Explosiver Leutert
31.10.2019 RingenRingen, Nationalliga A: RS Freiamt – RR Kriessern (Samstag, 20 Uhr, Bachmatten Muri)
Die Zündschnur von Marcel Leutert scheint kurz zu sein. Der Trainer der RS Freiamt kassierte in dieser Saison schon zweimal eine Gelbe Karte und wurde gar für einen Kampf ...
Ringen, Nationalliga A: RS Freiamt – RR Kriessern (Samstag, 20 Uhr, Bachmatten Muri)
Die Zündschnur von Marcel Leutert scheint kurz zu sein. Der Trainer der RS Freiamt kassierte in dieser Saison schon zweimal eine Gelbe Karte und wurde gar für einen Kampf gesperrt. «Alles im Rahmen», meint Leutert. Seine Emotionen sollen die Freiämter zum Sieg gegen Kriessern pushen.
Stefan Sprenger
In kaum einer anderen Sportart hat der Trainer so viel Einfluss wie beim Ringen. Während der Kämpfer auf der Ringermatte alles gibt, sitzt der Trainer direkt am Rang. Ziemlich oft sind die Ringer-Coaches sehr explosive Typen und emotionale Antreiber. Sie sind mit Herz und Seele dabei. So ist auch Marcel Leutert, Trainer der Ringerstaffel Freiamt. Wer ihn ein wenig kennt, der weiss, dass «Marsi» ein cooler Typ ist, sympathisch, freundlich und umgänglich. Ein fairer Sportsmann. Aber: Wenn er dann am Mattenrand sitzt, verwandelt er sich meistens in einen Trainer-Vulkan.
400 Franken und eine Sperre kassiert
Gegen Einsiedeln (am 28. September) und Willisau (am 5. Oktober) kassierte er jeweils eine Gelbe Karte. Die erste Verwarnung kostet 250 Franken, die zweite 400 – und dann ist man zudem für einen Kampf gesperrt. Dies war bei Leutert beim Auswärtskampf in Hergiswil so. Dass er da gesperrt war, kam sowieso gelegen: Leutert wäre ohnehin an einer Hochzeit gewesen. Seine «Vertretung» Pascal Strebel machte es prima. Freiamt siegte 26:11.
Leutert kassierte zwei Gelbe Karten, so viele Verwarnungen kassierte er schon zwischen 2006 und 2012, als er Trainer des Ringerstaffel war. Doch wofür er damals sechs Jahre brauchte, schaffe er nun in fünf Kämpfen. «Das ist auffällig», lacht Leutert. Ist seine Zündschnur wirklich so kurz? Beim 29:7-Sieg zuletzt in Schattdorf war er wiederum Gelbgefährdet. Dies, weil der Kampfrichter vor allem in den Greco-Kämpfen etwas selten – und gegen die Freiämter – pfiff. «Ich bin immer gleich», sagt Marcel Leutert. Was sich geändert hat: Der Verband und die Schiedsrichter sind mittlerweile viel schärfer, man achtet mehr auf den Trainer und lässt sich nicht mehr alles gefallen. «Wohl zu Recht», wie Leutert sagt. Denn er weiss: «In der Hitze des Gefechts wird man manchmal auch zu emotional.»
Der wohl wichtigste Kampf der Qualifi kation
Nicola Küng, Interimspräsident der RS Freiamt, sieht klare Vorteile durch die explosive Art von Trainer-Lichtgestalt Leutert. «Er hat die Gabe, dass er die Kämpfer und auch das Publikum mitreissen kann. Die Emotionen braucht es in unserem Sport. Und weil die Regelung mittlerweile strenger ist als früher, muss Leutert dann halt eben manchmal eine Gelbe Karte in Kauf nehmen.» Auch wenn Leutert laut wird, er wird nie beleidigend. Er weiss, wo die Grenze ist. Doch manchmal tanzt er auch auf ihr.
Nächste Gelbe gibt Sperre
Es ist anzunehmen, dass er auch am Samstag wieder mit vollem Einsatz dabei sein wird. Dann geht es gegen Kriessern. Der Hinkampf endete 13:25 für die Ostschweizer. Die Duelle in den vergangenen Jahren waren meist sehr ausgeglichen. Und der Kampf am Samstag ist wohl der Wichtigste der gesamten Qualifikation. Gewinnen die Freiämter, haben sie den 2. oder 3. Rang mit grosser Wahrscheinlichkeit auf Nummer sicher. Man will unbedingt vermeiden, noch auf den 4. Rang abzurutschen – denn dann würde man im Halbfinal auf Willisau treffen. «Wir werden am Samstag angreifen. Erst recht, weil wir zu Hause ringen», so Leutert.
Mit dabei werden auch die beiden Trainersöhne Nils und Nino Leutert sein. Nino rückte in der vergangenen Woche in die Sport-Rekrutenschule ein. Nils hat sich von seinem Bizeps-Abriss im April erholt und ist wieder dabei. Weil er verletzungsbedingt kaum ringen konnte in diesem Jahr, wurde er nicht in die Sport-RS aufgenommen. Er wird es in zwei Jahren nochmals versuchen. Fehlen wird Team-Leader Pascal Strebel. Er ist nach wie vor verletzt und wird wohl erst auf die Halbfinalkämpfe Ende November wieder einsatzfähig sein.
Für Leutert ist klar, dass der Halbfinalgegner ziemlich sicher Kriessern sein wird. «Und das wird ein enorm ausgeglichenes Duell.» Will man den Titel, führt der Weg im Final wohl über Willisau. «Sie sind klarer Favorit. Aber Favoriten straucheln», meint Leutert. Aber um von einem allfälligen Finalsieg zu träumen, ist es noch viel zu früh. Die Ringerstaffel Freiamt will nun Kriessern schlagen. Vor dem Kampf um 20 Uhr ringt die 1.-Liga-Mannschaft ab 15 Uhr. «An diesem Ringertag in unserer Halle wollen wir alles geben», so der Trainer. Ob auf oder neben der Matte. Für ihn gilt besondere Vorsicht. Eine weitere Gelbe Karte würde 500 Franken kosten und eine weitere Sperre nach sich ziehen. «Ich habs im Griff», meint Marcel Leutert augenzwinkernd.

