» Tatsache ist, dass die Massnahmen weiter gelockert werden müssen, wenn die Ringer und Schwinger so trainieren wollen, wie es für die beiden Sportarten notwendig ist. Dafür brauchen sie die Normen, die bereits jetzt für die Ringer mit einer Swiss-Olympic-Card gültig sind.


