Wohlen siegt, beide feiern
07.01.2020 EishockeyDas Eishockey-Derby bietet beste Unterhaltung
Auch das zweite Derby der Saison geht mit 6:4 an den HC Wohlen Freiamt. 150 Zuschauer sehen dem attraktiven Spiel zu.
Wohlen startet furios, schwächelt dann und freut sich am Ende über den Sieg und die ...
Das Eishockey-Derby bietet beste Unterhaltung
Auch das zweite Derby der Saison geht mit 6:4 an den HC Wohlen Freiamt. 150 Zuschauer sehen dem attraktiven Spiel zu.
Wohlen startet furios, schwächelt dann und freut sich am Ende über den Sieg und die drei Punkte. Fi-Gö verpennt den Start, bietet den Woh-
lern im Anschluss Paroli und ist im letzten Drittel in Unterzahl sogar die bessere Mannschaft. So können die Fischbach-Gösliker trotz der 14. Derby-Niederlage in Serie mit ihrer Leistung zufrieden sein. Neben dem guten Spiel stimmen die vielen Zuschauer und die gute Stimmung positiv. --jl
Endlich wieder Derbystimmung
Eishockey, 3. Liga: HC Wohlen Freiamt – HC Fischbach-Göslikon 6:4 (3:1, 3:2, 0:1)
Offiziell sind es 150 Zuschauer, die zusehen, wie Wohlen das 14. Derby in Folge gegen Fischbach-Göslikon mit 6:4 gewinnt. Trotz des Resultats ist das Fazit der Partie: «Im Freiämter Derby herrscht wieder Feuer auf dem Eis.» Dafür ist primär ein Mann verantwortlich.
Josip Lasic
In wenigen Sekunden ist das Derby zwischen Wohlen und Fischbach-Göslikon vorbei. Spielstand: 6:3 aus Sicht der Wohler «Huskys». Die Entscheidung ist gefallen. Dennoch peitschen die Fans beider Lager ihre Teams weiter an. Acht Sekunden vor Schluss fällt das 4:6 durch Aebischer. Fi-Gö feiert, als wäre es der Siegtreffer. Zumindest das letzte Drittel ging durch das Goal mit 1:0 an die Fischbach-Gösliker. Kurz nach dem Tor fällt die Schlusssirene. Freude bei beiden Teams und ihren Fans.
Die offizielle Zuschauerzahl ist 150. Der HC Wohlen Freiamt schreibt später auf der Vereins-Facebook-Seite von rund 250 Besuchern. Die Quantität ist nicht entscheidend. Die Qualität umso mehr. Beide Seiten wurden bis zuletzt angefeuert und lautstark unterstützt. Oder wie es Wohlens David Steuri sagt: «Das war ein geiles Derby.»
Nietlisbach: der «Feuermacher»
Ein Mann kriegt bei den Zuschauern besondere Aufmerksamkeit. Auf einem handgeschriebenen Plakat steht «Hopp Joel» geschrieben. Gemeint ist Joel Nietlisbach, Spielertrainer von Fi-Gö. «Das mit dem Plakat war meine Familie. Sie konnten das erste Mal ein Spiel von mir bei Fi-Gö besuchen», sagt Nietlisbach.
Der Fi-Gö-Coach ist nach der Partie in aller Munde. Grund: Seit seiner Ankunft als Fi-Gö-Trainer ist wieder Feuer im Derby. Dank dem «Feuermacher» sind die Zuschauerzahlen im Derby wieder steigend, die Ergebnisse wieder enger. In den letzten vier Jahren besuchten nur bei der Eröffnung der neuen Eisbahn im Oktober 2018 mehr Leute das Derby als in den beiden Partien in dieser Saison. (siehe Box). Die Resultate waren in dieser Zeit auch sehr eindeutig. Mit einer 0:2-Niederlage am 26. November 2016 erzielte Fi-Gö in dieser Phase das beste Ergebnis. Viele Stimmen wurden laut, dass es keine echten Derbys mehr gibt, da die Spannung fehlt und so auch die Zuschauer. Das gilt aber nicht für diese Saison.
