Noch keinen einzigen Tag getrennt
23.07.2019 MuriSommerserie «Zwillinge im Freiamt»: Olivia und Jasmin Lang aus Muri
Viele denken, ein Zwilling zu sein, sei etwas Besonderes. Doch Zwillinge sehen das grösstenteils ganz anders. Wie Olivia und Jasmin; Für sie ist das alles «ganz normal. Wir wissen ...
Sommerserie «Zwillinge im Freiamt»: Olivia und Jasmin Lang aus Muri
Viele denken, ein Zwilling zu sein, sei etwas Besonderes. Doch Zwillinge sehen das grösstenteils ganz anders. Wie Olivia und Jasmin; Für sie ist das alles «ganz normal. Wir wissen ja nicht, wie es allein wäre.»
Susanne Schild
Olivia erblickte das Licht der Welt am 3. Juni 2008 um 8.20 Uhr. Jasmin kam zwei Minuten später zur Welt. Diese zwei Minuten waren sie alleine. Und nur diese zwei. 11 Jahre sind sie seitdem jede Minute zusammen gewesen. Unzertrennlich sozusagen.
Silvia und Röbi Lang hatten bereits zwei Söhne, als sich Olivia und Jasmin ankündigten. Aus vier Familienmitgliedern sind plötzlich sechs geworden. Auch für Silvia Lang keine leichte Zeit.
Das «doppelte Lottchen von Muri»
Als sich die Tür öffnet, blickt man in zwei Gesichter, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen. Der Schalk blinzelt beiden aus ihren blauen Augen. Das blonde Haar tragen sie beide gleich lang. Beide haben eine Zahnspange. Selbst auf den Zentimeter gleich gross sind sie. «Wir sind die Grössten in unserer Klasse», sagen sie stolz. Viele, die die beiden Schwestern schon ihr Leben lang kennen, verwechseln diese immer noch. Sogar Mama und Papa haben sie schon einmal verwechselt. Das «doppelte Lottchen von Muri» steht vor einem. Sie selbst finden, dass sie unterschiedlich aussehen. «Aber wir sehen uns ja auch jeden Tag», meint Oliva. «An unsere Kindheit erinnern wir einander überhaupt nicht», sagt Olivia. Aber das Grosi, Götti, Mami und Papi würden immer viele Geschichten über sie erzählen. Zum Beispiel, dass sie am selben Tag den ersten Zahn bekamen. Sie lernten zum gleichen Zeitpunkt laufen. Den Schoppen und die neuen Windeln bekamen sie gleichzeitig. «Wir merken schon, wenn es einer von uns nicht gut geht», sagt Jasmin. Drei Tage nach Weihnachten kamen die beiden auf die Idee, sich die Haare gegenseitig zu schneiden. Ihre Mutter war darüber eher weniger erfreut. Die schönen langen blonden Haare mussten dann eben einer frechen Kurzhaarfrisur weichen.
«Ich weiss noch, dass wir uns in der ersten Klasse vertauscht haben», lacht Olivia. Die ganze Unterrichtsstunde habe ihre Lehrerin nicht gemerkt, dass sie ihr einen Streich spielten. «Wir haben es ihr erst am nächsten Tag gesagt. Sie hat gemeint, das sei zwar nicht fair gewesen, aber immerhin sehr lustig.»
Gleiche Interessen
Obwohl viele ihrer Freunde es cool fänden, Zwilling zu sein, finden es die beiden manchmal gar nicht so lustig. Man muss beispielsweise den Geburtstag teilen. Oft bekommt man ein grösseres Geschenk einfach zusammen. Aber eine Geburtstagstorte bekommt jede immer ihre eigene. Die 11-Jährigen haben aber grösstenteils die gleichen Interessen. Sie tanzen Hip-Hop, zeichnen sehr gerne und besuchen die Meitliriege. Beide essen für ihr Leben gern Lasagne. Doch die Lieblingsfarbe von Olivia ist Orange, die von Jasmin Grün. Jasmin spielt Akkordeon, Olivia Altflöte.
Manchmal ziehen sich beide gleich an. Doch wenn Jasmin ein T-Shirt mit einem «komischen Kragen» anzieht, der Olivia überhaupt nicht gefällt, ist ihr Look verschieden. In der Schule sind sie fast gleich gut. «Olivia ist ein bisschen besser in Mathe als ich.» Dennoch denken beide in vieler Hinsicht gleich. Und streiten tun sie auch. «Aber meistens über unwichtige Sachen. Zum Beispiel nervt sich Olivia über ihren Bruder manchmal beim Mittagessen. Jasmin stört sich am Verhalten ihres Bruders hingegen gar nicht. «Aber bald verstehen wir uns wieder gut», betont Olivia.
Wenn sie einmal erwachsen sind, möchten sie eine WG gründen. «Und dann schauen wir weiter.»



