TV Muri siegt im Derby
22.10.2019 MuriDas Freiämter Handballderby geht zum 6. Mal in Folge an den TV Muri. Zur Halbzeit steht es nur 15:14 für die Murianer. Dann bricht Handball Wohlen in der zweiten Hälfte ein. Muri spielt konsequent weiter und holt am Ende einen 34:25-Sieg. --jl
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Das Freiämter Handballderby geht zum 6. Mal in Folge an den TV Muri. Zur Halbzeit steht es nur 15:14 für die Murianer. Dann bricht Handball Wohlen in der zweiten Hälfte ein. Muri spielt konsequent weiter und holt am Ende einen 34:25-Sieg. --jl
Muri fliegt, Wohlen trauert
Handball, 1. Liga: TV Muri – Handball Wohlen 34:25 (15:14) – Die Murianer bleiben die Nummer 1 im Freiamt
Im Januar 2017 siegte Handball Wohlen zuletzt im Freiämter Derby. Um die Murianer wirklich zu fordern, war es auch dieses Mal zu wenig. Der TV Muri feiert, während die Wohler immer mehr zweifeln – an den verschiedensten Dingen.
«Es wäre schön, wenn wenigstens mal alle im Training wären», sagt Adrian Studerus nach Spielschluss. Er ist genervt. Der Topskorer der Wohler (45 Tore in sieben Spielen) ist auch im Freiämter Derby der beste Werfer der «Ballermatten-Jungs». Sechs Tore schiesst er. Und lässt nach dem Spiel seinem Frust freien Lauf. Er kritisiert die Trainingspräsenz. «Da muss jeder für sich Prioritäten setzen.» Der Villmerger gehört selbst zu den Trainingsfleissigsten.
Waren alle Wohler voll dabei?
Der 34-jährige «Studi», der von den Murianern als «Player of the Match» gewählt wurde, beanstandet weitere Dinge. Studerus wird dabei aber nicht sonderlich konkret. Er deutet aber an, dass Probleme bestehen: «Ich kann nicht beurteilen, ob jeder Spieler mit 100 Prozent dabei war. Aber ich hoffe es für jeden. Denn wenn man am im Derby nicht voll dabei ist, dann soll man nächstes Mal bitte Platz für einen anderen Spieler machen, der alles gibt.»
Betrachtet man den Auftritt im Derby, dann fällt auf, dass die Routiniers Adrian Studerus, Andreas Stierli und Manuel Frey alles geben für ihre Farben – aber in der Schlussphase die Kräfte bei den Ü30-Routiniers etwas fehlen. Wohl der Hauptgrund, dass in den letzten 15 Minuten nicht mehr viel geht bei Wohlen.
Gegen die sechste Derby-Pleite seit dem 21. Januar 2017 wehrte sich besonders der junge Stefan Burgherr. Er ist schnell, wendig und kämpferisch ein wahres Vorbild. Der Sohn des früheren isländischen «Trainer-Geysirs» Siggi Sigurdsson (der vor rund 20 Jahren Coach der Wohler Handballer war) erzielt fünf Tore. Burgherr ist an diesem Tag der beste Wohler auf dem Platz.
Goalie Rudi: Schwach und sprachlos
Ausser Burgherr und der Ü30-Garde erhalten die anderen Wohlen-Protagonisten das Prädikat «ungenügend». Wladyslaw Makowiejew, der Neuzugang aus Polen, steht total neben den Handball-Schuhen. «Als Wohlen Burgherr für Makowiejew gebracht hat, mussten wir unser System umstellen», sagt Muri-Trainer Claude Bruggmann.
Für einmal keine gewichtige Rolle nahmen die Torhüter ein. Muris Tobias Wipf zeigt elf Paraden bei 31 Abschlüssen – 36 Prozent Abwehrquote. Das ist solide. Anders die Wohler Goalies Simon Dufner (17 Prozent Abwehrquote) und Sascha Rudi (20 Prozent). Von 30 Murianer Würfen kann er nur sechs abwehren. Was ist los mit dem Kult-Goalie? Er will sich nach dem Spiel lieber nicht äussern.
Femiano überzeugt wieder
Wohlen kassiert die sechste Derby-Schlappe in Serie. Die Hierarchie in der Freiämter Handball-Welt bleibt unverändert. Während die Wohler mit hängenden Köpfen aus der Bachmatten-Halle ziehen, feiern die Murianer ihren Derby-Erfolg. Wiederum eine Klasse für sich ist TV-Muri-Captain Carlo Femiano. Der «fliegende Carlo» ist auch an diesem Tag effizient, er schiesst zehn Tore. Zudem sind Spielmacher Jan Heusi, Yorick Kaufmann und Linus Staubli zu flink für die Wohler Verteidigung. Im Derby sind die Murianer eigentlich immer im Vorteil. Sie ziehen davon, Wohlen kämpft und knorzt sich irgendwie zurück. Und dann drückt Muri wieder aufs Gas. Wohlen rafft sich auf, bleibt dran. 43. Minute: 22:20 für Muri. Das Spiel ist offen. Muri zieht wieder weg – und schüttelt nun den Gegner definitiv ab. Wohlen leistet sich Fehlpässe, Strafen und unüberlegte Aktionen. Erst beim Stand von 29:20 kann Wohlen wieder ein Tor erzielen.
