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21.05.2019 WirtschaftIm Bünzmatt haben zwei Primarschulklassen zwei Firmen gegründet
Viele behaupten ja, die Schule bereite die Kinder heute zu wenig aufs reale Arbeitsleben vor. Bei den beiden 6. Klassen im Bünzmatt ist dies sicher nicht der Fall. Sie tauchen jeden ...
Im Bünzmatt haben zwei Primarschulklassen zwei Firmen gegründet
Viele behaupten ja, die Schule bereite die Kinder heute zu wenig aufs reale Arbeitsleben vor. Bei den beiden 6. Klassen im Bünzmatt ist dies sicher nicht der Fall. Sie tauchen jeden Donnerstagnachmittag in die Wirtschaftswelt ein.
Chregi Hansen
In einer richtigen Firma sollte der Motor immer auf Hochtouren laufen. Aber eben: Wenn nicht genügend gemacht wird, dann stockt der Verkauf. Und wenn die Beschaffungsabteilung die Materialbestellung vergessen hat, sitzt die Produktion untätig herum. «Wir lernen hier ganz viel fürs spätere Leben», ist denn auch Fabian Sax überzeugt.
Der Sechstklässler ist heute für die Kommunikation der Firma ProCutter zuständig. Zusammen mit Chiara Saladin, der Sprecherin von Smapcase6, führt er den Pressevertreter durch die beiden Unternehmen. Die 49 Schüler sind in ganz verschiedene Abteilungen eingeteilt. Es gibt wie in richtigen Unternehmen das Marketing, den Verkauf, die Produktion, die Beschaffung, die Buchhaltung und die Bestellung. «Die Schüler konnten sich für eine der Abteilungen bewerben», erklärt Chiara. «Aber das Ganze ist nicht ganz stur. Es wird auch mal gewechselt, je nachdem, wo mehr Arbeit anfällt.» Und wenn gerade gar nichts zu tun ist, dann wird auch mal einfach Französisch gelernt.
Jetzt geht es ums Verkaufen
Jeden Donnerstagnachmittag beschäftigten sich die Sechstklässler mit ihren beiden Firmen. ProCutter stellt mit Fimo verzierte Sparschäler her. «Die sehen besser aus und liegen besser in der Hand», ist der Firmensprecher Fabian überzeugt. Smapcase6 hat sich auf individuelle Handyhüllen spezialisiert, die aus Landkarten gefertigt werden. «Wir haben im Vorfeld viele Ideen gesammelt, was wir machen könnten. Diese beiden Produkte haben die meiste Unterstützung erhalten», sagt Chiara. Inzwischen läuft die Produktion auf Hochtouren und treffen die ersten Bestellungen ein. Neu haben die beiden Klassen jeweils am Donnerstagnachmittag auch einen Verkaufsstand im Schulhaus. «Die Stimmung ist sehr gut in den Klassen», erzählt Fabian. «Und die Schüler aus anderen Klassen sind etwas neidisch», weiss Chiara.
Etwas im Hintergrund bleiben bei dieser Besichtigung die drei beteiligten Lehrer Matthias Strebel, Marianne Viceconte und Janine Lunardi. «Wir haben letztes Jahr mit den beiden Klassen einen Kuchenverkauf fürs gemeinsame Klassenlager gestartet. Dabei waren die Kinder mit unglaublichem Elan und Teamwork bei der Sache. Dieses Projekt hat uns erneut aufgezeigt, dass wir zwei enorm begeisterungsfähige Klassen haben», berichtet Strebel. Mit den beiden in diesem Jahr gegründeten Firmen wird jetzt ein nächster Schritt getan. «Ich habe ein solches Projekt in einem Praktikum durchführen dürfen und es zu einer Bachelorausgebaut. Meine beiden Kolleginnen haben ziemlich rasch ihre Unterstützung zugesagt», berichtet Strebel weiter.
Erste Schwachstellen entdeckt
Ziel ist es, den Kindern eine Erfahrung mitzugeben, die sie in der Schule so nicht oder kaum erhalten werden: ihnen nämlich aufzuzeigen, dass erfolgreiches Geschäften viel vom Teamwork abhängt und dass sie ihre Stärken und ihre Motivation einbringen können. «Die Schülerinnen und Schüler sind zu einem grossen Teil sehr motiviert und engagiert am Werk. Die Rädchen greifen ineinander und viele Kinder beginnen, ihre t und die der anderen zu reflektieren», kann Strebel nach den ersten Wochen berichten. Die Schüler und Schülerinnen machen wichtige Erfahrungen, werden aber auch mit neuen Herausforderungen konfrontiert. «Die Koordination der einzelnen Abteilungen läuft noch nicht optimal», macht der Klassenlehrer ein Beispiel. Das kann zu Leerläufen in einzelnen Abteilungen führen – und dazu, dass sich die Schüler langweilen und Unsinn machen.
Bis zu den Sommerferien läuft das Projekt weiter. Die Schüler und Schülerinnen haben für ihre Firmen Logos kreiert, Visitenkarten hergestellt, Homepages gestaltet, Plakate aufgehängt, Werbefilme gedreht. Dafür hatten sie ein Budget zur Verfügung und mussten lernen, mit dem Geld haushälterisch umzugehen. «Zu Beginn waren wir im Minus, weil wir ja Material bestellen mussten, aber noch keine Einnahmen hatten», erzählt Fabian Sax. Beide Klassen hoffen natürlich, dass am Schluss ein kleiner Betrag übrig bleibt für die Klassenkasse. «Im Sommer wechseln wir an die Oberstufe. Es ist schön, zusammen noch ein solches Projekt zu machen», sagt Chiara Saladin.
Produkte sind in den Lehrerkreisen ein Hit
Auch die Schulleitung hat das Projekt von Anfang an unterstützt. Auch hier waren die Schüler und Schülerinnen an vorderster Front aktiv. So hat das Verkaufsteam eine Sitzung mit der Schulleitung abgehalten, um zu besprechen, welche Möglichkeiten die für den Verkauf bietet. «Auch die Kolleginnen und Kollegen äussern sich sehr positiv, der Andrang nach Schulschluss am Verkaufsstand war gross», berichtet Lehrer Matthias Strebel. «Es freut uns auch sehr, dass aus allen Bünzmatt-Häusern und allen Stufen Kunden angelockt werden konnten.»
Infos und Bestellungen unter www. procutter.jimdosite.com beziehungsweise smapcase6.jimdofree.com.



