Erste Sperrung einer Fernstrecke
20.09.2019Leserreise, organisiert von der Freiämter Regionalzeitungen AG, zur SBB-Baustelle am Zugersee
Zwischen den Bahnhöfen Zug und Arth-Goldau wird bis Dezember 2020 die SBB-Fernstrecke total saniert. Die Kommission ÖV der Regionalplanungsverbände im Freiamt ...
Leserreise, organisiert von der Freiämter Regionalzeitungen AG, zur SBB-Baustelle am Zugersee
Zwischen den Bahnhöfen Zug und Arth-Goldau wird bis Dezember 2020 die SBB-Fernstrecke total saniert. Die Kommission ÖV der Regionalplanungsverbände im Freiamt nahm mit 40 Personen einen Augenschein vom Schiff aus.
Roger Wetli
«Ich kenne die Oststrecke dem Zugersee entlang von der Strasse aus. Von da sieht man von der Grossbaustelle fast gar nichts», bemerkte ein Leser. «Vom Schiff wird jetzt die Dimension dieses Projektes klar.» Marc Manetsch hat als Gesamtleiter der Totalsanierung den Überblick. Er gab den Anwesenden spannende Einblicke.
Geisterbahnhof Walchwil
«Es ist das erste Mal in der Geschichte der SBB, dass eine Fernstrecke total gesperrt wird. Die Vorteile liegen allerdings auf der Hand.» Die Bauzeit würde sonst von eineinhalb auf sechs Jahre verlängert und die Kosten wären um 40 Millionen höher. Die SBB rechnen mit einem Budget von 200 Millionen Franken.
Dank dieser Sperrung profitiert das Freiamt zurzeit von Direktanschlüssen ab Rotkreuz in den Süden. Für die Arbeiten der weitgehend einspurigen Zugersee-Ost-Strecke wurden sämtliche Gleise rausgenommen. «Das Trasse wird von Grund auf neu gebaut», so Manetsch. «Das Projekt ist zweigeteilt. Wir bauen für 90 Millionen bei Walchwil die Doppelspur von 500 Metern auf 2,2 Kilometer aus. Dadurch werden wir flexibler beim Kreuzen von Zügen und damit wird der Fahrplan stabiler.» Aufgrund des steilen Geländes sei dieser Abschnitt sehr anspruchsvoll. «In Walchwil geht aktuell zugtechnisch nichts. Die Haltestelle gleicht einem Geisterbahnhof.»
Für weitere 110 Millionen werden «Substanzerhaltungsmassnahmen» durchgeführt. Diese beinhalten die Sanierung der Brücken. Eine davon ist zurzeit total eingekleidet. «Damit wollen wir den entstehenden Staub absaugen. Die Brücke ist rund 100 Jahre alt.» Die einspurigen Tunnels werden so ausgebaut, dass künftig zweistöckige Personenzüge durchfahren können. «Eine der häufigsten Fragen zu diesem Projekt ist, ob die Tunnels danach für die neueren sehr hohen Güterzüge von vier Meter passierbar sein werden. Das ist nicht der Fall.» Teure Schutzmassnahmen sind im Süden der Strecke nötig. «Der Rossberg, der 1806 Goldau verschüttet hatte, ist immer noch in Bewegung. Mit Bauten soll die Bahn gegen Steinschlag gesichert werden.» Weitere Gründe für die hohen Kosten sind die elf Baustellenzufahren. «Auch hier müssen wir mit dem schwierigen Gelände zurechtkommen. Das führt zu aufwendigen zusätzlichen provisorischen Bauten», so Manetsch.
Alle Teilprojekte auf Kurs
Die Leser von «Wohler Anzeiger», «Bremgarter Bezirksanzeiger» und dem «Freiämter» waren sehr interessiert, fotografierten die Baustele und stellten immer wieder Fragen zu Details des Programms. «Wie kann ein Tunnel erweitert werden?», wollte jemand wissen. «Indem wir die Decke erhöhen, den Boden tieferlegen oder beides tun. Was gemacht wird, hängt von den jeweiligen Ortsverhältnissen ab», gab Marc Manetsch Einblick.
Wie viele Firmen und Personen am Grossprojekt beteiligt sind, weiss Manetsch nicht. Die Unternehmen würden gewisse Arbeiten an Spezialisten weitervergeben. Zurzeit seien alle Teilprojekte auf Kurs. «Ziel ist es, die Strecke beim Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2020 wieder in Betrieb zu nehmen. Das ist ambitioniert, wir haben aber keinen Plan B.»