Schwenkfelder schwingt, Femiano zaubert
Es ist die Entscheidung. Und das, weil die Murianer einfach besser verteidigen. Die Klosterdörfler sind in der Abwehrt einiges sattelfester als der Gegner. Die Abwehrtürme Jerome Zucker und Lukas Schwenkfelder wirken beinahe nicht zu überwinden. Symbolisch ist eine Szene in der zweiten Halbzeit, als der «schwingende Handballer» Schwenkfelder zupackt. Er greift sich Wohlens Loris Faiss, als wäre es ein Duell im Sägemehl. Die Botschaft an die Wohler: Hier gibt es kein Durchkommen. Auch offensiv gibt es eine Szene mit Symbolcharakter. Flügelspieler Femiano geht in den Abschluss und wird von Stefan Burgherr aufgehalten. Noch im Fallen schiebt und zaubert Femiano den Ball irgendwie an Wohlen-Goalie Sascha Rudi vorbei. Den Murianern gelingt nun alles, und Wohlen gar nichts mehr.
Am Ende verlieren die Wohler mit neun Toren Differenz. Was ist mit den Gästen in den zweiten 30 Minuten passiert, dass ein enges Spiel so eindeutig ausgeht? «Wir haben völlig den Faden verloren und sind zu wenig ruhig geblieben», sagt Wohlen-Trainer Daniel Lehmann.
Ist Muri schlicht zu stark für den Lokalrivalen? «Auf keinen Fall», sagt Muri-Captain Carlo Femiano. «In einem Derby kann jederzeit alles passieren.» In den letzten sechs Derbys ist allerdings immer das Gleiche passiert. Am Ende gab es hängende Wohler Köpfe und jubelnde Murianer zu sehen. In diesem Derby schien es so, als hätten die Murianer jederzeit einen Gang höher schalten können, während die Wohler in ihrem Handlungsspielraum (auf der Bank und auf dem Feld) eingeschränkt waren.
Ein mentales Problem bei Wohlen?
Die Wohler liessen aber auch die letzte Konsequenz vermissen. Wieso? «Ich befürchte, dass der Modus eine Rolle spielt», sagt Wohlen-Trainer Lehmann. Die Wohler sind so gut wie sicher in der Abstiegsrunde, wo dann alles bei null beginnt. «Einige Spieler denken, dass es in erster Linie wichtig ist, zur Rückrunde bereit zu sein. So darf man sich in einem Derby dennoch nicht präsentieren», erklärt der Trainer. «Das hatte am Ende Testspielcharakter.» Muris Coach Claude Bruggmann hat ein ausgeglichenes Derby gesehen. «Es war ein Duell auf Augenhöhe», sagt er. Bei Wohlen ist sicherlich ein wichtiger Faktor auch die kleinere Personaldecke. Muri hatte Spieler auf der Bank, die sich nahtlos ins Gefüge eingliederten. Bei Wohlen hat man aufgrund der Verletzten nur wenig Optionen. Das sieht auch Muri-Captain Femiano so: «Bei Wohlen war irgendwann die Luft raus. Wir haben nachgelegt und ihren Willen gebrochen.» So hat sich Muri auch die Freiämter Handball-Krone zum sechsten Mal in Serie verdient.
Am Samstag, 14. Dezember, steigt das Rückspiel in der Hofmattenhalle. Es geht um mehr als Punkte: Nämlich um die Derby-Ehre. --jl/spr
Die «Bösen» kamen zum Handball
Hoher Schwing-Besuch beim Handball-Derby zwischen Wohlen und Muri. Die beiden Freiämter «Eidgenossen» Joel Strebel und Andreas Döbeli kamen auf Besuch und unterstützten Muris Kreisläufer Lukas Schwenkfelder, der gleichzeitig mit den beiden schwingt. Die beiden «Bösen» Strebel und Döbeli hatten zudem Christoph Bieri mit dabei, den 99-fachen Kranzgewinner aus Untersiggenthal. «Wir wollten schon lange mal an ein Handballspiel von Schwenkfelder», sagt Andreas Döbeli. «Nun hat es mal gepasst.» Was meint Schwinger Döbeli zu den handballerischen Fähigkeiten von «Schwenki»? Der Sarmenstorfer überlegt: «Man hat gesehen, dass er auch im Schwingkeller aktiv ist. Ein paar mal hat er mittels Kreuzgriff in der Abwehr zugepackt.» Schwenkfelder, der bei Muri im Derby nur in der Defensive zum Einsatz kam, hat einen guten Job gemacht. Döbeli ergänzt: «Handball gefällt mir besser als Fussball.» Zufrieden gingen die Schwinger gemeinsam in den Ausgang. Und versprechen, dass sie wieder mal kommen. --spr





