Die Einsamkeit des Einsatzleiters
01.10.2019 BoswilAn der Hauptübung simulierte die Feuerwehr Boswil einen Brand im Landgasthof Löwen
Im dritten Stock des «Löwen» ist Feuer ausgebrochen. Dutzende Menschen sind eingeschlossen, in den vermieteten Zimmern, im Restaurant, im «Chillout». Zum ...
An der Hauptübung simulierte die Feuerwehr Boswil einen Brand im Landgasthof Löwen
Im dritten Stock des «Löwen» ist Feuer ausgebrochen. Dutzende Menschen sind eingeschlossen, in den vermieteten Zimmern, im Restaurant, im «Chillout». Zum Abschluss als eigenständige Feuerwehr bekamen es die Boswiler Feuerwehrleute nochmals mit einem Grossereignis zu tun.
Annemarie Keusch
Die Sekunden fühlen sich wie Stunden an. Aus allen Fenstern des dritten und vierten Stocks rufen Menschen: «Hilfe, rettet mich.» Noch sind keine Feuerwehrfahrzeuge vor Ort, geschweige denn die Autodrehleiter der später alarmierten Stützpunktfeuerwehr Muri+. «Das passiert immer, wenn ein grosser Brand ausbricht», kommentiert Vizekommandant Rolf Huber das Geschehen.
Noch ist aber der Einsatzleiter alleine. Und er hat sprichwörtlich alle Hände voll zu tun. Verwundete kommen aus dem Gebäude gerannt, schreien, weil ihre Freunde noch eingeschlossen sind. «Das ist die lange Einsamkeit des Einsatzleiters», führt Huber aus. Bis die Mannschaft eintrifft, bis die Aufgaben verteilt sind, bis sich die Sanitätsabteilung um die Verwundeten kümmern kann.
Auch wenn es chaotisch aussieht
Plötzlich geht es aber schnell. Ein Fahrzeug nach dem anderen stellt sich vor dem Landgasthof Löwen auf. Erste Priorität hat klar die Rettung der Figuranten. Weil das Objekt mit Wohnungen, Restaurant und Bar viele Leute beherbergt, sind entsprechend viele Figuranten im Einsatz. Und Vizekommandant Rolf Huber betont auch, wie wichtig die Verkehrsabteilung bei solchen Ereignissen sei. «Das Objekt liegt direkt neben der stark befahrenen Zentralstrasse. Dass der Verkehr schnell und sicher umgeleitet werden kann, ist ein zentraler Teil.»
Eine Person nach der anderen wird mit der Autodrehleiter befreit, einige auch mit angestellten Leitern. Dann geht es an die Brandbekämpfung. Zum Sichergehen, dass keine Verwundeten vergessen wurden, sind Atemschutztrupps im Einsatz. An ganz vielen Fronten sind die verschiedenen Gruppen der Feuerwehr tätig. «Das mag vielleicht chaotisch aussehen. Kommt man an ein solches Ereignis, ist es anfangs sicher auch so, aber mit der Zeit wissen alle, was sie zu tun haben», betont Huber.
Aufgleisen der Fusion
Die Übung sei gut gelungen, resümierte Kommandant Rolf Furrer im Anschluss. Überhaupt sei das letzte Jahr für die Feuerwehr Boswil ein erfolgreiches gewesen. Die Inspektion der Aargauischen Gebäudeversicherung und auch die Materialinspektion wurden sehr gut abgeschlossen. «Das hielt uns den Spiegel vor und zeigte, dass wir auf dem richtigen Weg sind», zeigte sich Furrer zufrieden.
Trotzdem, es ist ein anspruchsvolles Jahr für die Feuerwehr. 52 Übungen liegen hinter der Mannschaft. Bisher zu 21 Einsätzen mit total 670 geleisteten Stunden wurde die Feuerwehr gerufen. Und nebenbei laufen die Vorbereitungsarbeiten für die Fusion mit Bünzen und Kallern zur Regio-Feuerwehr Freiamt Mitte auf Hochtouren. «Es ist erfreulich, wie alle am gleichen Strick ziehen», betont Rolf Furrer. Vieles sei seit dem Ja zur Fusion schon umgesetzt worden. Noch einiges an Arbeit stehe aber an, bis der gemeinsame Weg ab 1. Januar eingeschlagen werden kann. Furrer betonte immer wieder, dass die Fusion ganz viele Vorteile mit sich bringe. Dass dies die Angehörigen der Feuerwehr mittragen, zeigt die Tatsache, dass 74 Männer und Frauen auch nach der Fusion der Feuerwehr treu bleiben, also nur fünf weniger, als jetzt zur Mannschaft der Feuerwehr Boswil gehören.
Furrer hatte weiteres Positives zu verkünden. Milan Dragas wurde zum Korporal befördert, Seppi Schönenberg zum Offizier. Viele Gründe zum Feiern und nur wenig Wehmut.



