Der Wunder-Bauch
04.06.2019 MutschellenFussball, Aargauer Cup: Mutschellen besiegt Othmarsingen 2:1 und feiert den Cupsieg ausgelassen
Es ist ein Traum-Tag für den ganzen Verein. Ein historischer Sieg mit überragendem Fan-Support. Und natürlich eine Mannschaft, die perfekt harmoniert und ...
Fussball, Aargauer Cup: Mutschellen besiegt Othmarsingen 2:1 und feiert den Cupsieg ausgelassen
Es ist ein Traum-Tag für den ganzen Verein. Ein historischer Sieg mit überragendem Fan-Support. Und natürlich eine Mannschaft, die perfekt harmoniert und Offensivspieler mit Klasse hat. Wie die beiden Cupfinal-Torschützen Luca Merendino und Blerim Pnishi.
Stefan Sprenger
Es ist das wichtigste Tor seiner Karriere. «Ich habe das Ding einfach reingemacht», sagt Blerim Pnishi. Und wer wäre besser geeignet gewesen, um das entscheidende Tor im Aargauer Cupfinal zu erzielen, als er? Blerim Pnishi, der stellvertretende Betriebsleiter der Burkertsmatt in Widen. Der Stürmer, der mit seiner Persönlichkeit den FC Mutschellen hervorragend verkörpert. Er hat eine ruhige, bodenständige Art. Er ist ein «Chrampfer», technisch brillant, und einfach ein sympathischer Kerl. Dass er ein Bäuchlein hat, macht ihn nur noch charmanter. «Ich weiss, ich bringe das Bäuchlein seit Jahren nicht weg. Meine Frau und meine Mutter kochen zu gut», lacht der in Bremgarten wohnhafte Pnishi.
SMS-Grüsse von Alban Pnishi
In der 51. Minute trifft er per Kopf zum 2:1. Gleich hinter dem Tor stehen seine Frau Egzona und sein Sohn Eldi, der mit grossen Augen zusieht, wie sein Papa das Tor zum Cupsieg bejubelt. «So eine Stimmung habe ich noch nie erlebt», so Pnishi. 2950 Fans sind nach Windisch gepilgert. «Die Atmosphäre war genial, unsere Fans ebenfalls», meint er weiter. Der FC Mutschellen ist mit vier Fan-Cars angereist und hat insgesamt (mindestens) 300 Fans dabei. Dass er dann das entscheidende Tor erzielt, «erfüllt mir einen Traum», so Pnishi. Blerim Pnishi kriegt nach dem Spiel Gratulationen von rund 10 seiner Cousins, die live dabei sind. Über die Gratulationen eines Cousins freut er sich besonders: Alban Pnishi, der frühere Super-League-Spieler, kosovarischer Nati-Kicker und FC-Wohlen-Captain, weilt mit der Familie im Urlaub und sendet SMS-Grüsse. Alban Pnishi meint: «Ich habe selten einen so gut mitspielenden und technisch starken Stürmer gesehen wie Blerim. Ich mag ihm und dem ganzen FC Mutschellen den Titel sehr gönnen.»
Souverän in der Defensive
Der 30-jährige Stürmer ist ein Puzzleteil im Erfolgsmärchen «Cupsieg» des FC Mutschellen. Es gibt noch viele weitere Aspekte. Beispielsweise einen Trainerfuchs namens Sergio Colacino, ein harmonisches Vereinsumfeld und eine Mannschaft, die einen gigantischen Zusammenhalt hat.
