Klares Nein zur Umzonung
26.11.2019 NiederwilDie Taracell AG bleibt in Künten – vorerst. Die Niederwiler Stimmbürger haben sich gegen die Umzonung der «Geere» entschieden. Von insgesamt 913 gültigen Stimmen sprachen sich 512 gegen die Umzonung der «Geere» aus. Für das Referendumskomitee ist das ...
Die Taracell AG bleibt in Künten – vorerst. Die Niederwiler Stimmbürger haben sich gegen die Umzonung der «Geere» entschieden. Von insgesamt 913 gültigen Stimmen sprachen sich 512 gegen die Umzonung der «Geere» aus. Für das Referendumskomitee ist das ein grosser Erfolg. Der Gemeinderat hingegen zeigt sich enttäuscht, wie Gemeindeammann Walter Koch erklärt. Wie es mit der «Geere» weiter geht, weiss Koch noch nicht. «Schliesslich stehen die Betriebe nicht Schlange, um sich auf der ‹Geere› ansiedeln zu können», so Koch. Die Sache mit der Taracell sei eine glückliche Fügung gewesen, die für beide Seiten gestimmt hätte. Eine Möglichkeit gibt es noch: Vor der Sommer-«Gmeind», an der zum ersten Mal über die Umzonung der «Geere» abgestimmt wurde, meldete sich die Hubschmid AG. Die Firma wäre an einem Landabtausch interessiert. Wie aktuell ist dieses Vorhaben der Nesselnbacher Firma noch? --chg
Kein «Koloss» im Dorf
Die Niederwiler lehnen die Umzonung der «Geere» deutlich ab
Fast 50 Prozent der Stimmberechtigten haben entschieden: Die «Geere» wird vorerst nicht umgezont. Damit schicken sie auch die Pläne der Künter Firma Taracell AG bachab, die auf dem Land eine Produktionsstätte bauen wollte.
Chantal Gisler
Toni Rohrer vom Referendumskomitee freut sich über den Entscheid. «Wir sind überzeugt, dass dies für die Gemeinde Niederwil und das Reusstal ein sehr guter Entscheid ist und die beiden schlimmsten Optionen damit abgewendet werden konnten.» Das galt es am Sonntag auch zu feiern. «Wir vom Referendumskomitee haben gemeinsam angestossen und den Nachmittag ausklingen lassen», erzählt Toni Rohrer.
Besonders die Gemeindebehörden spielten in den Augen des Referendumskomitees eine sehr unglückliche Rolle. Das hätten wohl auch die Niederwiler gemerkt: «Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben gemerkt, dass an diesem Projekt zu viel faul war.» Da wäre beispielsweise die Höhe, die das Gebäude der Taracell gehabt hätte. Im Vorvertrag von 2016 wurden 12 Meter Höhe festgehalten. Drei Jahre später wurden 15 bis 20 Meter angegeben. Technisch Bedingtes dürfte sogar noch höher sein. Zudem war von einem 7x24-Stunden-Betrieb erstmals in der Referendumsbroschüre die Rede. Die Gegner nannten das Projekt einen «Koloss» der nicht ins Reusstal passen würde. «Entweder hat der Gemeinderat dieses Geschäft wirklich so schlecht geprüft», mutmasst Toni Rohrer. «Oder er hat erst mit der Zeit gemerkt, dass da einiges nicht stimmt, wollte es aber trotzdem noch zum Abschluss bringen.»
Unglückliche Kommunikation
Doch dazu kommt es definitiv nicht. Die Taracell muss sich jetzt neu orientieren. Denn in Künten kann sie wegen Platzmangels nicht bleiben. Niederwil wäre für die Firma eine optimale Lösung gewesen, betonte CEO Aline Schirm-Malzolf vor einer Woche. Damals hatte die Taracell die Niederwiler Bevölkerung eingeladen, sich ein Bild von der Firma zu machen. Bis Redaktionsschluss war von der Taracell niemand für die Redaktion erreichbar.
Wie geht es weiter?
Doch es gibt eine Alternative – theoretisch. Denn am Tag vor der Sommer-«Gmeind» haben die Firmen Hubschmid AG und Energie Recycling AG in Nesselnbach dem Gemeinderat eine Absichtserklärung abgegeben, wonach sie der Gemeinde Niederwil für einen Zonenabtausch «Geere» gegen die Landzunge «Schäl lewärch» in Richtung Tägerig 4,8 Millionen Franken bezahlen würden, falls das Geschäft mit der Taracell nicht zustande käme. Diese Summe entspricht dem mit der Firma Taracell AG vereinbarten Verkaufspreis.
Aber ist das noch aktuell? «Wir sind noch immer auf der Suche nach Land als Auszonungsobjekt», sagt Hans Hubschmid, Inhaber der Hubschmid AG. Die «Geere» sei für ihn aber kein Thema mehr. «Wir wissen, dass der Gemeinderat hier keine Wiese haben will, sondern grössere und kleinere Betriebe ansiedeln will.» Diesen Gedanken kann Hubschmid durchaus nachvollziehen. «Für die Gemeinde Niederwil macht das Sinn.» Die Hubschmid AG wird daher nach anderem Land Ausschau halten. «Wir hoffen, dass sich bald etwas ergibt.»
NACHGEFRAGT
«Bleibt keine Wiese»
Fast sechs Jahre lang hat der Niederwiler Gemeinderat an der Umzonung der «Geere» gearbeitet. Der Niederwiler Gemeindeammann Walter Koch gibt Auskunft darüber, wie es jetzt mit der «Geere» weitergehen wird.
Ist der Gemeinderat über das Ergebnis überrascht?
Walter Koch: Wir dachten uns schon bei der Eingabe des Referendums, dass es eng werden könnte. Wir sind enttäuscht, dass die Niederwiler sich dagegen entschieden haben. Schliesslich haben wir einige Jahre daran gearbeitet. Für Niederwil wäre es eine grosse Chance gewesen, wenn sich die Taracell bei uns angesiedelt hätte. Wahrscheinlich wird das Reusstal die 130 Arbeitsplätze nun verlieren, denn die Taracell will wegen Platzmangel weg von Künten.
Was passiert jetzt mit der «Geere»?
Wir nehmen jetzt wieder den Gestaltungsplan von 2010 zur Hand. In diesem wurde das Areal in zwölf Parzellen unterteilt. Unser Ziel ist es, dass sich längerfristig grössere und kleinere Betriebe hier ansiedeln. Der Gemeinderat will keine grüne Wiese.
Was sagt der Gemeinderat zu den Plänen der Hubschmid AG, die das Land kaufen will, um Land abzutauschen?
Davon halten wir nichts, für den Gemeinderat kommt das nicht infrage. Ein Landabtausch wäre für die Gemeinde ein einmaliges Geschäft. Für Niederwil wäre es nachhaltiger, wenn sich grössere und kleinere Betriebe hier ansiedeln könnten. Aber wer weiss, vielleicht will das Volk jetzt ja etwas anderes. Vielleicht will es, dass die Hubschmid AG das Land abtauschen kann. Und wenn dem so ist, werden wir uns nach der Demokratie richten. --chg



