Mit Freude im neuen Amt
17.01.2020Meinrad Meyer, neuer Einwohnerratspräsident
Aufgewachsen ist er in Villmergen. So richtig zu Hause ist Meinrad Meyer in Wohlen. Auch deshalb ist die lokale Politik sein grosses Hobby. Seit Anfang 2011 ist er für die CVP im Einwohnerrat aktiv, die letzten beiden Jahre als ...
Meinrad Meyer, neuer Einwohnerratspräsident
Aufgewachsen ist er in Villmergen. So richtig zu Hause ist Meinrad Meyer in Wohlen. Auch deshalb ist die lokale Politik sein grosses Hobby. Seit Anfang 2011 ist er für die CVP im Einwohnerrat aktiv, die letzten beiden Jahre als Vizepräsident. Nun ist Meyer neuer Einwohnerratspräsident, der sich auf die kommenden zwei Jahre freut. Wohlen sei viel besser, als darüber gesprochen wird, sagt er im Interview. Zudem fordert der neue Parlamentspräsident, dass es an etlichen Stellen und bei diversen Geschäften vorwärtsgeht: Beim Isler-Areal, beim Merkur-Areal, bei der Belegung des Gemeindehauses. Zudem sollte das steigende Verkehrsaufkommen mitten im Zentrum behoben werden. --dm
«Ein wenig Druck darf schon sein»
Interview mit Meinrad Meyer (CVP), neuer Einwohnerratspräsident für die kommenden zwei Jahre
Es ist ihm eine Ehre. Das ist spürbar. Auch mit viel Freude geht Meinrad Meyer das Präsidium des Einwohnerrates an. Er will aber Zeichen setzen. Meyer fordert vom Gemeinderat bei verschiedenen Punkten, «dass etwas geht», sagt er. «Und der Gemeinderat darf die Prioritäten auch neu überdenken».
Daniel Marti
Wenn es ein Bild zum Interview gibt, dann bitte vor dem Isler-Areal oder dem Merkur-Areal oder vor dem Gemeindehaus. Dort müsse endlich etwas gehen. Dieser Bilderwunsch von Ihnen verdeutlicht, dass Sie anscheinend besondere Forderungen stellen. Ist das so?
Meinrad Meyer: Ja, natürlich ist das so. Ich kann es beispielsweise nicht verstehen, dass die Zukunft des Isler-Areals auf der Prioritätenliste so weit hinten steht. Man muss dieses Areal, das der Gemeinde gehört, endlich aktiv angehen.
Stichwort Merkur-Areal.
Da ist sogar eine Motion hängig. Die ähnlich lautende Motion der CVP wurde nicht überwiesen, dafür die Motion des Handwerker- und Gewerbevereins Wohlen. Der Gemeinderat muss doch endlich diesen Auftrag umsetzen. Die Überweisung war ja nicht gestern.
Im Mai werden es zwei Jahre sein. Eigentlich müssten nach einem Jahr Bericht und Antrag erfolgen …
Genau. Die Infrastruktur des Merkur-Areals muss verbessert werden, damit das Landstück besser zugänglich wird. Nun habe ich mit Verwunderung gelesen, wie der Gemeindeammann mit diesem Landstück umzugehen gedenkt. Dabei müsste er seit bald einem Jahr seine Haltung darlegen und die bessere Zugänglichkeit und die bessere Infrastruktur des Areals anstreben.
Und warum haben Sie das Gemeindehaus genannt, wo etwas gehen sollte?
Das Gemeindehaus ist das Zentrum der Politik von Wohlen. Auch die Raumnot im Gemeindehaus sollte aktiv angepackt werden. Die Auslagerung der Regionalpolizei muss nun endlich passieren. Der Einwohnerrat wartet seit dem vergangenen Herbst auf die revidierte Vorlage.
Gibt es weitere Brennpunkte, bei denen Sie einen Fortschritt verlangen?
Gewiss doch. Da wäre vor allem eine Forderung der CVP. Diese betrifft das neue Konzept und die neue Gestaltung der Zentralstrasse. Es ist mir bewusst, dass dieses Projekt in Aarau hängig ist. Aber der Gemeinderat sollte hier alles in Bewegung setzen, damit es endlich vorwärtsgeht. Denn eine Aufwertung der Zentralstrasse bedeutet auch eine Attraktivitätssteigerung für Wohlen. Unser Parteipräsident Harry Lütolf ist der einzige Politiker, der sich für die Verbesserung der Zentralstrasse einsetzt. Vom Gemeinderat vernimmt man über dieses Projekt nichts, weil er wohl auch nichts tut.
