Freiämter Hilfe für Flüchtlinge
10.01.2020 JonenMit dem Team von «Help Now» reiste Sandro Covo über die Feiertage nach Bosnien
Es waren ganz andere Weihnachten für Sandro Covo. Über die Feiertage reiste er mit dem Team von «Help Now» nach Bosnien an die Balkanroute, um Spenden und ...
Mit dem Team von «Help Now» reiste Sandro Covo über die Feiertage nach Bosnien
Es waren ganz andere Weihnachten für Sandro Covo. Über die Feiertage reiste er mit dem Team von «Help Now» nach Bosnien an die Balkanroute, um Spenden und Schlafsäcke in den Flüchtlingscamps zu verteilen.
Chantal Gisler
Das Schlimmste sei die ausweglose Lage. Die teils prekären Situationen in den Flüchtlingscamps, die sind Sandro Covo besonders in Erinnerung geblieben. Während einer Woche waren sieben Mitglieder des Hilfswerks «Help Now» mit Sitz in Bremgarten auf der Balkanroute unterwegs, um die Flüchtlinge vor Ort zu versorgen. Sie sind in Bosnien, genauer gesagt in Sarajewo. «Da war diese Familie», erinnert sich Sandro Covo. «Sie standen zu fünft auf der Strasse, die Frau hatte ein Baby in den Armen.» Es war Abend und schon relativ kühl. «Wir machten uns Sorgen.» Die Gruppe näherte sich der Familie. «Wir fragten sie, ob sie einen Raum für die Nacht haben.» Es würde kalt werden, die Temperaturen würden bestimmt unter null Grad sinken. «Die Familie erklärte uns, dass sie keinen Raum zur Verfügung hat. Sie hat das Lager verlassen, weil es dort nicht mehr sicher war und die Umstände für die Kinder und vor allem für das Baby schlimm seien.» Das Lager, so die Familie, sei völlig überfüllt. Es sei auch nicht eingerichtet, um Familien zu versorgen. Für die Kinder ist es nie ruhig und es gebe immer wieder Konflikte unter den Flüchtlingen.
Die Familienmitglieder wirken angespannt. Sie versuchen, einen Ort für die Nacht zu finden. Bislang erfolglos. Das können Covo und seine Kollegen nicht mitansehen. Kurzerhand beschliessen sie, der Familie zu helfen. «Wir haben mit den Menschen gesprochen und schliesslich ein Hostel mit einem Zimmer gefunden, wo wir die Familie unterbringen konnten.»
Die Politiker müssten handeln, um das Problem zu lösen
Covo weiss, dass die Hilfe der Gruppe nur ein Tropfen auf dem heissen Stein ist. Um die Situation längerfristig zu entspannen, bräuchte es vor allem politisches Engagement. Nicht nur von der Schweiz, von der gesamten Europäischen Union. Und vor allem: «Man muss die Fluchtursachen bekämpfen und nicht die Flucht.» Ziel sollte es sein, legale und sichere Fluchtwege zu schaffen. «Besonders für Familien mit Kindern oder für Kinder, die alleine unterwegs sind.» Längerfristig müsste man für die Menschen Perspektiven schaffen. Nicht nur für die Flüchtlinge, auch für die Bosnier. Denn: «Auch viele Bosnier wollen weg.»
Solche Aussagen hört die Gruppe auf ihrer Reise immer wieder. «Die Bosnier sind sehr hilfsbereit, auch den Flüchtlingen gegenüber. Sie lassen die Flüchtlinge bei sich duschen und versuchen, ihnen so gut es geht zu helfen», erzählt der Joner. In Sarajewo arbeiteten die Schweizer mit Anwohnern zusammen, die bei ihren Bekannten Spenden sammeln, um Essen und andere notwendige Sachen zu besorgen. «Sie sind aber auch genervt, weil sie sich von den anderen Ländern im Stich gelassen fühlen.» Weder der bosnische Staat noch die EU nimmt ihre Sorgen ernst.
Zu viele Flüchtlinge, zu wenig Platz
Insgesamt steuerte die Gruppe drei Orte in Bosnien an. Der erste Halt in der Stadt Bihac brachte Covo Hoffnung. «Die Situation dort ist besser als vor einem Jahr. Aber es schlafen noch immer Menschen in ungeheizten Zelten. Die medizinische Versorgung ist noch immer nicht gut, aber immerhin ist jetzt regelmässig ein Arzt im Lager.»
Etwas prekärer ist die Situation in Velika Kladusa, obwohl es hier auf den ersten Blick besser zu sein scheint. «Es wirkt aufgeräumter und ruhiger, aber das Lager ist massiv überbelegt.» Immerhin gibt es einen separaten Bereich für unbegleitete Minderjährige, damit sie es ein wenig ruhiger haben. Auch warmes Wasser sollte es theoretisch geben. Aber hier stösst das Lager an seine Grenzen: «Die Infrastruktur ist nicht für so viele Menschen ausgelegt.»
Auch können wegen der Überbelegung nicht alle Menschen registriert werden. Und hier liegt das Problem: «Registriert werden kann nur, wer einen Schlafplatz im Lager hat. Aber die Registrierung ist notwendig, um Essen zu erhalten. Das hat aber nichts mit dem Geld zu tun, sondern ist eine bürokratische Schikane.» Das Schlimmste dabei: «Die Angestellten im Lager müssen überschüssiges Essen wegwerfen, obwohl es viele Menschen im Lager gibt, die grossen Hunger haben.»
Weitere Reise
Für das Team um Sandro Covo ist klar, dass noch viel Arbeit vor ihm liegt. Aus diesem Grund wird der Leiter von «Help Now», der Bremgarter Stefan Dietrich, im Februar wieder nach Bosnien reisen. Aktuell sammelt er für die Reise Schlafsäcke und Spenden für die Flüchtlinge. Seit Herbst 2015 hat «Help Now» 12 Hilfsaktionen durchgeführt.
Spenden an «Help Now» auf IBAN CH79 0900 0000 6120 9530 2, Postkonto: 61-209530-2.






