«Ich fahre am liebsten allein»
17.01.2020 MutschellenRudolfstetten: Urs Schweizer hat die USA von Ost nach West mit seinem Motorrad durchquert
Ein einsamer Fahrer auf der einsamsten Strasse der USA: 12 000 Kilometer hat Urs Schweizer mit seiner «Lady» in zehn Wochen zurückgelegt. «Die Weite ist ...
Rudolfstetten: Urs Schweizer hat die USA von Ost nach West mit seinem Motorrad durchquert
Ein einsamer Fahrer auf der einsamsten Strasse der USA: 12 000 Kilometer hat Urs Schweizer mit seiner «Lady» in zehn Wochen zurückgelegt. «Die Weite ist grandios», sagt er.
Erika Obrist
Die USA haben es Urs Schweizer angetan. «Die Vereinigten Staaten sind für mich noch immer das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.» Diese Erkenntnis hat er nach mehreren Reisen gewonnen: Seit 2011 hat er jedes Jahr einen Teil seiner Ferien auf dem nordamerikanischen Kontinent verbracht. Er hat die Staaten auf dem Sattel eines Motorrads erkundet und er hat im Pferdesattel als Cowboy gearbeitet. «Meine Erinnerungen an diese Aufenthalte sind durchwegs positiv; die Menschen sind unglaublich nett.»
Zu seinem 65. Geburtstag im letzten Jahr hat sich Urs Schweizer selber ein Geschenk gemacht: Vom 7. Mai bis 15. Juli hat er mit seinem eigenen Motorrad, einer Indian Chief Vintage, die USA von Ost nach West durchquert. Von der Atlantik- zur Pazifikküste. Rund 5000 Kilometer auf dem Highway 50 – der einsamsten Strasse der USA. Mit allen Abstechern, die er unternommen hat, sind es an die 12 000 Kilometer geworden. Allein war der «Lonely Rider» unterwegs. Ohne Begleitung. Beinahe jedenfalls. «Ich fahre am liebsten allein.»
Ein Jahr lang hat er sich auf die Reise vorbereitet. Im Internet recherchiert. Etappen festgelegt. Behördengänge hinter sich gebracht. Als grösstes Hindernis entpuppte sich das Mitnehmen des eigenen Motorrads. «Ich kenne niemanden, der das schon gemacht hat.» Für Urs Schweizer sind Hindernisse dazu da, um aus dem Weg geräumt zu werden. Er hat international tätige Transportunternehmen angefragt, bei der DHL ist er fündig geworden. Sie hat ihm auch den Papierkrieg mit den Ämtern abgenommen.
Billette fürs «Indy 500» und Konzert von Paul McCartney
Von daheim aus gebucht hat Urs Schweizer den Hinflug nach New York samt erster Übernachtungsmöglichkeit, den Rückflug ab Los Angeles, Eintrittskarten für das Autorennen Indy 500 in Indianapolis und Eintrittskarten für das Konzert von Ex-Beatles-Mitglied Paul McCartney in Los Angeles. Bei diesem Konzert kam völlig überraschend auch Ringo Starr auf die Bühne und setzte sich ans zweite Schlagzeug. «50 Prozent der Beatles live – ein unglaubliches Erlebnis für mich», sagt der Beatles-Fan und Manager der «Sauterelles», die auch «Swiss Beatles» genannt werden.
Angekommen in New York konnte er seine «Lady» wie vereinbart bei einem Indian-Händler abholen. Bereit für das grosse Abenteuer. Als Urs Schweizer losfahren wollte, sprang der Motor nicht an. Die Batterie war tot. Eine neue musste her. Es war die einzige Panne auf der Fahrt durch die schier unendlichen Weiten des Kontinents. Einzig neue Pneus mussten nach etwa halber Strecke aufgezogen werden.