In der Regel kann der Einwohnerratspräsident jedoch die politische Agenda nicht bestimmen. Die gibt der Gemeinderat vor. Wollen Sie trotzdem Ihre politischen Ziele durchsetzen?
Eine Durchsetzung ist nicht einfach. Aber man muss doch immer wieder an diese Forderungen erinnern und der Gemeinderat darf durchaus auch die Prioritäten neu überdenken. Natürlich ist es mir bewusst, dass die Ressourcen der Verwaltung begrenzt sind. Und ich will mich dabei als Einwohnerratspräsident nicht in den Vordergrund stellen. Ich will auch nicht den Eindruck erwecken, dass ich dem Gemeinderat die politische Agenda diktieren will. Aber ein wenig Druck darf schon sein.
Welches sind die Ziele, die Sie als Einwohnerratspräsident verfolgen?
Natürlich habe ich mir Ziele gesetzt. Ich will zielgerichtete und kurze Debatten. Und Verzögerungen der wichtigen Geschäfte sollen vermieden werden.
… und Sie wollen wie alle Einwohnerratspräsidenten neutral auftreten.
Gewiss. Aber als Mann der Mitte ist das für mich ganz normal. Ich möchte das Präsidium zielgerichtet und konsensfähig weiterführen.
Alle Ihre Vorgänger nannten noch die pendenten Vorstösse, die unbedingt abgearbeitet werden sollen.
Ich muss die nicht explizit nennen. Das sollte normal sein. Aber es ist störend, wenn Einwohnerratssitzungen abgesagt werden und gleichzeitig hat es viele pendente Vorstösse.
Das neue Jahr ist noch jung. Haben Sie sich allgemeine Vorsätze gemacht?
Nein, es gibt keine speziellen Vorsätze. Bei mir und meiner Familie ist alles gut. Mit 62 möchte ich nun politisch nochmals Vollgas geben. In zwei Jahren folgt dann ein anderer Lebensabschnitt.
Seit dem 1. Januar sind Sie Einwohnerratspräsident. Wie fühlt sich das an, hat sich Ihr Leben bereits verändert?
Eine Veränderung spüre ich noch nicht. Ich bin gespannt, was alles auf mich zukommen wird. Ich freue mich extrem auf die zwei Jahre als Einwohnerratspräsident und fühle mich auch geehrt.
Ein Wort zu Ihrem Vorgänger Edi Brunner, Sie hatten ja als Vize viel Kontakt zu ihm.
Wir hatten eine sehr angenehme Zusammenarbeit. Ich habe durch ihn gelernt, den Ratsbetrieb vorzubereiten. Ich war mit Edi Brunner am Treffen der Aargauer Einwohnerratspräsidenten. Dieser Dialog und dieser Austausch waren positiv und sinnvoll.
Und was nehmen Sie von Ihrem Vorgänger mit?
Die Neutralität bewahren und sachbezogen bleiben. Und man darf in der Politik den Humor nicht verlieren, wenn etwas nicht sofort funktionieren sollte. Man darf auch im politischen Leben nicht alles so tierisch ernst nehmen.
Edi Brunner hätte als Ratspräsident am liebsten weitergemacht. Wird Ihnen das in zwei Jahren ebenfalls passieren?
In Anbetracht dessen, dass ich am Ende der zwei Jahre als Einwohnerratspräsident langsam Richtung Pension gehen werde, passiert mir das bestimmt nicht. Sofern ich gesund bleibe, möchte ich dann mit meiner Frau zusammen ein paar andere Ziele anvisieren. Wir haben dann sicherlich die eine oder andere schöne Reise auf dem Plan.
Das Einwohnerratspräsidium soll Ihr politischer Höhepunkt werden, haben Sie bereits vor zwei Jahren gesagt. Warum eigentlich?
Als Präsident einem Parlament vorstehen zu dürfen, das sehe ich schon als politischen Höhepunkt. Hätte ich andere politische Ziele verfolgt, dann hätte ich viel früher politisieren müssen.
Warum sind Sie überhaupt in die Politik eingestiegen? Sie sind seit dem 1. Januar 2011 im Rat.
