Egal, was die anderen denken
05.07.2019 BoswilDie Sechstklässler aus Boswil präsentierten das Musical «Andersch als die Andere»
Mit Bundfaltenhose und Hemd, anstatt T-Shirt und kurzen Hosen wie alle anderen. Um gemobbt zu werden, braucht es nicht viel. Die sechste Klasse von Isabelle Hug ...
Die Sechstklässler aus Boswil präsentierten das Musical «Andersch als die Andere»
Mit Bundfaltenhose und Hemd, anstatt T-Shirt und kurzen Hosen wie alle anderen. Um gemobbt zu werden, braucht es nicht viel. Die sechste Klasse von Isabelle Hug thematisierte dies in einem Musical.
Annemarie Keusch
Die eine mag Ländlermusik ganz gerne. Eine andere würde am liebsten immer noch tagtäglich mit dem Trottinett zur Schule fahren. Und die Dritte hätte am liebsten ein T-Shirt, das ihr die Verkäuferin und die Mutter ausreden, weil es für Buben sei. Sie alle folgen aber nicht ihren Wünschen und Vorlieben, sondern machen das, was alle machen. Dabei sein, das ist das oberste Ziel, «di andere macheds au».
Nur einer ist anders. Weil sein Vater in einer leitenden Position ist, wollen seine Eltern, dass er wie aus dem «Truckli» daherkommt. Mit Bundfaltenhose, Hemd und gegelten Haaren ist er schnell der Aussenseiter. «Herrensöhnli» rufen ihn alle. Beim Basketball, dem Lieblingsspiel der ganzen Klasse, habe er auch noch nie einen Korb geworfen. Der Junge wird gemobbt. Auch die neue Mitschülerin wendet sich schnell von ihm ab, als sie merkt, dass die ganze Klasse gegen ihn ist.
Rollenverteilung nicht ganz einfach
«Andersch als die Andere» heisst das Musical, das die sechste Klasse aus Boswil einstudierte. Verschiedenheiten und Einzigartigkeiten der Schüler – davon lebt eine Klasse, und dass das gut ist, davon erzählt das Musical. Geschrieben hat es Lehrerin Isabelle Hug nicht selber, es gehört dem Adonia-Fundus an. «Einige Sachen haben wir aber abgeändert und an die Klasse angepasst», sagt Hug. Zudem sei das letzte Lied ausgetauscht worden, den Text habe die Klasse selber geschrieben.
Nach den Frühlingsferien startete das Projekt. Ein Abschluss aus der Primarschule sollte es sein. «Weil die Einteilung in die Oberstufe seit Ende Februar fix ist, ist es nicht immer ganz einfach, die Motivation der Schülerinnen und Schüler hochzuhalten», weiss die Lehrerin. Ein solches Projekt sei ideal, «die Schüler sind weiterhin dabei und lernen andere Sachen.» Am Anfang stand die Rollenverteilung – einer der schwirigsten Punkte. «Es sollten möglichst alle zufrieden sein und ihre Wunschrolle bekommen. Das ist natürlich nicht immer möglich, aber wir haben eine Lösung gefunden, die für alle passt», ist Isabelle Hug zufrieden.
Nur Krautstiel und Kaktusfeigen
Überhaupt, von ihrer Klasse ist Isabelle Hug begeistert. «Sehr begeisterungsfähig, sozial, engagiert, einfach unglaublich toll», schwärmt die Lehrerin. Es seien die besten Voraussetzungen für ein derartiges Projekt gewesen. Kommt hinzu, dass Hug nicht zum ersten Mal ein Musical mit einer Klasse auf die Beine stellte. Schon damals verband sie das Projekt mit dem Klassenlager. Auch diesmal war das so. Neben dem Üben während den Musiklektionen und zu Hause investierte die Klasse auch einen Teil des Lagers im urnerischen Unterschächen für das Musical. «Dort konnten wir aus vollen Kehlen singen, da das Lagerhaus abgeschieden in einer Kuhweide lag.»
Einer ist anders und deswegen wird er ausgelacht. Ein Mädchen hat die zündende Idee: «Wenn alle anders sind, müssten alle von allen ausgelacht werden. Das gäbe wohl zu viel zu tun.» Also kommt die eine mit dem alten Trottinett zur Schule, die andere kauft das T-Shirt, das eigentlich für Buben ist, und die Dritte steht dazu, dass sie Ländlermusik toll findet. Ein Orchester nur aus Geigen, Kaktusfeigen als einzige Früchte, Krautstiel als einziges Gemüse oder auf der Wiese nur Hahnenfuss: es wäre so langweilig, wenn alle Menschen gleich wären. «Andersch als die Andere» ruft das den Kindern und den zuschauenden Eltern in Erinnerung, auf ganz charmante, überzeugende und begeisternde Art.