Die Partie gegen Ligakonkurrent Othmarsingen war eng. Sehr eng. «Es war ein hektisches Spiel mit Torchancen auf beiden Seiten», sagt Ciriaco Sforza. Die Fussball-Legende aus Wohlen, die mit Bayern München die Champions League gewann, fieberte in Windisch am Cupfinal live mit. Sein Sohn Gianluca wurde in der 78. Minute eingewechselt. «Es gab viele, sehr viele Emotionen», so Sforza. Damit meint der frühere Nati-Captain beispielsweise den Lattenschuss von Mutschellen-Topskorer Luca Merendino nach knapp 27 Minuten. Der 22-Jährige macht es zehn Minuten später besser und vollendet ein Klasse-Zuspiel von Roger Pfyl zum 1:0. Doch die Freude hält nur kurz. Gezim Zeqiraj, der Topskorer, vor dem man Respekt haben muss, traf zum 1:1.
Die verrückte erste Halbzeit ging weiter. Othmarsingen-Goalie Leandro Russo foult Luca Merendino. Penalty. Russo macht seinen Fehler wieder gut und hält den Elfmeter von Mutschellens Fabrice Moser.
Es folgt die entscheidende Szene kurz nach Wiederanpfiff. Ein doppelter Doppelpass zwischen Nico Stadelmann und Manuel Jungen, der schliesslich den Ball zur Mitte flankt. Dort steht Blerim Pnishi und trifft zum 2:1. Die Othmarsinger rennen danach an. Vergebens. Souverän und abgeklärt spielen die Mutscheller in der Defensive. «Die Abwehrleistung war einfach top. Mich brauchte es eigentlich kaum», sagt FCM-Goalie Fabian Riesen.
Colacino ist zu alt für Party
Beim Schlusspfiff drehen dann alle Grünen durch. Der Jubel ist riesig. Und es gibt Lob von höchster Fussballstelle: «Der Sieg für Mutschellen war verdient. Herzlichen Glückwunsch zum Erreichen dieses grossen Ziels», sagt Ciriaco Sforza. FCM-Goalie Riesen meint: «Für mich ist es das absolute Highlight meiner Karriere. Es ist einfach nur geil, dass ich mit dem Verein, bei dem ich schon mein Leben lang spiele, den Aargauer Cupfinal gewinne.»
Dieser Erfolg wird ausgiebig in einer legendären Party-Nacht gefeiert. Zuerst auf dem Sportplatz Dägerli in Windisch, dann in der Stalden- Bar in Berikon – und für die jungen Spieler ging es noch in den Zürcher «Mascotte»-Club. Trainer Sergio Colacino, der Gerüchten zufolge nur Panaschee und Ananassaft getrunken hat, geht nicht mit. «Ein Pantoffelheld», sei er. «Und zu alt für den heftigen Ausgang.» Und das mit zarten 40 Jahren.
Pnishi denkt ans Aufhören
Und Blerim Pnishi? Der feiert den Cupsieg ebenfalls ausgiebig. In seinem Kopf hat er aber Rücktrittsgedanken. «Ich denke langsam ans Aufhören», so der 30-Jährige. Sobald die Saison vorbei ist, werde er mit den Verantwortlichen des FC Mutschellen Gespräche führen. Es sei «noch offen», aber die Tendenz geht Richtung Rücktritt. Allerdings wäre es für den FC Mutschellen besser, wenn der technisch beste 2.-Liga-Stürmer noch eine Saison ranhängen würde – und es wäre vermutlich auch besser für sein Bäuchlein.
Die Auslosung für die erste Runde im Schweizer Cup am 28. Juni.
«Mein Hammerlos»
FC-St.-Gallen-Präsident und Mutschellen-Fan Matthias Hüppi zum Cupsieg
Matthias Hüppi lebte jahrelang auf dem Mutschellen und engagierte sich stark in der Region, beispielsweise bei der Supportervereinigung des FC Mutschellen und als Abgeordneter der Burkertsmatt. Der Präsident des FC St. Gallen schrieb zum Cupsieg ein paar Zeilen.