«Ich war ein Exot mit meinem Motorrad, das nicht weit verbreitet ist, und mit meinem AG-Nummernschild», lacht Urs Schweizer. Besonders das Nummernschild habe oft für Gesprächsstoff gesorgt abends im Restaurant oder in der Bar.
Abstecher mit den Söhnen
Jeden Abend hat Schweizer die Etappe für den nächsten Tag festgelegt und eine Übernachtungsmöglichkeit am Zielort über eine Internetplattform gebucht. «Mir war wohler so.» Auch weil er Fixpunkte vereinbart hatte auf seiner Reise: Auf einem Stück begleitete ihn ein Freund aus Genf, in Colorado stiessen seine Söhne Michael und Julian dazu. Mit ihnen machte er einen Abstecher in die Cowboy-Staaten Wyoming und South Dakota. 3000 Kilometer abseits des Highway 50 mit den Söhnen – für Schweizer ein spezielles Erlebnis.
Schweizer ist nicht nur ein Fan der USA, er mag auch Motorräder. Als junger Mann ist er 125er-Honda Chopper gefahren. Als Occasion gekauft von einem Kollegen. «Während eines Zivilschutzkurses hat mir dann ein Kawasaki-Händler ein Motorrad mit 1500 Kubik verkauft», staunt er heute noch über diesen Spontankauf. Diese hat er verkauft, als er zusammen mit seiner Frau Brigitte ein Haus gebaut hat. Danach war es vorerst vorbei mit dem Motorradfahren. «Vor zehn Jahren habe ich mir dann eine Harley zugelegt.» Sechs Jahre später ist er auf die Indian umgestiegen. «Diese habe ich an einer Motorradausstellung in Zürich gesehen und ich wollte sie unbedingt haben.»
Vom Blog zum Buch
Mit dieser Indian, seiner «Lady», ist er quer durch die USA gefahren. Seine Erlebnisse und seine Reiseroute hat Schweizer jeden Tag in einem Blog festgehalten. Ebenfalls festgehalten hat er die Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch wert sind. Dazu Geschichtliches und Kulturelles zu den Orten, an denen er haltgemacht hat. Und davon gibt es reichlich.
Wieder daheim hat ihm ein Kollege geraten, seine Blogeinträge zu einem Buch zusammenzufassen. Schweizer war angetan von dieser Idee, «zumal es keine amerikanische Literatur über den Highway 50 gibt». Während drei Monaten hat Schweizer die Einträge überarbeitet und mit weiteren Informationen und Bildern angereichert. «Ich bin die ganze Strecke im Internet nochmals gefahren und habe geschaut, was es noch anzuschauen gibt.» Das Buch sei dadurch noch reichhaltiger geworden als der Blog. Korrekturlesen und setzen – alles hat er selber gemacht. Der eine oder andere Rechtschreibfehler sei womöglich nicht ausgemerzt. «Aber wichtig ist das Erlebnis, das Authentische.» Das Buch, das letzten Dezember erschienen ist, hat Schweizer im Eigenverlag herausgegeben. Bereits wurde die zweite Auflage gedruckt. Es liegt auch bei Harley- und Indian-Motorradgeschäften auf. «Nun bin ich am Prüfen, ob und wie ich das Buch eventuell auf den Markt bringen kann.»
«Vielleicht hilft es dem einen oder anderen»
«Es hat mir Freude gemacht, meine Erlebnisse festzuhalten», so Schweizer. Geschrieben sind die Texte in seinem Stil. Die Sprache ist verständlich, die Bilder sind sehenswert. «Vielleicht hilft es dem einen oder anderen, der diese Reise auch einmal unter die Räder nehmen will», so Urs Schweizer. Sein Traum: «Eine unbekannte Person ruft mich eines Tages an und teilt mir mit, dass sie mit meinem Buch im Gepäck quer durch Amerika gefahren ist.»
Näheres zum Highway 50 und zum Buch unter www.highway50.ch. Hier steht auch, wo man das Buch beziehen kann.






