Den Brauch aufrecht erhalten
11.02.2020 Boswil
Seit 20 Jahren sorgt das «Oldie-Team» in Boswil dafür, dass die Fasnacht im Dorf lebt
«Moulin Rouge» im ehemaligen Gebäude der Bäckerei Hilfiker: das ist die Oldie-Bar dieses Jahr. Seit Wochen basteln, bauen und ...
Seit 20 Jahren sorgt das «Oldie-Team» in Boswil dafür, dass die Fasnacht im Dorf lebt
«Moulin Rouge» im ehemaligen Gebäude der Bäckerei Hilfiker: das ist die Oldie-Bar dieses Jahr. Seit Wochen basteln, bauen und organisieren die «Oldies». Traditionellerweise ist ihre Bar am Fasnachtsfreitag und am Güdismontag offen. Seit zwei Jahrzehnten beleben sie die Fasnacht.
Annemarie Keusch
Auf dem Bauernhof, im Autocenter, in der Käserei, in der Gärtnerei, im Zelt oder im Foyer der Schule. Überall war die Oldie-Bar schon. Und immer wieder sind es andere, neue Orte. «Wir suchen jedes Jahr ein passendes Gebäude, eines, das vor dem Abbruch steht, leer ist oder verkauft wird», sagt Roland Trottmann. Zusammen mit Christa und Werner Stöckli und Jolanda Berger ist er einer der Übriggebliebenen. Einer jener also, die vor 20 Jahren die Oldie-Bar ins Leben riefen und immer noch tatkräftig dabei sind. «Viele im Dorf begegnen uns mit viel Wohlwollen, die Besitzer der Gebäude, aber auch die Nachbarn», sagt Trottmann.
Das Oldie-Team hat sich im Dorf etabliert. Die Gruppe von anfangs zwölf Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern ist angewachsen auf 24 Erwachsene und 23 Kinder. Drei Kallerer und drei Boswiler Familien waren es anfangs, die sich mit dem angekündigten Ende der «Räbemöschtler» und der weniger aktiven Fasnachtsgesellschaft Gedanken machten – unabhängig voneinander. In der «Pinte» in Besenbüren war es, als sie ins Gespräch kamen. «Dann dauerte es nur noch zehn Tage und die erste Oldie-Bar fand statt», erinnern sich Christa Stöckli, Jolanda Berger und Roland Trottmann. Oldies nannten sie sich, weil sie nicht mehr ganz junge Fasnächtler waren. «Charleston» war das erste Motto. Und nicht nur einige im Organisationsteam sind geblieben, auch viele Gäste sind seit der ersten Ausgabe dabei. «Wir wurden im Dorf sehr gut aufgenommen.»
Überrumpelt am Anfang
Ein nahtloser Übergang sollte es sein. «Wenn ein Jahr lang an der Fasnacht in Boswil nichts los gewesen wäre, wäre es wohl schwieriger geworden», sagt Christa Stöckli. So folgte auf die Räbemöschtler das Oldie-Team. Den Brauch erhalten und das Dorf lebendig gestalten, das war das Ziel. Improvisiert war anfangs viel. Nach kurzer Zeit gingen an der ersten Oldie-Bar die Getränke aus. «Wir hatten keine Ahnung, wie viele Leute kommen.»
Das ganze Jahr hinüber in Kontakt
Einen Verein bilden die Oldies nicht. «Nicht koordinierte wilde Gruppe von Fasnächtlern», beschreibt sie Roland Trottmann. Mittlerweile ist die zweite, teilweise gar die dritte Generation dabei. Alle helfen, wo sie können, Samstag für Samstag. Heuer wird aus der ehemaligen Bäckerei Hilfiker ein «Moulin Rouge». «Die Ideen werden immer verrückter», lachen die Gründungsmitglieder. Es wird nicht mehr nur dekoriert, sondern auch gehämmert, gebaut, Wände herausgerissen.
Die Oldie-Bar ist in Boswil zur Erfolgsgeschichte geworden. «Wohl auch, weil wir den Erlös an die Vereine im Dorf spenden», sind die Gründungsmitglieder überzeugt. Aber auch Krisen gabs, beispielsweise, als kein geeignetes Gebäude gefunden werden konnte. Ein Zelt beim Fussballplatz war die Notlösung. «Mittlerweile sind wir auf der sicheren Seite», sagt Trottmann. Lässt sich kein Gebäude finden, steht das Foyer des Schulhauses als Alternative bereit.
Zwei Abende, am Fasnachtsfreitag und am Güdismontag, begrüssen die Oldies geschätzte 300 Gäste pro Abend. «Genau sagen können wir das nicht. Pro Abend verkaufen wir über 200 Portionen Poulet – Boswiler Poulet. Aber es kommen wohl auch viele in die Bar, ohne bei uns zu essen», mutmassen sie.
Den Kontakt halten die Oldies aber das ganze Jahr hindurch, mit verschiedenen Anlässen. Kommt hinzu, dass der Aufwand für die zwei Abende gross ist. Im Herbst beginnt die Suche nach einem Lokal, im Januar starten die baulichen und dekorativen Arbeiten, vor allem für Zweiteres sind die Oldies bestens bekannt. «Bis alles vorbei und das Geld übergeben ist, wird es fast Frühling.»
Entscheide zusammen fällen und tragen
20 Jahre, immer neue Mottos, neue Orte. «Die Ideen gehen uns nicht aus», sagt Jolanda Berger. Weltall, Indianer, Café Federal – die Liste an möglichen Mottos ist noch lang. Und für Nachwuchs ist gesorgt. Neben den Nachkommen der Gründer kamen auch immer wieder neue Leute aus dem Dorf hinzu. Anfragen gabs seitens der Oldies, Anfragen gabs aber auch seitens von Fasnächtlern, die gerne Teil des Teams wären. «Solche Sachen, aber auch kleinere Details besprechen wir immer in der ganzen Gruppe. Wir entscheiden zusammen, alles.» Aktuell bauen sie zusammen, dekorieren, damit an der Fasnacht alles bereit ist – «für die Fasnacht mit Jung und Alt in tollem Ambiente».
Die Oldie-Bar an der Zentralstrasse 30 ist am Freitag, 21., und Montag, 24. Februar, jeweils ab 17 Uhr geöffnet. Mehr Infos: www.oldie-team.ch.