«Hätte ich mir vom FC Mutschellen ein Abschiedsgeschenk für den definiten Umzug in die Ostschweiz gewünscht, wäre es ganz bestimmt der Triumph im Aargauer Cupfinal gewesen. Da meine Familie und ich nach 27 Jahren in der Region des Cupsiegers aber ausschliesslich die schönen Erinnerungen mitnehmen möchten, überlasse ich das Präsent noch so gerne meinem zweiten Lieblingsklub, dessen Farben jenen meines ersten Herzensvereins in Grün-Weiss frappant ähnlich sind.
Der FCM, alle seine Spieler, sein Trainer- und Betreuerstab, seine Klubführung und all die guten Geister in so vielen Bereichen haben das Geschenk mehr als verdient. Ich freue mich und gönne es euch allen von Herzen. Sollten jetzt dank des Coups im Cup gar auch noch die breitere Öffentlichkeit und die Behörden freudig feststellen, wie wertvoll das Engagement letztlich auch im Dienste der Gesellschaft ist, würde dies den Wert des Erfolges noch zusätzlich steigern.
Der Cupsieg und damit die Teilnahme am «richtigen» Schweizer Fussballcup in der kommenden Saison hat, davon bin ich überzeugt, sehr viel mit der hervorragenden Infrastruktur im wunderschönen Sportzentrum Burkertsmatt zu tun. Ohne Burkertsmatt kein Cupsieg, ohne Burkertsmatt keine erfolgreiche Nachwuchsarbeit, ohne Burkertsmatt keine Begegnungsstätte für Menschen, die sich engagieren, die grosse Würfe planen und durchziehen, die Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit an den Tag legen. Die nicht nur salbungsvoll die gerade passende Rede halten, sondern etwas bewegen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Genauso ist die Mannschaft von Trainer Sergio Colacino, seines Zeichens Schweizer Meister mit dem FC St. Gallen im Jahre 2000, am Auffahrtsabend aufgetreten: mutig, selbstbewusst, agil, hartnäckig – kurz, einfach gut. Das war kein Rumpelfussball mit dem Ziel, ja nicht zu verlieren, sondern Qualitätsfussball mit dem Ziel zu gewinnen. Und das ist ein himmelweiter Unterschied. Die Mannschaft ist punkto Routine und Talent ausgewogen zusammengesetzt, harmoniert ganz offensichtlich bestens und überzeugt mit einem speziellen Teamgeist.
Dreimal dürft ihr raten, liebe FCM-Leute, welchen Cuphit ich mir, um den Kreis mit dem Geschenk zu schliessen, in der kommenden Saison wünsche: Grün gegen Grün-Weiss auf der Burkertsmatt. Ich sehe den ältesten Fussballklub, «meinen» FCSG, schon jetzt mit dem schönsten Fussballcar der Schweiz auf der Mutschellenkreuzung abbiegen, um auf der Burkertsmatt von «meinem» FCM willkommen geheissen zu werden. Das wäre mein persönliches Hammerlos.»
Muri-Frauen verlieren Final
Die Murianerinnen gingen gegen Baden als klarer Underdog in den Cupfinal. Die Freiämterinnen verlieren aber nur knapp mit 0:1. «Wir hatten sie, wo wir sie haben wollten», sagt Oliver Bless, Trainer der Muri-Frauen. «Sie haben das Spiel gemacht, aber hatten wenige zwingende Torchancen. Die besseren hatten wir.» Das Glück war den Freiämterinnen aber nicht hold. «Unsere Schlussoffensive hätte auch beinahe zum Ausgleich geführt», so der Trainer. «Irgendwo hat aber immer ein Zentimeter gefehlt.»
Vor dem Spiel wären die Murianerinnen mit dem Ergebnis zufrieden gewesen. Nach der Partie schwingt ein wenig Enttäuschung mit. Bless: «Es hat wirklich nicht viel gefehlt zum Penaltyschiessen. Und wenn man im Final ist, möchte man gewinnen. Die Gegnerinnen haben aber gesagt, dass wir sie gefordert haben. Das ist das grösste Lob.» --jl