Ich bin damals nachgerutscht. Den Einstieg habe ich dem ehemaligen Gemeinderat Ruedi Donat zu verdanken. Er hat mich damals spontan angesprochen. Ich überlegte mir das dann gründlich.
Was war der besondere Reiz?
Wenn ich etwas anpacke, dann möchte ich es richtig machen. Ich hatte stets Interesse an der Politik. Und als meine Tochter erwachsen wurde, traute ich mir zu, ein neues Ziel anzustreben. Und ich wollte etwas bewegen und mitgestalten.
Und die CVP war gleich die richtige Adresse?
Ich hatte noch nie extreme Ansichten. Ich bin auch gegen Populismus, und zwar von links und rechts. Die Ausgewogenheit, die Kompromisse, die Mitte haben die Schweiz gross gemacht. Extreme Politik ist in der Regel nicht gut – weder für den Einzelnen noch für die Gesellschaft. So ist mir nur die CVP übrig geblieben. Ich würde aber heute nochmals genau gleich entscheiden.
Höhere politische Ambitionen gab es nicht?
Ich war einmal ein Listenfüller bei den Grossratswahlen, ohne eigene Ambitionen, wichtig aber für die Partei. Wie schon betont, wenn ich eine politische Karriere angestrebt hätte, hätte ich mich in der Politik viel früher und viel stärker engagieren müssen.
Die Politik sehen Sie also als Hobby?
Genau. Jetzt ist die Politik mein grosses Hobby. Arbeiten, Familie, Biken, Kochen und gut essen zählen allerdings auch zu meinen Hobbys.
Ganz anderes Thema. Wohlen braucht in den nächsten zehn Jahren 140 Millionen Franken für Investitionen. Wie schafft Wohlen das?
Wenn nicht jetzt, wann dann? Bei der jetzigen Geldpolitik darf man doch nicht weiter abwarten, die Zinspolitik ist für Investitionen äusserst günstig. Es ist mir bewusst, dass alle Investitionen finanziert und bezahlt werden müssen. Aber es ist für eine Gemeinde gleich wie im privaten Bereich: Auch Private müssen investieren, wenn sie weiterkommen wollen.
Und es braucht alles, was diese 140 Millionen Franken beinhalten?
Ja. Nur mit einer guten Infrastruktur kann man gute Steuerzahler anlocken. Es gibt Infrastrukturen, bei denen Wohlen nicht so schlecht dasteht. Aber wir müssen Wohlen als Ganzes attraktiver und wohnlicher machen. Wohlen ist nicht in allem so schlecht, wie es oft dargestellt wird. Dies gilt sogar für die Finanzlage. Je länger man mit Investitionen wartet und diese nicht anpackt, desto teurer wird alles.
Wichtigste Punkte betreffen den Bildungsbereich. Die neue Dreifach-Sporthalle kostet 17,5 Millionen Franken, das Halden-Schulzentrum 55 Millionen. Das ist trotzdem alles unbestritten?
Ja, das muss unbestritten sein. Es braucht diese Dreifach-Sporthalle dringend. Zudem ist es ein sehr gutes Projekt. Die bestehende Hofmattenanlage wird damit weiter optimiert und aufgewertet.
Diskussionen werden die Kosten trotzdem auslösen …
Wir Politiker müssen diese beiden Grossprojekte möglichst positiv verkaufen. Und wichtige Argumente gibt es auch. Die Investitionen in den Schulraum sind bitternötig. Und Investitionen steigern die Attraktivität der Gemeinde. Die Wirtschaft funktioniert auch so, nur mit Investitionen gibt es Wachstum.
Sie haben Einfluss, wie diese Grossprojekte die Hürde Einwohnerrat nehmen.
Da gibt es hoffentlich eine grundsätzliche und positive Empfehlung. Wenn etwas richtig positiv aus dem Einwohnerrat zum Stimmvolk gelangt, dann steigen die Chancen für eine Annahme. Dies gilt sogar für das Budget und eine Steuerfusserhöhung. Wir Einwohnerratsmitglieder müssen eine klare Botschaft zur Bevölkerung bringen. Bei Sporthalle und Schulraum müssen alle Parteien die Botschaft vermitteln, dass es beide Grossprojekte unbedingt braucht.
Aber es hat lange gedauert, bis in diesen Bereichen Lösungen auf dem Tisch waren. Kann das nicht zum Nachteil werden?