Nietlisbach hat mit den Fischbach-Göslikern viel an der Kondition gearbeitet. Durch seine Verbindungen zu den Argovia Stars hat er neue Spieler ins Team gebracht. Zuletzt bringt er selbst zusätzliche Qualität auf das Eis. So ist Fi-Gö stärker geworden und näher an Wohlen herangekommen. Die Derbys sind spannender und für die Zuschauer attraktiver.
Wohlen hat grossen Respekt
Der Tabellendritte aus Wohlen war vor der Partie dennoch Favorit. Das erste Derby der Saison ging aber nur knapp mit 6:4 an den Favoriten. Fi-Gös Siegesserie gegen Rheinfelden, Herrischried und Lausen hinterlässt bei Wohlen ebenfalls Eindruck. «Wir hatten enormen Respekt vor Fi-Gö», sagt Wohlens Spielertrainer Patrick Siegwart. Dementsprechend legt sein Team los. Steuri erzielt nach 29 Sekunden das 1:0. Nach fünf Minuten steht es dank Amstutz und Schmuki 3:0. Nietlisbach: «Wir haben zu Beginn alles falsch gemacht, was wir nur konnten.» Der Spielertrainer nimmt ein Time-out, korrigiert sein Team. Das Spiel wird ausgeglichener. In der 10. Minute verkürzt Lars Simmen auf 1:3. So endet das erste Drittel.
Fi-Gö trotz Absenzen in guter Verfassung
Das zweite Drittel beginnt mit dem 2:3-Anschlusstor durch Serafini. Die Freude währt nicht lang. Zwei Minuten später trifft Amstutz zum 4:2. Meyer erhöht auf 5:2. Auf das 5:3 von Serafini folgt postwendend die Antwort von Wohlen. Brünisholz trifft nur Sekunden später zum 6:3. So endet das 2. Drittel. «Unser Vorteil war, dass wir jede Hoffnung von ihnen gleich im Keim ersticken konnten», sagt Siegwart. Urs Simmen, Coach der Fischbach-Gösliker, der Nietlisbach an der Seitenlinie unterstützt, sagt: «Die Wohler sind alle torgefährlich. Uns hingegen fehlt ein Knipser», so Simmen. «Schade. Wir haben einige gute Chancen vergeben.»
Die Fischbach-Gösliker haben mehrere Absenzen. Bei einigen Fi-Gö-Fans ist die Befürchtung da, dass das Team im letzten Drittel konditionell einbricht. Stattdessen scheint es, als würden die Fischbach-Gösliker die Wohler brechen wollen. Das Spiel wird ruppiger, die Strafen zahlreicher. «Das gehört zum Derby dazu. Die Schiedsrichter hätten da mehr Fingerspitzengefühl zeigen müssen», sagt Wohlens David Steuri. Fi-Gö kassiert gleich sieben Zeitstrafen im letzten Drittel. Wohlen nur eine. Besonders bitter für Fi-Gö, Nietlisbach kassiert zwei plus zehn Minuten wegen einem Bandencheck und einer automatischen Disziplinarstrafe. «Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass uns das nicht entgegenkam», sagt Siegwart.
