Die Töne der Essstäbchen
22.10.2019 BoswilAussergewöhnliches Projekt des Künstlerhauses Boswil, in Zusammenarbeit mit dem Aargauer Kunsthaus
Mit «Schraffur» will Fritz Hauser Klangwelten schaffen. Er setzt dabei auf ein aussergewöhnliches Instrument: chinesische Essstäbchen. Rund 50 ...
Aussergewöhnliches Projekt des Künstlerhauses Boswil, in Zusammenarbeit mit dem Aargauer Kunsthaus
Mit «Schraffur» will Fritz Hauser Klangwelten schaffen. Er setzt dabei auf ein aussergewöhnliches Instrument: chinesische Essstäbchen. Rund 50 Personen reiben diese an mit Rillen präparierten Schlagzeugstöcken. Anfang November wird die Choreogra�e im Aargauer Kunsthaus gezeigt.
Annemarie Keusch
Nur alte Frauen? Eine Schülerin staunte am Freitag bei der ersten Probe des Projekts «Schraffur» nicht schlecht. Aber «nur» alte Frauen sind es nicht. Vielmehr ist es der Mix der Generationen, der das Projekt bereichert. Das gefällt auch Gabriela Arnet. Die Waltenschwilerin ist im Vorstand des Fördervereins des Künstlerhauses Boswil tätig. Und sie ist Lehrerin in Villmergen. So kam der Kontakt zustande, dass Villmerger Schülerinnen und Schüler Teil des Projekts «Schraffur» wurden.
Dass alle Generationen vertreten sind, das war von Anfang an der Plan. Rund hundert Leute sollten es total werden. Ausgeschrieben wurde das Projekt auf verschiedensten Plattformen. «Jetzt sind es rund 50 Leute, aber das ist auch gut», sagt Magdalena Reisser, Projektleiterin. So könne sich Fritz Hauser für die Einzelnen mehr Zeit nehmen.
Teil einer Ausstellung
Hauser ist Initiant des Projekts. Der Basler Schlagzeuger und Komponist erinnert sich mit «Schraffur» an seine Kindheit. Es ist die Erinnerung an repetitives Schaben, Kratzen, Wischen, das beim Zeichnen mit Neocolor-Stiften oder beim Abpausen rauer Oberflächen mit dem Bleistift entstand. Nur, in «Schraffur» imitiert Hauser diese Klänge und Töne nicht, er erfindet sie neu – mit chinesischen Essstäbchen und mit Rillen präparierten Schlagzeugstöcken.
Zu viert sitzen sie vor der Wand, vor dem Fenster, fahren im immer gleichen Rhythmus mit den Essstäbchen über die Schlagzeugstöcke. Der Klang scheint monoton zu sein. Beim genauen Hinhören entsteht aber eine Palette an Tönen, zwar ohne Melodie und ohne Harmonie. Die «Schwarmgruppe» schreitet durch die Halle, zählt auf 30, schreitet langsam weiter. Die Performance wird eingeübt unter Anleitung von Fritz Hauser und Choreografin Béatrice Goetz. Hauser ist zufrieden. Schon bei den nächsten Proben stehen Durchläufe auf dem Programm. Am Freitag, 1. November, und am Samstag, 2. November, jeweils 18 und 19.30 Uhr, wird das Projekt im Aargauer Kunsthaus aufgeführt – als Teil der Ausstellung «Maske. In der Kunst der Gegenwart».
Fritz Hauser im Unterricht
Die Ausstellung haben die Fünftklässler von Gabriela Arnet schon besucht und mittels eines Workshops erlebt. Vorlauf hatten die neun Kinder, die freiwillig beim Projekt mitmachen, sowieso. Fritz Hauser besuchte die Klasse in Villmergen und gestaltete eine Stunde. «Kunst und Kultur ist ein wichtiger Teil auch unseres Berufes», sagt Gabriela Arnet. Die Schule könne diesbezüglich Türöffner sein und bei den Kindern Begeisterung für Musik, Literatur oder Theater auslösen. Für die Lehrerin ist klar: «Es ist toll, dass Kinder mit Fachpersonen zusammenarbeiten können.»
Projekt von kurzer Dauer, aber mit grossem Engagement
Auch ihr sage das Projekt sehr zu. «Bildende Kunst und Rhythmus zu verbinden ist eine spannende Kombination», sagt die Lehrerin. «Schraffur» sei eine grosse Inspiration, nicht zuletzt deshalb, weil verschiedene Generationen an einem Projekt arbeiten.
Alles passt noch nicht perfekt. Bei jeder Gruppe gehen Fritz Hauser und Béatrice Goetz immer wieder vorbei, geben Inputs. Gefragt sind zudem schwarze Kleider. Vier Hände gehen in die Höhe, als jemand sagt, sie hätte zwei schwarze Schals und könnte einen weitergeben. Das Projekt hat erst gestartet, am 2. November ist es schon wieder fertig. «In kurzer Zeit kann aber einiges auf die Beine gestellt werden», ist Fritz Hauser optimistisch.