Ich denke nicht. Mit jedem Jahr, das weiter vergeht, spitzt sich die Situation zu. Wegen der langen Dauer, bis die Projekte spruchreif sind, scheitert es nicht. Schulraum und Dreifachhalle sind Investitionen in die Zukunft. Die Bildung ist extrem wichtig.
Anderer wichtiger Punkt, der viele stört: Wohlen versinkt im Verkehr. Warum? Und wie sehen Ihre Lösungsansätze aus?
Meinrad Meyer: Das stört mich extrem. Die Sanierung der Nutzenbachstrasse wird vielleicht Entlastung bringen. Eine Umfahrung – ob Südumfahrung oder eine andere Route – muss unweigerlich zum Thema werden. Eine Umsetzung braucht ja ohnehin viel Zeit. Beispielsweise bekommt Sins eine Umfahrung. Wir gegenwärtig nicht. Eine Umfahrung ist kein Allheilmittel. Aber stellen Sie sich mal Bremgarten ohne Umfahrung vor. Alles würde sich immer noch durchs Städtchen zwängen. Fürchterlich. Eine neue Verkehrszählung wird in Wohlen neue Resultate liefern. Übrigens wurde eine solche Zählung durch den Kanton von der CVP angestossen.
Wachstum ist allgegenwärtig und führt zu mehr Verkehr. Der Bauboom ist überall spürbar. Warum wollen denn so viele Menschen nach Wohlen?
Weil Wohlen besser ist als das, was über Wohlen geredet wird. In diesem Satz steckt viel Wahrheit. Wohlen muss doch eine gute Adresse sein. Viele Menschen von ausserhalb kommen nach Wohlen zum Einkaufen. Sehr viele junge Menschen kommen von anderen Gemeinden nach Wohlen in die Schule. Zudem gibt es hier ein vielfältiges kulturelles Angebot.
Schauen wir voraus. Wie sieht Ihr Wohlen in zwei Jahren nach Ihrem Präsidium aus?
Hoffentlich sind dann beide Grossprojekte bewilligt. Und sogar im Bau. Ich hoffe, dass ich bei der Busbahnhof-Einweihung im Herbst 2021 dabei sein kann. Eventuell gibt es dann ein grosses Fest, was Wohlen echt gut tun würde. Die letzten grossen Dorffeste sind schon lange her. Es waren die Hagewo 2015 und der Donnschtig-Jass 2017 auf dem Merkur-Areal. Grossartig. Ich schaue gerne den neuen Sternenplatz als gutes Beispiel an. Dieser Platz zeigt, wie schöne und wertvolle Sachen entstehen können. Das wünsche ich mir auch für die nächsten zwei Jahre.
Und wie soll Wohlen in zehn Jahren aussehen?
Bis in zehn Jahren sollte sich das gesamte Bahnhofareal weiterentwickelt haben, also auch die Seite beim Freiverlad. Verkehrstechnisch sollte dann vieles in Planung sein, eventuell sogar die Südumfahrung. Und die Zentralstrasse ist bis dann zu neuem Leben erweckt. Schuldenlos wird Wohlen bis im Jahr 2030 nicht sein. Auch wenn der aktuelle Finanzplan bis dann zu 80 Prozent umgesetzt sein wird, sollte die Gemeinde die Finanzen im Griff haben. Nur mit Sparen erreicht man nicht viel. Es braucht auch eine Einnahmenseite. Nur so kann man die Attraktivität steigern. Und vielleicht ist Wohlen bis in zehn Jahren sogar eine Stadt.
Persönlich
Meinrad Meyer nimmt seit dem 1. Januar 2011 Einsitz im Einwohnerrat. In den letzten beiden Jahren (2018 und 2019) war er Vizepräsident des Dorfparlaments. Nun ist er in den Jahren 2020 und 2021 als Einwohnerratspräsident auch höchster Wohler. Meinrad Meyer (Jahrgang 1958) ist in Villmergen aufgewachsen, Villmergen ist auch sein Heimatort. Über Horgen kam er dann nach Wohlen, wo er jetzt eingebürgert ist. Er ist gelernter Maschinenkonstrukteur, mittlerweile ist er in einer Maschinenbaufirma Abteilungsleiter und Chef für Umbauten. Meinrad Meyer ist seit 35 Jahren verheiratet, Vater einer erwachsenen Tochter und stolzer Grossvater einer Enkeltochter.



