Fischen, Kochen, Golfen
09.04.2020 SportFussball: Kein Mannschaftsraining, keine Spiele – Was machen die Fussballer der Region jetzt?
Die Coronazeit ist für alle besonders. König Fussball schläft. Wir haben einige Fussballer der Region angefragt, was sie mit ihrer neu gewonnenen Zeit ...
Fussball: Kein Mannschaftsraining, keine Spiele – Was machen die Fussballer der Region jetzt?
Die Coronazeit ist für alle besonders. König Fussball schläft. Wir haben einige Fussballer der Region angefragt, was sie mit ihrer neu gewonnenen Zeit anstellen. Ans Licht kamen spannende Talente und Hobbys. Ein Kicker wurde sogar zu einem kleinen TV-Star.
Die Reuss fliesst gemächlich vor sich hin. Die Vögel zwitschern. Ein Biber kaut an einem Stück Holz. Ein blonder Typ mit lichtem Haar steht am Ufer. Er trägt Stiefel, Anglerkleidung und ein zufriedenes Lächeln. Der Hobby-Fischer begegnet den ganzen Tag niemandem. Ausser den spärlichen Fischen, die er aus der Reuss zieht. «Angeln liebte ich schon immer. Jetzt habe ich mehr Zeit dafür», sagt Ronny Minkwitz. Der Offensivspieler des FC Wohlen setzt sich in Zeiten der Corona-Epidemie gerne in die Natur und angelt. Neben Homeoffice, Joggen, Einkaufen, Sofa-Zeit mit der Freundin und «sich fit halten» macht Minkwitz nicht viel. Das Fischen macht ihn momentan glücklich. «Aber irgendwann muss ich wieder gegen einen Ball treten, sonst dreh ich durch», meint er lachend.
Stroganoff auf italienisch
FC-Wohlen-Topskorer Davide Giampà hat keine ausgefallenen Hobbys. Er absolviert jeden Tag das vorgegebene Programm von Trainer Thomas Jent und trainiert zusätzlich individuell. «Dazu habe ich mehr Zeit, um für die Schule zu lernen», sagt Giampà.
Bei einem anderen FCW-Spieler ist eine alte Leidenschaft neu entfacht. Vilson Doda, der von zu Hause aus arbeitet, kocht für sich und seine Familie. «Frisch und gut», wie er meint. «Mein Rindsstroganoff war hervorragend. Das sagte zumindest die Familie», meint er lachend. Doda erlernt zudem eine Fremdsprache. Englisch und Französisch kann er schon, jetzt lernt er Italienisch. «Eine schöne Sprache», wie er meint.
Viel los beim FC Sarmenstorf
Das Team des FC Sarmenstorf ist keinesfalls eingeschlafen. Michael Stutz, erzählt: «Mit der neu gewonnenen Zeit konzentriere ich mich auf die Weiterbildung und die Bikinifigur im Sommer – das eine oder andere Bier darf natürlich nicht fehlen.» Die Abende verbringt Stutz mit kochen und Netflix schauen. Am Samstag werden jeweils familieninterne «Beerpong-Turniere» – mit seinen zwei Brüdern – durchgeführt.
Ruhiger geht es Abwehrspieler Markus Wyss an. Kraft, Yoga und Joggen «im schönen Bettwil» stehen auf dem Programm. Und Wyss zeigt tiefgründige Seiten. «Smartphone und Computer ausschalten und wirklich zur Ruhe kommen. Ideen, Träume und Gedanken auf Papier bringen, zeichnen, kreativ sein, querdenken, lesen, kochen, Musik hören».
Für Sarmenstorf-Goalie Patrick Schmidt kommt die fussballfreie Zeit zu einem günstigen Zeitpunkt. Der Rechtsanwalt schreibt gerade seine Dissertation, veröffentlicht Beiträge in Fachzeitschriften und hält sich fit. Schmidt hatte zudem einen Auftritt im Schweizer Fernsehen. Bei «10 vor 10» wurden «Leute, die was tun» vorgestellt. Schmidt erklärte seine Arbeit als Zivilschützer im Murimoos. Beispielsweise, wie desinfiziert wird und wie den psychisch und körperlich beeinträchtigten Menschen im Murimoos sonst geholfen wird in dieser besonderen Zeit. «Wir wollten dem Virus keinerlei Angriffsfläche für die Menschen im Murimoos bieten», so Schmidt. Im Beitrag machte er einen hochprofessionellen Eindruck. «Es war ein schönes Gefühl, zu helfen und meinen kleinen Teil dazu beizutragen, dieser Krise Herr zu werden», so Schmidt.
FC-Muri-Goalie Yanick Hofer absolviert momentan seinen Zivildienst in einem Altersheim in Hitzkirch. «Die Bewohner dürfen wegen der aktuellen Lage keinen Besuch empfangen. Deshalb bin ich als ‹Seelsorger› und ‹Animateur› für sie da. Das macht mir Spass und erfüllt mich mit Zufriedenheit», sagt Hofer. Er hat Freude an Arbeit mit Holz entdeckt, woraus er kleine Dinge für die Bewohner des Altersheims bastelt. «Meine Konstruktionen funktionieren noch nicht so, wie sie sollen, aber ich arbeite daran», ergänzt er lachend. Was macht er sportlich? «Vom Joggen habe ich aktuell die Schnauze voll. Ich fahre mehr Velo und habe mir Inlineskates bestellt.»
Hofers Teamkollege Simone Parente verbringt viel Zeit mit seiner Freundin. «Wir spielen gemeinsam Playstation oder Pingpong», sagt Parente und ergänzt lachend: «Meistens gewinne ich.»
Die Spieler des FC Mutschellen haben einmal pro Woche eine Videokonferenz, um Kontakt zueinander zu halten. Diese Woche wollen sie so eine Trainingseinheit absolvieren. «Ich freue mich darauf», sagt Goalie Fabian Riesen. «All meine Hobbys sind mit Sport verbunden. Deshalb kann ich wenig machen. Joggen, Fahrradfahren und Kraftübungen für zu Hause sind nicht meine liebsten Trainingseinheiten. Ich will einfach nur auf den Platz», sagt Riesen. Bei Teamkollege Kevin Kempter ist die Situation ähnlich. Joggen, Vita-Parcours, Intervall- und Rumpftraining ist angesagt. «Mit dem Ball kann ich leider wenig machen», sagt er.
Gesund kochen und Schlagzeug
Fabrice Rätz vom FC Niederwil nimmt sich Zeit fürs Kochen. «Vor allem gesundes Essen, damit nicht zu viele Kilos auf die Waage kommen», sagt er lachend. Wegen der Coronakrise arbeitet Rätz reduziert. «Ich gehe dafür in dieser Zeit gerne Velo fahren, um den Kopf freizubekommen. Zudem gehe ich oft Golf spielen.» Etwas mehr Zeit würde sich vermutlich Niederwil-Goalie Simon Zimmermann wünschen. Seit dem 1. April ist er Filialleiter bei einem Unternehmen, das diverse Arbeiten vermittelt. «Aktuell habe ich da viel zu tun. Aber meine Familie hält micht fit.»
FC-Bremgarten-Captain Marco Gut hat das Schlagzeugspielen entdeckt und hat jetzt mehr Zeit zum Üben. Anders als Ronny Minkwitz und das Fischen in der Stille, mag es Gut lauter.
Eines haben alle angefragten Fussballer gemeinsam. Sie können es nicht erwarten, bis der Ball endlich wieder rollt. --spr/jl



