«Er war besser und hat es verdient»
07.05.2019 RingenMedaillenhungrige Freiämter Freistilringer gewinnen bei den Aktiven und den Kadetten sechs Medaillen
Zwei Wochen nach der starken Performance an den Greco-Schweizer-Meisterschaften überzeugen die Freiämter auch im Freistil. Im Fokus in Einsiedeln stand ein ...
Medaillenhungrige Freiämter Freistilringer gewinnen bei den Aktiven und den Kadetten sechs Medaillen
Zwei Wochen nach der starken Performance an den Greco-Schweizer-Meisterschaften überzeugen die Freiämter auch im Freistil. Im Fokus in Einsiedeln stand ein Finalduell zweier Teamkollegen.
Sie gelten beide als Ausnahmeringer. Ihre Talente setzen sie aber nur noch national ein. Der eine, Pascal Strebel (30), reiht seit Jahren Sieg an Sieg. Sei es an Mannschaftsmeisterschaften oder an Einzelwettkämpfen. Seit 19 Monaten ist er ungeschlagen. Dem anderen, dem 22-jährigen Michael Bucher, sind die Hände gebunden. Sein lädierter Rücken sagt ihm, wie viel respektive wie wenig er trainieren darf. In den vergangenen Jahren verbrachte er mehr Zeit in der Therapie als auf der Matte. Dennoch braucht er sich national vor keinem Gegner zu fürchten. Sein Talent und sein Wille reichen aus, um im Schweizer Ringsport Akzente zu setzen.
«Ich ringe nicht gerne gegen Eigene»
Am vergangenen Samstag an der Einzel-Schweizer-Meisterschaft im Freistil (70 kg) in Einsiedeln kreuzten sie ihre Klingen erstmals an einem Ernstkampf. Dass es erst im Final zu diesem Aufeinandertreffen kam, war das Tüpfelchen auf dem i. Angesprochen auf eine Prognose zu diesem Duell, mochte sich kaum jemand in der Halle aus dem Fenster lehnen. Der Trend ging dahin, dass es Strebel dank seiner Erfahrung und Kraft richten könnte.
Strebel war vor dem Kampf optimistisch: «Für mich ist klar: Freistil ist nicht meine Stilart. Ich gehe aber nicht an ein Turnier, um zu verlieren.» Bucher auf der anderen Seite gab zu Protokoll, dass er an Meisterschaften nicht gerne gegen eigene Leute ringe. Was die Zuschauer zu sehen bekamen, war ein Feuerwerk von Bucher. Seine Vorteile als gelernter Freistilspezialist nutzte er gnadenlos aus. «Ich habe mich auf seine Doppelbeinangriffe eingestellt. Eine Minute lang ist es gut gegangen, dann hat er mich erwischt», beschreibt Strebel die Vorentscheidung. In der Tat ergriff Bucher nach einer kurzen Abtastphase die Initiative und ebnete mit einer Viererwertung durch einen blitzschnellen Doppelbeinangriff den Weg zum Sieg. Zu Strebels Unmut zwickte es dabei in seiner Schulter, was ihn daran hinderte, konsequent zu reagieren. Bucher powerte weiter und machte den Sack noch vor dem Pausengong zu.
Strebel gab sich als fairer Sportsmann: «Ich freue mich für Michi. Er war besser als ich und hat es verdient.» Bucher selber verzichtete darauf, sich Sekunden nach dem Sieg überschwänglich zu freuen. «Ich glaubte daran, dass ich ihn schlagen kann. Zumindest habe ich es gewollt. Ich wusste, dass ich es bei ihm über die Beine versuchen musste», sagte er. Bei ihm sei es halt so, dass er die Gabe habe, sich trotz wenigen Trainings bei Wettkämpfen zu steigern.
Randy Vock in EM-Form
Nicht weniger stark war der Auftritt von Randy Vock (65 kg). Er demonstrierte bei seinem ersten Auftritt als Europameisterschafts-Medaillengewinner sein gewonnenes Selbstvertrauen. Der Murianer holte ungefährdet für Freiamt den zweiten Titel. «Ich habe das umgesetzt, was ich mit dem Nationaltrainer besprochen habe. Ich wollte die Kämpfe kurz halten, um das Verletzungsrisiko zu mindern», so der 25-Jährige. Zu spüren bekam dies unter anderem sein Finalgegner Timon Zeder aus Willisau. Dem Freiämter Erfolgsexpress schloss sich auch Nico Küng (75 kg) an. Die Niederlage im Halbfinal gegen den späteren Sieger Adrian Mazan steckte er weg. Beim Bronzekampf gegen den bisher stark auftretenden Walliser Logan Chardonnens lieferte er einen beinahe perfekten Kampf. Der Althäuserer fügte schliesslich seinem vor zwei Wochen gewonnenen Titel im Greco eine bronzene Auszeichnung hinzu. Ein Ausrufezeichen setzte auch der in der Mannschaftsmeisterschaft für Freiamt startende Thalheimer Marc Weber. Bis 86 kg entthronte er keinen Geringeren als den Einheimischen Andreas Burkard.
Santagata gewinnt, Käppeli und Brunner unter Wert klassiert
Für die Medaillen fünf und sechs sorgten die Kadetten. Während Marco Santagata in der Kategorie 74 Kilo in beeindruckender Manier siegte, gewann Silias Dietiker in einem Dreierfeld die bronzene Auszeichnung. Schlecht belohnt, mit zwei vierten Rängen, wurden Kimi Käppeli (66 kg) und Saya Brunner (53 kg) für ihren beherzten Auftritt. Alles in allem überzeugte Freiamt wie schon in Martigny vor zwei Wochen auf allen Ebenen. Jetzt gilt es, die starken Resultate spätestens in der Meisterschaft zu bestätigen. --ws

