Mit gleichem Spirit in die Zukunft
12.06.2019 BoswilDie Berger Gartenbau AG in Boswil feiert das 50-jährige Bestehen
Eigentlich wollte er einfach Gartenarbeiter sein. Ueli Berger, Gründer der einstigen Einzelfi rma, überredete ihn zu einer Zusatzlehre. Und Beat Keusch machte weiter, wurde Obergärtner, ...
Die Berger Gartenbau AG in Boswil feiert das 50-jährige Bestehen
Eigentlich wollte er einfach Gartenarbeiter sein. Ueli Berger, Gründer der einstigen Einzelfi rma, überredete ihn zu einer Zusatzlehre. Und Beat Keusch machte weiter, wurde Obergärtner, Bauführer und Gärtnermeister. 2010 übernahm Keusch den Betrieb. Nun wurde das 50-Jahr-Jubiläum gefeiert.
Annemarie Keusch
Das Potenzial ist riesig. Das war es schon vor 50 Jahren, als Ueli Berger seine Einzelfirma gründete. Mit Karette, Schaufel und VW-Bus startete er. Dass sein Konzept aufgeht, zeigte sich schnell. Schon nach einem Jahr bestand die Firma aus drei Mitarbeitenden. Mittlerweile sind es 35. Beat Keusch betont, dass der Markt immer noch gut laufe. «Schliesslich wird in der Region noch immer stark gebaut. Plus wollen viele ihren Garten alle paar Jahrzehnte erneuern», weiss der Geschäftsführer der Berger Gartenbau AG.
Neubau, dies ist nur ein Bereich, in dem die Firma seit fünf Jahrzehnten erfolgreich tätig ist. Unterhalt, Planung und Beratung sind die anderen drei Segmente. Der Sitz der Gartenbau-Firma ist in Boswil. Den Neubau im Riedmattächer bezeichnet Keusch als Bekenntnis zum Dorf, auch wenn es bezüglich Standort Schwierigkeiten gab. Unterwegs ist die Firma aber längst nicht nur in Boswil und den Nachbargemeinden. «Von Oberrüti bis Lenzburg und vom Seetal bis an den Zürichsee», nennt Keusch das Einzugsgebiet. Erarbeitet habe sich die Firma das, sagt er.
Kampf gegen den Krebs verloren
Die ersten 40 Jahre führte Ueli Berger die Firma, anfangs noch mit Blumenläden in Merenschwand und Sins. Sein Unternehmen wuchs stetig, Berger wurde zur grossen Figur in der Gartenbauszene, aber auch in der Region allgemein. Beat Keusch beschreibt ihn als besonderen Mann. «Er hat Dorfgeschichte geschrieben», ist Keusch überzeugt. Gefordert habe er von seinen Angestellten einiges, «aber er gab immer viel retour, war grosszügig».
Einen guten Draht hatten viele zu Ueli Berger. Von seiner Grosszügigkeit profitierten viele Vereine, die ganze Region. Mit seinem Charisma habe er einen grossen Einfluss gehabt in der Region. Lange kämpfte Berger gegen den Krebs, im Jahr 2009 verlor er den Kampf. Aber auch zehn Jahre nach seinem Tod ist er präsent und gilt in vielen Köpfen noch immer als Patron der Firma. «Das ist doch schön», sagt Beat Keusch, «er wäre wohl stolz, wie sein Werk weitergeführt wird.»
Über zwei Jahre in Australien
Keusch spricht davon, dem Firmengründer nacheifern, ihn aber nicht kopieren zu wollen. «Der Spirit ist gleich wie unter ihm. Das war mein grosses Ziel. Die Firma in seinem Sinne weiterzuführen, habe ich ihm kurz vor seinem Tod versprochen», erzählt Keusch. Er lege sein Baby in seine Arme waren mitunter Bergers letzte Worte an Beat Keusch. Personelle Änderungen, Wechsel in der Ausrichtung – Keusch hat in den neun Jahren als Geschäftsführer darauf verzichtet. Zwei Mitarbeitende sind schon 35 Jahre lang im Betrieb tätig.
Fast zwei Jahrzehnte gehört auch Beat Keusch zur Berger Gartenbau AG. Als gelernter Getränketechnologe wollte er als Gartenarbeiter wirken und kontaktierte Ueli Berger. «Ich war schon immer gerne draussen und gestaltete Gärten.» Während der gut zwei Jahre, die er mit seinen Eltern und Geschwistern in Australien lebte, besorgte er dort den Garten. Weil Keusch den Anschluss in Australien nie ganz fand, kehrte er zurück «und wollte mein Hobby zum Beruf machen».
Ueli Berger überzeugte ihn von einer Zusatzlehre. Die Motivation für weitere Ausbildungen liess ihn Gärtnermeister werden. «Ich wusste, bis 65-jährig Landschaftsgärtner zu sein, das packe ich nicht.» Den Kunden Freude zu bereiten, mit natürlichen Baustoffen zu arbeiten und ein erweitertes Wohnzimmer zu gestalten – das gefällt ihm an seinem Beruf.
Karrieresprung nicht aktiv gesucht
Oder besser gesagt, das gefiel ihm. Denn von seinem ursprünglichen Beruf ist er mittlerweile weit weg. Draussen tätig ist er eigentlich gar nicht mehr. «Tragisch», sagt er. Beratende Bauführung, Rundgänge, Bestellungen, die Geschäftsführung – das sind mittlerweile seine Tätigkeitsbereiche. Gesucht habe er das nicht. «Ich wollte einfach glücklich sein mit dem, was ich mache», sagt der zweifache Vater. Jung und naiv sei er gewesen, als er als Nachfolger von Ueli Berger zugesagt habe.
In der Zwischenzeit hat sich der 45-Jährige mit seiner Entscheidung angefreundet. «Klar, es gibt immer Sachen, die ich im Nachhinein anders machen würde, aber grundsätzlich bin ich zufrieden», sagt er und hofft, dass es auch der Firmengründer wäre.
Für Geschäftsführer Beat Keusch ist klar: «Ohne die Mitarbeiter ginge gar nichts und ohne sie wäre ich gar nichts.» Und auch die Unterstützung im Dorf und der Region sei wichtig. Der Besucheraufmarsch am Jubiläumstag verdeutlichte die Beliebtheit der Firma.