Fischbach-Göslikon: ein würdiger Gegner
Doch Fi-Gö agiert auch ohne den Spielertrainer stark. Wohlen spielt in Überzahl ein gutes Powerplay. Fi-Gö verteidigt kämpferisch. Trotz weniger Tore bleibt das letzte Drittel sehenswert, das Derby spannend. Obwohl die meiste Zeit in Unterzahl agierend, holt Fi-Gö das 4:6. «Wir können mit unserer Leistung zufrieden sein. Wohlen hätte gemessen am Kader und den Ansprüchen mehr gegen uns herausholen müssen», sagt Simmen. Das sieht auch Siegwart so. «Wir waren nicht besser, wir waren nicht cleverer. Es war der bessere Start und die Effizienz, die uns den Sieg gebracht haben.» Sowohl auf Wohler wie auf Fischbach-Gösliker Seiten ist man aber glücklich, dass die Derbys wieder spannender sind. Und Einigkeit herrscht auch darüber, wer dafür verantwortlich ist. Siegwart: «Nietlisbach macht einfach eine grandiose Arbeit bei Fi-Gö.» Simmen: «Er spielt für zwei und ist unglaublich wertvoll für uns. Das Team hat viel mehr Selbstvertrauen und Moral als in den Vorjahren. Wohlen konnte man die Anspannung ansehen.»
Nur Nietlisbach selbst bleibt bescheiden. «Das hat nichts mit meiner Person zu tun. Im Verein machen alle eine gute Arbeit. Sei es der Präsident, mein Co-Trainer oder die Spieler. Wir trainieren darauf hin, Wohlen eines Tages schlagen zu können. Momentan sind sie noch ausser unserer Reichweite.» Wohlen gehört zu den Top-Teams der Liga und wird voraussichtlich die Play-off-Plätze erreichen. Im Derby ist Fi-Gö mittlerweile
RESULTATE EISHOCKEY
3. Liga
Wohlen Freiamt – Fischbach-Göslikon 6:4. Argovia Stars – Rheinfelden 9:6. Reinach – Binningen 6:3. Lausen – Herrischried 1:9.
1. Argovia Stars 10 10 0 68:28 29 2. Herrischried 11 8 3 68:40 25 3. Wohlen Freiamt 11 8 3 62:40 23 4. Reinach 11 5 6 46:52 16 5. Binningen 11 5 6 52:45 15 6. Fischbach-Göslikon 10 3 7 38:54 9 7. Rheinfelden 11 2 9 39:74 7 8. Lausen 11 2 9 27:67 5
Wohlen – Fi-Gö 6:4 (3:1, 3:2, 0:1)
Eisbahn Wohlen. – 150 Zuschauer. – SR: Egli/Ryser. – Tore: 1. Steuri 1:0, 4. Amstutz 2:0, 6. Schmuki 3:0, 10. L. Simmen 3:1, 22. Serafini 3:2, 24. Amstutz 4:2, 34. Meyer 5:2, 37. Serafini 5:3, 38. Brünisholz 6:3, 60. Aeschbacher 6:4.
Wohlen: Reusser, Klaas; Andrist, Vetter, Meyer, Pfiffner, Schmuki, Gubler, Frei, Siegwart, Gnepf, Steuri, Wernli, Sulser, Brünisholz, Amstutz.
Fi-Gö: Günter, Baldinger; Di Federico, Seiler, Michel, L. Simmen, Serafini, Aeschbacher, Hutter, Poschung, Konrad, Hartmeier, Nietlisbach.
Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen Wohlen, 7-mal 2 Minuten und 1-mal 10 Minuten gegen Fi-Gö.
Die Derbys der letzten vier Saisons
4. Januar 2020: Wohlen – Fi-Gö 6:4 150 Zuschauer
10. November 2019: Fi-Gö – Wohlen 4:6 136 Zuschauer
27. Januar 2019: Fi-Gö – Wohlen 2:12 70 Zuschauer
20. Oktober 2018: Wohlen – Fi-Gö 9:2 300 Zuschauer
4. Februar 2018: Fi-Gö – Wohlen 1:8 74 Zuschauer
2. Dezember 2017: Wohlen – Fi-Gö 7:1 70 Zuschauer
4. Februar 2017: Wohlen – Fi-Gö 6:0 45 Zuschauer
26. November 2016: Fi-Gö – Wohlen 0:2 60 Zuschauer



