Ohne Hochrechnung zum Sieg
05.11.2019 RingenRingen, Nationalliga A, 8. Runde: Freiamt – Kriessern 21:17 (14:5)
Freiamt steht nach acht von zehn Qualifikationsrunden im Halbfinal. Das Team von Marcel Leutert schlug mit einer abgeklärten Leistung in der Bachmattenhalle Muri ...
Ringen, Nationalliga A, 8. Runde: Freiamt – Kriessern 21:17 (14:5)
Freiamt steht nach acht von zehn Qualifikationsrunden im Halbfinal. Das Team von Marcel Leutert schlug mit einer abgeklärten Leistung in der Bachmattenhalle Muri Meister Kriessern. Nun gehts am nächsten Samstag gegen Einsiedeln darum, Willisau als Halbfi nalgegner zu verhindern.
«Ich mache nie eine Hochrechnung», antwortete Marcel Leutert auf die Frage, wie sein Punktebudget ausgesehen habe. Ein Trainer ohne klare Vorstellung? «Nein! Natürlich hatte ich ein Konzept, wie wir diesen wichtigen Sieg bewerkstelligen können», erklärt der Cheftrainer. «Ich erwartete 6:4 Siege für uns. Das ist aufgegangen.»
Die Ausgangslage nach dem Abwägen präsentierte sich offen, verriet aber bei «normalem» Verlauf der zehn Einzelkämpfe Vorteile für Freiamt. Die erste Hälfte verlief fast optimal für Freiamt. Beim Stand von 14:5 schienen die St. Galler Rheintaler schon so gut wie geschlagen. Meistertrainer Hugo Dietsche beugte sich in der Pause mit sorgenvollem Blick über ein Blatt mit der Aufstellung und konstatierte trotzig: «Wir können noch gewinnen.»
Kriesserns Aufbäumen …
Nach Wiederbeginn liess Marc Weber mit einem 9:1-Punktesieg die Kriessener Aktien weiter sinken. Doch just der späte Punktgewinn von Tobias Betschart liess das Momentum ins gegnerische Lager rutschen. Mit gütiger Unterstützung des Kampfrichters demütigte Dominik Laritz, vor vier Jahren noch Doppellizenzringer für Freiamt, Randy Vock mit einer 8:2-Ohrfeige. Das war für Ludwig Küng als Zuschauer zu viel. Mit harschen Worten geigte er nach dem Match dem Unparteiischen seine Meinung. «In den ersten 30 Sekunden erhielt Laritz vier Punkte für nichts. Das entschied diesen Topkampf. Das geht nicht», ereiferte sich der ehemalige Nationaltrainer.
… und die Antwort darauf
Freiamt führte drei Kämpfe vor Schluss nur noch 18:9. Eine Wende lag plötzlich in der Luft. Nun verwandelte sich die Bachmattenhalle vollends in ein Tollhaus. Die 500 Zuschauer peitschten die nächsten beiden Ringer frenetisch an. Weil der Weinfelder Yves Müllhaupt nicht zur Verfügung stand, kramte Marcel Leutert bis 79 kg Greco Reto Stadelmann aus der Reserve hervor. «Stadi» sah anfänglich gegen Andreas Bleiker nicht gut aus. Der 0:1-Rückstand nach drei Minuten durch eine Passivität war aber erträglich. Darauf steigerte sich der 34-jährige Rottenschwiler und gewann 3:1. Mit 20:10 Mannschaftspunkten war damit Freiamts Heimtriumph über den Meister gesichert. Die abschliessenden Niederlagen von Nico Küng und Joel Strebel liessen Kriessern nur noch auf 17:21 herankommen.
14-jähriges «Riesentalent»
Für Begeisterung hatte der Auftakt des Heimteams gesorgt. In seinem dritten NLA-Einsatz trumpfte der 14-jährige Saya Brunner bis 57 kg Greco gross auf. Mit beherztem Einsatz wirbelte er seinen Gegner innert zweier Minuten von der Matte. «Saya ist ein Riesentalent», freute sich Marcel Leutert schelmisch. Dank klaren Siegen seiner Söhne Nils und Nino in den nächsthöheren Gewichtsklassen ging der Aufstellungspoker vor der Pause optimal auf. Hinzu kam die solide Leistung von Ringerschwinger Roman Zurfluh, der den körperlich unterlegenen Altinternationalen Damian Dietsche 7:2 bezwang. Eine Enttäuschung aus Freiämter Sicht war an diesem Abend nur der indische Ringerschweizer Suhag Naveen. Taktisch ungeschickt, verlor er den Freistil-Schwergewichtskampf 0:8. Mit einer starken Teamleistung bügelte Freiamt das aus. Hugo Dietsches Kalkül ging nicht auf. Dagegen feierte Marcel Leutert den erwarteten Sieg auch ohne Hochrechnung. --wr

